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Kultur Kaiser Karl IV. und die Mark Brandenburg
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18:45 29.06.2016
An der Moldau zu sehen: der Böhmische Altar (1375) aus dem Dom St. Peter und Paul in Brandenburg/Havel mit Szenen des Apostel Paulus. Quelle: Detlev Scheerbarth
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Prag

Er gehört einfach zu einem Prag-Besuch dazu, ein Bummel über die Karlsbrücke im Herzen der tschechischen Hauptstadt. Doch der namensgebende Kaiser ist in diesem Sommer an der Moldau quasi omnipräsent: Auf Riesenplakaten wird mit dem Signet „K*700“ für gleich fünf Karl-Ausstellungen in der Goldenen Stadt geworben.

Durch Silbervorkommen bestens finanziell ausgestattet

Vor 700 Jahren wurde jener Kaiser, der seine späteren Erfolge weniger militärischer Gewalt als geschickter Diplomatie verdankte, auf der Prager Burg geboren. Dank der reichen Silbervorkommen Böhmens war Karl IV. finanziell bestens ausgestattet, er konnte sich die Zustimmung der Kurfürsten zu seiner Politik erkaufen, begründete aber an der Moldau auch die erste Universität Mitteleuropas.

Bronzeplastik von Karl IV. auf der Karlsbrücke in Prag. Quelle: DPA

Doch auch wenn Prag einst die Stadt Franz Kafkas war – dem deutschen Besucher macht sie es heutzutage mit Beschilderungen vorzugsweise in Tschechisch und Englisch nicht eben leicht. Die Ausstellung „Kaiser Karl IV. und seine Epoche“ in der Wallenstein-Reitschule auf der Prager Kleinseite ist da die löbliche Ausnahme, entstand sie doch als gemeinsame bayerisch-tschechische Landesausstellung. Mit 140 durchweg edlen Exponaten der Tafel- und Buchmalerei, mit Skulpturen, Textilien, Goldschmiedearbeiten, Urkunden, Waffen und Münzen gibt sie eine Ahnung davon, was es heißt, wenn man sagt, Karl IV. sei einer der glanzvollsten Herrscher des Spätmittelalters gewesen. Auch wenn die Epoche doch von Naturkatastrophen, Pest und Hungersnöten geprägt war.

Prachtstücke aus Brandenburg inmitten all der Kostbarkeiten

Als Besucher aus dem Märkischen staunt man nicht schlecht, wenn man inmitten all der Kostbarkeiten, ausgeliehen in renommierten Museen in Paris, Madrid und New York, auch auf ein Prachtstück aus Brandenburg trifft. Denn Karl wirkte nicht nur zwischen Prag und Nürnberg, zwischen Rom und Avignon. 1373 hat der Kaiser auch die landesherrliche Macht über die Mark Brandenburg übernommen. Worauf in der Ausstellung unter anderem mit einem besonders schönen Tafelbild aus dem sogenannten Böhmischen Altar des Brandenburger Dom verwiesen wird.

Aktuelle Ausstellungen

„Kaiser Karl IV. und seine Epoche“ in der Prager Wallenstein-Reitschule, Valdsteinska 3. Im Juni und September täglich von 9 bis 18 Uhr, im Juli und August von 10 bis 19 Uhr.

Im Tangermünder Burgmuseum
informiert derzeit eine Ausstellung darüber, wie genau das damals mit Tangermünde und Karl IV. war, Schlossfreiheit 5,
Di. bis So. von 13 bis 17 Uhr.

Im Brandenburger Dommuseum heißt es noch bis Ende Oktober „Märkische Drahtzieher – Textilgeschichte trifft Landesgeschichte“, wobei es auch darum geht, wie die Mark Brandenburg zum Reich Karls IV. kam. Mo. bis Sa. von 10 bis 17 Uhr, So. von 11.30 bis 17 Uhr.

Ab 16. September nimmt sich die Ausstellung „Karl IV. – ein Kaiser in Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam des Themas an.

Und am Beginn der Schau gehört denn auch der Leiter des dortigen Dommuseums, Rüdiger von Schnurbein, zu jenen, denen die Organisatoren für ihre Zuarbeit zu dieser opulenten Schau danken. Und noch einem zweiten Brandenburger, Dietrich von der Schulenburg. Allerdings liegen dessen Verdienste 650 Jahre zurück, er war zu Karls Zeiten Bischof an der Havel und kaiserlicher Ratgeber. Zweimal konnte Dietrich, so erzählt Rüdiger von Schnurbein, den Kaiser selbst im Brandenburger Dom begrüßen. Es scheint verbürgt, dass Karl IV. dabei sowohl den Böhmischen Altar als auch zwei kirchliche Gewänder stiftete, die noch heute im Besitz des Dommuseums sind.

Noch wichtiger war für den Kaiser aber Tangermünde, damals eine Stadt im Brandenburgischen, die er als Kaiserpfalz ausbauen ließ. Dass es ihn überhaupt so weit nach Norden verschlug, hing mit der Hanse zusammen. Karl verfolgte den kühnen Plan einer durchgehenden Handelsstraße von Venedig bis Hamburg, über Moldau und Elbe, und da war Tangermünde einer seiner nördlichen Fixpunkte.

Von Frank Starke

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