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Nachrichten Kultur Junge Kuratorin traf Auswahl zur DDR-Ausstellung
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15:09 17.11.2017
Valerie Hortolani vor einem Bild von Arno Rink („Porträt Henry Schumann“, 1968). Es ist eines von 117 Werken der Ausstellung „Hinter der Maske“. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Ab 29. Oktober präsentiert das Museum Barberini in Potsdam die große Sonderausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“. Für die Auswahl der Bilder zeichnet Valerie Hortolani (gemeinsam mit Michael Philipp) verantwortlich.

Frau Hortolani, gemeinsam mit Michael Philipp kuratieren Sie die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“, die am 29. Oktober im Museum Barberini eröffnet wird. Es gibt immer mehr Besucher, die die DDR nicht aus eigener Anschauung kennen. Welche Rückschlüsse lassen sich von den Bildern auf diesen Staat ziehen?

Uns interessiert das Selbstverständnis der Künstlerinnen und Künstler in der DDR. Manche bezogen sich in ihren Werken auf die Verhältnisse in dem Staat und reflektierten kritisch ihre Rolle innerhalb der Vorgaben. Andere schufen ihre Kunst frei von jeglichem Systembezug. Die Erfahrungen, Haltungen und Stile der Künstler waren ganz individuell und das Kunstleben reicher, als es oftmals beschrieben wird. Uns geht es darum, unterschiedliche Strategien der Selbstbehauptung zu untersuchen und kreative Spielräume aufzuzeigen.

Die Kuratorin

Valerie Hortolani (30) ist seit 2016 Gastkuratorin am Museum Barberini in Potsdam. Sie studierte Kunstgeschichte, Musik- und Medienwissenschaft in Marburg und an der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Masterarbeit schrieb sie zum Aspekt der Materialfülle als künstlerische Strategie in Installationen seit den 1960er Jahren. Von 2014 bis 16 volontierte sie an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Sie kuratierte und kokuratierte Ausstellungen über Miró und Alberto Burri. Außerdem war sie an der Realisierung von Projekten zeitgenössischer Künstler wie Ibrahim Mahama und Chiharu Shiota beteiligt.

Für den Ausstellungskatalog „Hinter der Maske“, der Ende Oktober erscheint, schrieb sie ein Essay mit dem Titel „Selbstportrait und Alter Ego. Zur Inszenierung des Künstlers in der DDR“. Außerdem verfasste sie das Kapitel „Gemeinschaftsbilder. Gruppen und Kollektive“.

Fiel es Ihnen persönlich schwer, sich in den Stellenwert, den die Kunst in der DDR besaß, hineinzuversetzen?

Mit einem kunsthistorischen Instrumentarium ausgestattet, kann man sich der Kunst in der DDR – wie auch der Kunst aus anderen Ländern oder Zeiten – wissenschaftlich nähern. Tatsächlich wurde der Kunst in der DDR ein großer gesellschaftlicher Stellenwert beigemessen – viel mehr, als dies heute häufig der Fall ist. Sich in diese Zeit hineinzuversetzen, aber zugleich mit historischer Distanz auf sie zu blicken, war gleichzeitig Herausforderung und Chance.

Wie haben Sie die 117 Kunstwerke ausgewählt?

Wir haben die Werke auf die insgesamt neun thematischen Kapitel der Ausstellung hin ausgewählt. Sie stammen aus der ganzen Zeitspanne der DDR und präsentieren das Thema über die verschiedenen Kunstzentren und „Schulen“ hinaus übergreifend. Bis genau diese 117 Arbeiten feststanden, haben wir in den letzten Jahren eine viel größere Zahl von Kunstwerken in Katalogen, Sammlungen oder bei Künstlern gesichtet. Nach und nach kristallisierte sich diese Auswahl heraus, wobei auf dem Weg viele Überlegungen angestellt wurden, warum genau dieses und nicht jenes Werk gezeigt werden sollte.

Darunter sind auch zehn Bilder der Sammlung Plattner. Was zeichnet sie aus? Werden Sie dieses Mal – anders als in der Impressionismus-Ausstellung – die Leihgeber nennen?

Diese zehn Werke gehören in den Zusammenhang unseres Themas. Sie sind Teil der Sammlung des Museums Barberini, da sie in den Besitz der Hasso Plattner Stiftung übergegangen sind. Sie werden auch entsprechend gekennzeichnet. Bei anderen öffentlichen und privaten Leihgebern wird es – sofern sie dies möchten – ebenfalls eine Nennung der Leihgeber geben.

Warum haben Sie sich bei den Exponaten nicht auf Gemälde beschränkt?

Wir wollen ja gerade zeigen, wie vielfältig das Kunstschaffen in der DDR war, deshalb war für uns die Einbeziehung anderer Medien wie Fotografie, Zeichnung, Grafik oder Skulptur sehr wichtig. Im Rahmenprogramm der Ausstellung zeigen wir in Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam beispielsweise auch Künstlerfilme.

Im Juli wurde bekannt, dass Sie parallel zu „Hinter der Maske“ auch 16 großformatige Gemälde aus dem einstigen Palast der Republik im Barberini ausstellen. Dabei handelt es sich quasi um die Maske, die sich der Staat aufgesetzt hat. Was erhoffen Sie sich von einer solchen Gegenüberstellung?

Wir möchten mit diesen Werken einen historischen Kontext aufzeigen. Vor dem Hintergrund dieser Werke, die eine Vorstellung davon geben, was der Staat von der Kunst zu einer bestimmten Zeit erwartete, wird die kritische Selbstreflexion der Künstler, die wir in der Ausstellung „Hinter der Maske“ zeigen, umso deutlicher.

Sie zeigen also Staatskunst und dissidentische Kunst unter einem Dach. Solche Versuche sind schon gründlich schief gegangen, besonders eklatant in Weimar 1999. Was gibt Ihnen den Mut, den Spagat zu wagen?

Die Kunst in der DDR lässt sich nicht pauschal in „offiziell“ und „inoffiziell“ aufteilen – es gab unzählige Schattierungen zwischen diesen vermeintlichen Polen, die sich in den Werken und Biografien der Künstler spiegeln. Das bedeutet auch, Widersprüche zuzulassen. Uns geht es darum, historische Zusammenhänge zu schaffen – gerade weil für viele die Kunst in der DDR ein nahezu unbekanntes Thema ist. Die Bilder aus dem Palast der Republik lagern seit Jahrzehnten im Depot des Deutschen Historischen Museums. Kunst aus der DDR ist in den Museen allgemein kaum zu sehen. Wir zeigen diese Werke deshalb jetzt wieder, damit sich die Besucher ihr eigenes Urteil darüber bilden können.

Die Kunst in der DDR entwickelte sich weitgehend abgeschottet von der Welt. Wo sehen Sie die Kunst aus den vier DDR-Jahrzehnten im internationalen Maßstab?

Die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ zeigt, dass sich die Kunst nicht in völliger Abschottung entwickelte. Im Blick zurück auf die jahrhundertealte Kunstgeschichte ließen sich für Künstler Verweise und Traditionslinien finden. Andere fanden in der Mail Art Wege, sich über Ländergrenzen hinwegzusetzen. Mit dem internationalen Revival von figurativer Malerei oder analoger Fotografie heute kann die Kunst aus der DDR auch zeitgenössischen Künstlern als Inspiration dienen. Hier gibt es noch viel zu entdecken.

Von Karim Saab

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