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Jenny Schily präsentiert „Gloria“ im Filmmuseum

Cinéma Privé Jenny Schily präsentiert „Gloria“ im Filmmuseum

Prominente zeigen ihre Lieblingsfilme, so einfach und reizvoll geht das Konzept von „Cinéma Privé“, das monatlich im Potsdamer Filmmuseum zu sehen ist. An diesem Freitag präsentiert die Schauspielerin Jenny Schily das Drama „Gloria“ mit Gena Rowlands von 1980, Regie führte John Cassavetes. Schily gibt sehr persönliche Gründe für ihre Liebe zu diesem Film an.

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Eine Frau, die sich zu helfen wusste, im Zweifel mit einer Handfeuerwaffe: Gena Rowlands als Gloria im gleichnamigen Film von 1980.

Quelle: Columbia Pictures

Potsdam. Draußen taut der Schnee, und Jenny Schily lässt sich erstmal einen heißen Kaffee bringen. Legt den Mantel ab. Und setzt sich in den Sessel mit den engen, hohen Lehnen, der aussieht, als habe man ihn aus dem Fundus eines alten Films geholt. Jenny Schily, 48 Jahre alt, spricht über ein Werk, in dem der Sessel hätte stehen können: „Gloria“ von John Cassavetes, der 1980 in die Kinos kam. Ein New York ist zu sehen, in dem es wenig Glamour gibt, doch viele hart gezeichnete Konflikte. „Zum ersten Mal habe ich ,Gloria’ als junge Frau gesehen. Der Film hat mich sehr bewegt, in erster Linie wegen der großartigen Gena Rowlands, die ich als Gloria einerseits so cool, aber auch so emotional und liebenswert fand. Ich mag die vielen Facetten dieses Films.“

Die Schauspielerin Schily wird am Freitag um 19 Uhr im Potsdamer Filmmuseum über „Gloria“ in der Reihe „Cinéma Privé“ reden, die von Radio Eins (RBB) und der „Märkischen Allgemeinen“ präsentiert wird. Prominente stellen den Film vor, der ihr Leben geprägt hat – nach der persönlichen Einführung von Jenny Schily ist das Stück zu sehen. „Auf der ersten Ebene ist ,Gloria‘ ein spannender Thriller. Aber er ist auch die Geschichte einer wunderbaren Mutterwerdung. Und es ist ein Film über Flucht und Rettung. John Cassavetes kommt dabei ohne viel psychologische Erklärungen aus und bringt einem die Figuren doch so nahe. Das macht ihn für mich zu einem großen Film.“

Jenny Schily ist die älteste Tochter von Otto Schily (SPD), dem vormaligen Innenminister – „ich bin zeitweise ohne Fernseher aufgewachsen, aber das heißt nicht, dass mir alles entgangen wäre. Wir haben auch jetzt keinen Fernseher, weil wir mit dem täglichen ,Ritual’ nicht viel anfangen können. Aber wir gucken oft und gerne Filme auf unserem Beamer. Und wenn mich im Fernsehen etwas interessiert, schaue ich es im Internet.“ Reine Unterhaltungsfilme wie „Star Wars“ oder „James Bond“ könne sie sich durchaus ansehen, „aber am Schönsten finde ich, wenn ich unterhalten, also hineingezogen werde und zusätzlich noch ein paar gute Gedanken mitnehme. Wie eben bei ,Gloria’.“

Grandiose Gloria

„Gloria“ kam 1980 mit Gena Rowlands in die Kinos, Regie führte John Cassavetes. Es geht um eine Frau, die sich um einen kleinen Jungen kümmert, der seine Eltern durch die Mafia verloren hat. Gena Rowlands bekam für diese Rolle eine Oscarnominierung.

Jenny Schily kam 1967 zur Welt als Tochter des SPD-Politikers Otto Schily und der Malerin Christine Schily. Sie absolvierte die Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und war unter anderem Ensemble-Mitglied an der Berliner Schaubühne und am Maxim-Gorki-Theater. Im vergangenen Jahr spielte sie mehrere Rollen in der „Tatort“-Reihe.

In der Reihe „Cinéma Privé“ , die von „Radio Eins“ (RBB) und der „Märkischen Allgemeinen“ präsentiert wird, zeigen Prominente ihre liebsten Filme im Potsdamer Filmmuseum. Am 5. Februar wird der Radrennfahrer Jens Voigt den Film „Nobody’s Fool“ mit Paul Newman zeigen.

An diesem Freitag spricht Jenny Schily um 19 Uhr im Potsdamer Filmmuseum über „Gloria“. Karten unter 0331 / 2718112.

Jenny Schily weiß zu wechseln zwischen ernst und heiter, sie überlegt, bevor sie etwas sagt, setzt Pausen, sie ist präzise und verbindlich. Und lächelt dann wieder unbefangen. Diese beiden Pole mag sie auch beim Film: „Ich lache und weine gerne im Kino – das liegt ja im besten Falle nah beieinander. Sich in eine Geschichte hineinfallen zu lassen und mit den Figuren zu leiden oder sich zu freuen, kann wunderschön sein!“ Mit dem Vater hat sie früher Filme von Jacques Tati geguckt, mit der Mutter Polanski, Truffaut oder Godard, „das hat mich sicher auch geprägt.“

Im vergangenen Jahr spielte sie häufig Rollen im „Tatort“, nicht in einem bestimmten Team, denn sie liebt wechselnde Aufgaben. Sie war Mitglied in Theaterensembles in Berlin und Frankfurt am Main, doch die freie Schauspielerei halte sie gedanklich beweglicher. Ihre Karriere hat sich vom Theater etwas entfernt, neigt jetzt zum Film – und nach einem Schluck Kaffee möchte sie doch mal das deutsche Fernsehen verteidigen, das allgemein ja keinen guten Ruf genießt: „Es ergibt wenig Sinn, immer die US-Serien als Maßstab anzulegen, allein weil dort unter ganz anderen Bedingungen gearbeitet wird als hier. Außerdem gibt es natürlich auch in den USA schlechtes Fernsehen, genauso wie in Deutschland.“ Hier wie dort finde man Produktionen, die über dem Durchschnitt liegen und das Publikum begeistern.

Nun aber zunächst „Gloria“, der sein Publikum seit 36 Jahren in den Bann zieht. Gena Rowlands war 50, als sie die Hauptfigur gespielt hat. Wird die Rollen-Auswahl für Schauspielerinnen schwierig, wenn man keine 30 mehr ist? „Ich weiß nicht, ob es zwingend schwerer ist, als Schauspielerin mit 50 eine gute Rolle zu bekommen. Das ist ein stückweit ein Vorurteil, das leider oft von den Medien unterstützt wird“, sagt Jenny Schily.

Bei ihr laufe es gut, sie freue sich über ihre Rollen. Und würdigt am Freitag im Filmmuseum die Rowlands, die es in „Gloria“ so furios hinbekommen hat. Denn ein derart starker Film ist noch belebender als guter, starker Kaffee.

Von Lars Grote

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