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Babelsberger mit Lola-Chancen

Deutscher Filmpreis: Schnittmeister Jörg Hauschild nominiert mit „Als wir träumten“ Babelsberger mit Lola-Chancen

Daumen drücken! Der Potsdamer Schnittmeister Jörg Hauschild ist mit „Als wir träumten“ für den Deutschen Filmpreis nominiert, der am Freitagabend vergeben wird. Im Sommer will er jedoch mal die Seiten wechseln und in Schwerin mit eigenen Songs auftreten.

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Jörg Hauschild vor seiner Lieblingskneipe „Konsum“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Man kann zwar ein Porträt über Schnittmeister Jörg Hauschild schreiben, ohne im Nebensatz direkt Andreas Dresen zu erwähnen. Aber das ist nur mäßig sinnvoll. Denn Hauschild hat seit „Halbe Treppe“ (2002) alle Spielfilme des preisgekrönten Potsdamer Regisseurs sowie beide Dokus über „Herrn Wichmann von der CDU“ montiert, also das Ton- und Bildmaterial strukturiert, dem Film den passenden Rhythmus gegeben. Nun könnte der 47-Jährige mit Dresens „Als wir träumten“ den Deutschen Filmpreis für den besten Schnitt holen. Leider wurde der Film in allen anderen Kategorien ignoriert. „Ich halte die Fahne für unser Team hoch“, sagt Hauschild augenzwinkernd in der Thalia-Kino-Kneipe „Konsum“.

„Als wir träumten“ erzählt nach Clemens Meyers gleichnamigem Roman die Geschichte einer Gang, die sich durchs Leipzig der Nachwende feiert, prügelt, liebt. Die Jungs treiben es wild in ihrem eigenen Techno-Club – Szenen, die Hauschild im Schnitt am meisten Spaß machten. Er komponierte eine schnelle, mitreißende Bilderfolge: Bäm! Bäm! Bäm! Für knapp 120 Filmminuten sichtete Hauschild ein Mehrfaches an gedrehtem Material, erstellte Best-of-Rankings für die Szenen. So ein Film entsteht eben im Schnitt.

Ursprünglich wollte Hauschild gar nicht zum Film, sondern Musikproduzent werden, an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Ton studieren. In der DDR wurde für diesen Studiengang nur alle fünf Jahre aufgenommen. Also bewarb sich Hauschild für Ton an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) und traf dort auf den Regie-Kommilitonen Andreas Dresen. Nach dem Diplom trennten sich beider Wege erst einmal. Hauschild gründete mit anderen HFF-Alumni eine Firma, die sich auf Filmschnitt spezialisierte, brachte sich die Avid-Schnitt-Technologie bei. „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hatten bei Produktionen für MDR, SFB und ZDF gleich einen Fuß in der Tür.“ Die Firma verließ er bald wieder, um als freier Schnittmeister zu arbeiten. In seiner Filmographie stehen hochgelobte Dokus wie „Vaterlandsverräter“, „Anderson“ (über den Dichter-IM Sascha Anderson), zuletzt „Fassbinder“. Schöner Nebeneffekt der Dokus mit vielen Stunden Zeitzeugen-Interviews: „Der eigene Horizont erweitert sich.“

Im Sommer wechselt Hauschild mal die Seiten, widmet sich der Musik. Schon länger schreibt er Songs, die nun in die Öffentlichkeit sollen. Ein Bekannter biete ihm eine Bühne, Raum für einen Testballon. „Ich will im Juli in Schwerin auftreten, in kleinem Rahmen.“ Ohne das ebenfalls musizierende Regie-Schauspieler-Duo Dresen und Axel Prahl, das absorbiert zuviel Scheinwerferlicht. Wie man Hauschilds Songs beschreiben könne? „Meine Freunde sagen immer: ,Klingt wie Rammstein, nur romantischer’.“

Im Herbst startet Dresens nächstes Projekt, die Verfilmung des Kinderbuches „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Hauschild als Schnittmeister dabei ist.

Dreifache Lola-Chancen

Der gebürtige Geraer Jörg Hauschild studierte von 1989 bis 1993 an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF). Hauschild war Schnittmeister bei etlichen Filmen von Andreas Dresen, darunter für sein Krebsdrama „Halt auf freier Strecke“ (2012), für das Hauschild die erste Nominierung für den Deutschen Filmpreis erhielt.

In 16 Kategorien wird am Abend des 19. Juni im Berliner Palais am Funkturm der Deutsche Filmpreis Lola verliehen. Mit 2,955 Millionen Euro Preisgeldern ist die Lola der höchstdotierte Kulturpreis hierzulande.

Fünf Nominierte gehen ins Rennen um die Schnitt-Lola. Außer Hauschild sind das Mathilde Bonnefoy („Citizenfour“), Sven Budelmann („Stereo“), Alexander Dittner („Elser – Er hätte die Welt verändert“) und Robert Rzesacz („Who am I – Kein System ist sicher“).

Weitere Babelsberger HFF-Absolventen mit Siegchancen sind Szenenbildner Thomas Stammer (nominiert mit Benedikt Herfort für „Elser“) und Frank Kruse (nominiert mit Matthias Lempert und Alexander Buck für „Citizenfour“) für die beste Tongestaltung.

Von Ricarda Nowak

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