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Jutta Hoffmann wird Donnerstag 75 Jahre alt

Geburtstag Jutta Hoffmann wird Donnerstag 75 Jahre alt

Viele sagen, sie war die beste Schauspielerin der DDR: Jutta Hoffmann hat Filme wie „Der Dritte“ geprägt. Anfang der 80er Jahre ging sie in die Bundesrepublik, um die Jahrtausendwende spielte sie vier Mal die Brandenburger Kommisssarin Wanda Rosenbaum im „Polizeiruf 110“. Am Donnerstag wird Jutta Hoffmann 75 Jahre alt.

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Jutta Hoffmann mit Horst Krause im Brandenburger „Polizeiruf 110“ von 2001.

Quelle: RBB

Potsdam. Um die Jahrtausendwende fand Jutta Hoffmann nach Brandenburg. Für vier Episoden spielte sie an der Seite von Horst Krause im märkischen „Polizeiruf 110“ die Kommissarin Wanda Rosenbaum. Wenn man sie dort beim Dreh besuchte, war sie die Ruhe selbst, trug ihren langen, weiten Mantel, in dem man ihr die Fährtenleserin bereits von weitem ansah. Sie sprach über die Rolle, gab Auskunft, geduldig und zugewandt, und wenn das Drehteam sie mit Macht zurück ins Set rief, weil die Zeit mal wieder drängte, dann hat sie unbeirrt geantwortet: „Ich möchte den Gedanken gerne noch zu Ende führen.“

Sie ist störrisch und intensiv, sie kann auch freundlich sein, gar liebenswert, doch zu den eigenen Bedingungen. So ist das ist in der Schauspielerei: Eigensinn ist wichtig für Arbeit auf der Bühne, wenn sie das Hier und Heute überdauern soll.

In „Der Dritte“ wurde Hoffmann in Venedig ausgezeichnet

Am Donnerstag wird Jutta Hoffmann 75 Jahre alt. „Ich musste vor die Leute“, hat sie früh gesagt. Unter der Regie von Egon Günther spielte sie in Defa-Filmen wie „Junge Frau von 1914“ nach dem Buch von Arnold Zweig oder „Der Dritte“, furios gab sie da eine alleinerziehende Chemielaborantin in Bitterfeld. Für die Rolle wurde sie 1972 mit dem Silbernen Löwen auf dem Filmfest in Venedig als „Beste Darstellerin“ geehrt.

1973 ging sie zum Berliner Ensemble, das damals unterm Dogma stand, Brecht zu spielen, rauf und runter. Jutta Hoffmann aber glänzte nicht allein bei Brecht, sondern auch bei Strindberg: Das „Fräulein Julie“ spielte Hoffmann 1975 mit Hackebeil, das sie wie eine Fahne schwang. Sie stieg über die Sitze des Publikums, als sei das eine Flucht. Hoffmann hat die Befreiung des Individuums gefeiert – nach zehn Aufführung wurde die Inszenierung verboten.

Nachdem sie 1976 gegen Biermanns Ausbürgerung protestierte, hat man der Hoffmann die großen Rollen vorenthalten. Sie durfte in den Westen, halb wirkte es wie die Entschuldigung des Staates, dass man sie mit der „Julie“ derart abgewürgt hatte, halb war es die schnöde Abschiebung nach der Parteinahme für Biermann.

Auch für Unterhaltung blieb Zeit

Jutta Hoffmann ging nach West-Berlin zu Luc Bondy, nach München zu Dieter Dorn und zu Peter Zadek nach Hamburg. Nein, sie war nicht nur auf Hochkultur getrimmt, zwischendurch blieb Zeit für Unterhaltung: Sie mischte in Wolfgang Menges TV-Satire „Motzki“ mit.

Wenn Jutta Hoffmann die Tagebücher der Autorin Brigitte Reimann als Hörbuch liest, treffen sich zwei Frauen auf Augenhöhe, beide gelten als nicht unterdrückbar – hier die Reimann, die mit ihren Männern und der DDR zu kämpfen hatte, dort die Hoffmann, die immer etwas scheu wirkt, unnahbar, und deren Stimme in der größten Sachlichkeit doch stets auch Ärger transportieren kann, von dem man gar nicht weiß, wo er nun genau steckt. Oder sie zeigt Zärtlichkeit, die man aus ihren „unbedingten Augen“ abliest, wie es Egon Günther formulierte, der Regisseur, dem sie vertraute. Als Günther das sagte, war Jutta Hoffmann eine Frau von 30 Jahren, Mädchengesicht und „nicht eben prächtig einherwandelnd im Fleische“. Ja, sie war schlank. Und ist es noch.

„Die Beste der DDR“

Jutta Hoffmann wurde am 3. März 1941 in Halle/Saale geboren. Sie studierte an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Anfang der 80er Jahre ging sie in die Bundesrepublik. Heute lebt Hoffmann in Potsdam.

In einer Kritiker-Umfrage wurde Jutta Hoffmann zur besten Schauspielerin der DDR gewählt. Beim Filmfest in Venedig erhielt sie 1972 den Silbernen Löwen als „Beste Darstellerin“ für ihre Rolle in „Der Dritte“.

Im Brandenburger „Polizeiruf 110“ spielte Hoffmann zwischen 1999 und 2002 vier Mal die Kommissarin Wanda Rosenbaum.

Wenn sie also Reimanns Tagebücher liest, die Zeilen, die dem Tod entgegendämmern und doch nach dem Funken suchen, der sich entzünden kann am Leben, hat Jutta Hoffmann ein Gespür für pathosfreien Vortrag. Sie liest: „Die große Liebe ist kaputt, ich sitze in einer fremden Stadt, ziemlich allein, und ich bin nicht mehr jung.“ Bei Hoffmann klingt das nah und distanziert im selben Atemzug. Es zeigt, Hoffmann versteht die Frau bis ins Detail.

Auch Jutta Hoffmann ist sensibel. Und nicht ganz einfach. Doch voller Mitgefühl. Aus dieser Mischung zieht sie ihre Kraft, mit der sie Kolossales schuf.

Von Lars Grote

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