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Jim Rakete stellt „Manhattan“ im Filmmuseum vor

Cinéma Privé Jim Rakete stellt „Manhattan“ im Filmmuseum vor

Woody Allen hat 1979 seine Komödie „Manhattan“ gedreht, ein rastloses Wer-liebt-wen unter New Yorks Intellektuellen. Der Fotograf Jim Rakete stellt das Stück an diesem Samstag in der Reihe „Cinéma Privé“ im Potsdamer Filmmuseum als seinen Lieblingsfilm vor. Rakete liebt die Bilder von „Manhattan“ und sieht Parallelen der Stadt zum alten West-Berlin.

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„Manhattan“ von Woody Allen aus dem Jahr 1979 bietet die große Kulisse für Liebeskummer aller Art – rechts Allen, links eine Herzensdame.

Quelle: MGM

Potsdam. Jim Rakete zieht an seiner Pfeife, der Rauch steigt hoch unter die Decke. Wir sind im zweiten Hinterhof, „Sie finden mich ganz hinten“, hat Rakete mitgegeben auf die Anreise ins tiefe Berlin-Kreuzberg. Hier sitzt er, alte Industriehalle, sie ist so großzügig geschnitten, dass man nicht richtig heizen kann und eine angenehme Kühle herrscht, die gut fürs Denken ist. Vor ihm steht eine Schreibmaschine, vor 30 Jahren war sowas der letzte Schrei. „Woody Allen hat die gleiche“, sagt Jim Rakete, der einen blauen Pullover mit Reißverschluss trägt. Er hat sich die Maschine noch ein zweites mal gekauft, falls die erste eines Tages nicht mehr lebt.

Woody Allen – wir sind beim Thema. Am Samstag um 19 Uhr wird Rakete, der große Fotograf, seinen Lieblingsfilm im Potsdamer Filmmuseum präsentieren: „Manhattan“ von Woody Allen aus dem Jahr 1979 hat er gewählt, und wenn man fragt, warum denn gerade den, muss Jim Rakete sich kurz sammeln, weil er nicht weiß, wo er beginnen soll. „Lange Kamerafahrten, unverbrauchter Blick auf New York, eine Geschichte, die uns zeigt, wie die Liebe vom Himmel fällt und wir nicht alles zergrübeln sollen.“ Punkt. Noch ein Zug an der Pfeife. Hat er etwas vergessen? Rakete lobt den Kameramann Gordon Willis, dem es immer um die „einfachen Lösungen“ gegangen sei.

Jim Rakete stellt in Potsdam seinen Lieblingsfilm vor

Jim Rakete stellt in Potsdam seinen Lieblingsfilm vor.

Quelle: dpa

Jim Rakete, 65 Jahre alt, hat Nina Hagen und Nena gemanagt, durch seine schwarz-weißen Fotos ihr Image nachhaltig geprägt – seine Bilder holten eine Energie aus den Gesichtern, die er schwerlich aus dem Licht gezogen haben kann, denn Licht gab es auf diesen Fotos kaum. Er hat Mick Jagger fotografiert, 1969 auf einer Stones-Tournee, „Jagger ist ein Vulkan“, sagt Rakete. „Jagger hat versucht, zu spät zu kommen, doch Keith Richards kam noch später.“

Rakete hat auch Fotos von Bowie gemacht, von dem jetzt alle reden wie von einem Gott, seitdem er tot ist. „David Bowie kam mit der Transsibirischen Eisenbahn von seinen Konzerten aus Japan, er wollte per Nachtzug nach Paris. Die Fans haben sich zugeflüstert, wann er am Berliner Bahnhof Zoo eintreffen würde. Viertelstunde Aufenthalt. Wir hofften, dass er aussteigt, auf eine Zigarette.“ Und er kam. Auch Rakete war da, hat Bowie mit der Kamera erwischt, den Paradiesvogel, der Ballonmütze trug und seinen Fans am Bahnhof Feuer gab. Er sieht aus wie ein weiß geschminkter Harlekin. „Der Bahnhof Zoo war eine Dunkelkammer, ich musste blitzen, das habe ich gehasst.“

MAZ und Radio Eins präsentieren „Cinéma Privé“

Für die Reihe „Cinéma Privé“ kommen Prominente ins Potsdamer Filmmuseum, um über ihren Lieblingsfilm zu sprechen, der anschließend zu sehen ist. Präsentiert wird die Reihe von der MAZ und Radio Eins vom RBB.

Der Fotograf Jim Rakete ist an diesem Samstag um 19 Uhr im Filmmuseum zu Gast, um Woody Allens Film „Manhattan“ aus dem Jahr 1979 vorzustellen. Karten unter 03 31/2 71 81 12.

„Manhattan“ nimmt die Beziehungsprobleme der amerikanischen Intellektuellen auf die Schippe und ist zugleich eine poetische Hommage an New York, die Geburtsstadt von Woody Allen – unterlegt von George Gershwins „Rhapsody in Blue“.

So ging es zu im alten West-Berlin, das ihn geprägt: „Die Stadt war bettelarm, Ende der 80er schaute ich in mein Telefonregister, in dem es genau zwei Make-Up-Damen und eine Stylistin gab. Mehr waren nicht zu haben. Die Schrecksekunde zwischen Idee und Verwirklichung war etwas kleiner.“

Dieses Tempo liebt er auch an Woody Allens Film „Manhattan“. „Die Stadt fragt atemlos: Ja oder nein?“ Nur die junge Geliebte im Stück habe verstanden, dass Liebe Zeit braucht. „Heute hingegen“, sagt Rakete, „muss die Liebe in den Augenblick passen.“ Wie auch die Fotos auf Facebook. „So viele Eindrücke, keiner weiß mehr, was er will.“ Darum liebt Jim Rakete die ordnende Hand von Woody Allen in „Manhattan“.

Von Lars Grote

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