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12:40 29.01.2019
Ladies’ JazzNigth am 26.01.2019 im ausverkauften Potsdamer Nikolaisaal Foto:Irina Kirilenko Quelle: Irina Kirilenko
Potsdam

 Unter einer „Ladies’ Night“ versteht man in den USA etwas Verbotenes. Laut der dortigen Rechtssprechung werden Männer unrechtmäßig diskriminiert, wenn weibliche Besucher für den Eintritt oder die Getränke weniger bezahlen müssen als sie. Der Nikolaisaal nahm sich am Samstag nun schon zum zweiten Mal die Freiheit, eine Ladies’ JazzNight auszurichten. Mit der Formulierung meinen die Potsdamer aber eine weibliche Dominanz auf der Bühne.

Eine schützenswerte Minderheit

Obwohl sich der Jazz im 20. Jahrhundert als Teil der Protestkulturen und Emanzipationsbewegungen verstand, gelten Jazz-Musikerinnen im Establishment der Jazz-Szene auch heute noch als eine schützenswerte Minderheit. Mit dieser Wahrnehmung und der Erwartung, beglückende Frauenpower zu erleben, wurden die Berliner Pianistin Julia Hülsmann und die US-amerikanische Sängerin China Moses zu einem zweiteiligen Damenabend nach Potsdam eingeladen.

Ein Mann als Backgroundsänger

Hülsmann brachte sechs Kolleginnen und einen Kollegen mit. Michael Schiefel fungierte beim ersten Titel – ein bedächtiger Samba, den die Brasilianerin Aline Frazão mit verträumtem Ausdruck sang – wie ein Backgroundsänger. Der Tenor fällt aber nicht aus dem Rahmen, denn er kann sich den weiblichen Stimmlagen mühelos anpassen.

Wohlfühl- und Wegträumstimmung

Das Oktett verfolgt einen durch und durch lyrischen Ansatz. Die harmonischen Arrangements bringen Kontrabass, Cello und Geige fein ausgearbeitet zur Geltung. Aufgeführt werden elf ambitionierte Kunstlieder, die Julia Hülsmann als ihre „Lieblingsstücke“ bezeichnet. Bei keinem spielt sich die 50-jährige Pianistin in den Vordergrund. Auch auf den eingebauten Improvisationsstrecken bleibt die vorgegebene Wohlfühl- und Wegträumstimmung gewahrt.

Die Harmonien der Frauen durchkreuzt

Gern sieht man der Schlagzeugerin Eva Klesse zu, wenn sie etwa bei dem Beatles-Klassiker „Come Together“ ein klares Metrum vorgibt. Dieses Lied spielt immerhin mit Dissonanzen und erstmals treten alle drei Sänger gleichberechtigt miteinander auf. Mit ihrer vollen, weichen, warmen Stimme übernimmt Aline Frazão den sinnlich-traditionellen Part. Die Norwegerin Live Maria Roggen kann mit mit ihrer extrem ausgebildeten Stimme auch in metaphysische Oberton-Bereiche vordringen. Atemberaubend ihre Interpretation von „Your Congratulations“. Und der Stimmkünstler Michael Schiefel darf sich dann wider Erwarten doch noch mit männlichem Impetus in Szene setzen und mit ekstatischen Bewegungen über die Bühne bewegen. Er ist der einzige, der die gesitteten Harmonien der Frauen auch mal durchkreuzt. Mit seinem artigen Haarschnitt und dem grauen Anzug wirkt er wie einer, der in den frühen 1960er Jahren an den Konventionen rüttelt.

Kraftvoll und lässig

Weitaus rebellischer, extrovertierter und auch lauter geht es dann nach der Pause zu. Die in Paris lebende schwarze R & B- und Jazz-Diva China Moses entschuldigt sich prompt dafür, dass sie mit vier jungen Männern auf der Bühne steht. Wenn sie ihre ersten Worte an „Meine Damen und Herren in Potsdam“ richtet, legt sie sich – mit den Fingern schnipsend – einen Groove unter. Die kleine gedrungene Frau mit Glitzer im Haar und Röhrenbeinen auf hochhackigen Schuhen ist eine geborene Erzählerin, eine Stimmungskanone, die ihre Weiblichkeit mit Augenzwinkern ausstellt. Der geradlinige Jazzrock mit Funk-, Soul- und Blueseinschlag garantiert eine kraftvolle Energiezufuhr. Der entschiedene Sound geht mit ihrer Lässigkeit und ihrer tiefen, variantenreichen Stimme eine fest umrissene Verbindung ein. Der Schlagzeuger Tiss Rodriguez darf in zwei Soli sein rhetorisches Talent ausspielen und der Pianist Mike Gorman meißelt zielgerichtete Läufe in die Tasten. Die überraschenden Blenden hat Bastien Ballaz, der Posaunist, arrangiert, der mit seinem Instrument klare und wundervoll intonierte Ornamente vorgibt, die die Lieder treiben.

Freizügige Einblicke in ihr Leben

China Moses singt eigene Lieder von ihrem Album „Nightintales“, das von ihrem Leben und von fünf Pariser Nächten mit viel Whisky handelt. Zwischendurch gewährt sie freizügig Einblicke in ihr Leben. Sie ist nicht nur eine gewaltige Sängerin, sondern auch eine begnadete Entertainerin, die es versteht, die Zuschauer auch mit spontanen Einlagen zu bannen.

Von Karim Saab

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