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Zwei Stunden Show-Wahnsinn mit K.I.Z.

Ausverkauftes Konzert in Berliner Max-Schmeling-Halle Zwei Stunden Show-Wahnsinn mit K.I.Z.

Adolf Hitler im Gammellook, viel Bombast und ein DJ-Pult in Form eines Panzers. Die Berliner Rapper von K.I.Z. haben am Freitag in Berlin ein ziemlich wahnsinniges Konzert gegeben. Am Ende liegen sich die Fans selig in den Armen und ein Gospelchor singt ein ziemlich unchristliches Weihnachtslied.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. Hitler hat ordentlich zugelegt. Fetter behaarter Bierbauch und Doppelkinn - seine Brustwarzen sind mit pink-farbenen Hakenkreuzen überklebt. Ist das lustig? Naja, wenn K.I.Z. Zeilen wie diese dazu rappen, ist es jedenfalls Satire und mehr als nur ein Gag: „Ladys finden meinen Quadrat-Bart perfekt / Sie lieben Adolf Hitler, nenn es AH-Effekt“. Die drei Rapper plus DJ Craft halten dem verharmlosenden Medienkult um Hitler einen Spiegel vor die quotengeile Visage. Und weil K.I.Z. so etwas wie Rammstein für Rapper ist, machen sie es mit Freude an Bombast und Provokation.

Aberwitzige Materialschlacht

Die Show am Freitagabend in der seit Monaten ausverkauften Max-Schmeling-Halle gerät zur aberwitzigen Materialschlacht. K.I.Z. sind zurzeit die Superstars im deutschsprachigen Hip Hop. Ihr neues Album „Hurra die Welt geht unter“ schaffte es auf Platz 1 der Charts, die Tour ist fast komplett ausverkauft. Rapper sind versiert darin, zu zeigen, welches Huhn im Stall die dicksten Eier hat. Und bei K.I.Z. macht die Selbstinszenierung sogar Spaß. Schließlich übertreiben Tarek, Nico und Maxim es so sehr und bremsen jede Überheblichkeit mit Selbstironie aus. Sie flunkern aus Prinzip wie Pippi Langstrumpf. Nicht umsonst heißt ein Song „Ein Affe und ein Pferd“ und die Fans nennen sich „Taka-Tuka Ultras“.

Hitler im Gammel-Look als Stargast

Ohne Ende Stargäste gesellen sich zu den Gastgebern, neben dem Hitler im Gammel-Look alias Comedian Oliver Polak unter anderem Henning May von der Band AnnenMayKantereit, der zwischen den umherspringenden Rappern und dem zum Panzer umgebauten DJ-Pult, aus dem ab und zu Feuer schießt, aussieht wie ein Klassenstreber, der beim Raubüberfall Schmiere steht. Tatsächlich kommen auch immer wieder bewaffnete Kerle, die fies gucken und aus ihren Maschinengewehr-Nachbauten Luftschlangen aufs Publikum abfeuern.

Zwei Stunden satirischer Showwahnsinn

Auf der Leinwand sind die Rapper und ihr DJ in kommunistisch anmutenden Schwarz-Weiß-Videos zu bestaunen, vor der Leinwand stehen sie als vier übergroße Statuen, bei „Käfigbett“ schiebt sich der blutverschmierte Maxim aus den gespreizten Beinen einer Frau. Der Song erzählt von einem gegängelten Leben. In krassen Zeilen halten die Rapper ihre Finger in die offene Wunde namens Erziehung. Und zwar so: „Ihr habt meine Nabelschnur gekappt / Und mich fallen gelassen in eine kalte Welt / Die Papa selbst doch auch nur mit Alk aushält“ Den Refrain singen 10.000 Fans laut mit: „Ich hab zwei Kugeln in der Kammer, eine für Papa und eine für Mama“.

Nach mehr als zwei Stunden des satirischen Showwahnsinns auch das noch: Ein Gospelchor singt „Hurensohn“ auf die Melodie von „We are the World“. Sie singen selig, als sei es ein Weihnachtslied und kein Pornorap.

Von Maurice Wojach

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