Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Kaiserdämmerung im Neuen Palais
Nachrichten Kultur Kaiserdämmerung im Neuen Palais
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 17.06.2018
Kaiser Wilhelm II..ließ sich als stattlichen Kerl vom Ungarn Philip de László malen, das Bild hängt im Neuen Palais. Quelle: DPA
Anzeige
Potsdam

Der letzte deutsche Kaiser kam glimpflich davon, man könnte sogar sagen: komfortabel. Man hat ihn zwar davongejagt, doch nicht getötet, wie den russischen Zaren samt Familie, dessen Cousin er war und dessen politisches Schicksal er teilte – beide wurden durch Revolutionen in ihren Ländern entmachtet.

Kaiser Wilhelm II. freilich hat das Neue Palais in Potsdam, das ihm das liebste seiner Schlösser war, schon vor dem Volksaufstand verlassen. Am 29. Oktober 1918 speiste er zum letzten Mal im Schloss, am Abend verließ er Potsdam mit dem Zug. Und fand Zuflucht in den Niederlanden. Die sozialistische Revolution entlud sich am 9. November, die Republik wurde ausgerufen, die Monarchie der Hohenzollern war beendet.

Wilhelms Gattin Auguste Viktoria verließ das Neue Palais erst am 21. November, am Folgetag schrieb sie in einem Brief an ihre Schwester: „Wie namenlos schwer es mir wurde, kannst Du Dir denken. Der Herr führt uns gar zu schwere Wege. Bete für uns, wir können es jetzt mehr denn je brauchen.“

63 Zugwaggons mit Bildern, Skulpturen und mehr

Dieser Brief wird im Neuen Palais gezeigt, wo nun die Ausstellung „Kaiserdämmerung – Das Neue Palais 1918 zwischen Monarchie und Republik“ in den nächsten fünf Monaten zu sehen ist, 100 Jahre nach dem Auszug der Kaiserfamilie. Die im Übrigen weich fiel, denn ins Haus Doorn konnte sie viel von ihren Potsdamer Schätzen hinüberretten.

63 Zugwaggons mit Bildern, Skulpturen, Haushaltsutensilien wie Mixern, Gabeln, Töpfen oder feinen Teetässchen aus den Privatwohnungen Wilhelms II. wurden in den Jahren 1919 und 1920 ins niederländische Doorn verfrachtet – ins kleine Schloss der Gemeinde Utrecht, wo die Familie ihr neues Leben fristete. Kaiser Wilhelm II. lebte dort bis 1941, ab 1922 mit Hermine Reuß, nachdem Auguste Viktoria ein Jahr zuvor gestorben war.

Das Palais im Umbruch der Revolution

Die Ausstellung „Kaiserdämmerung – Das Neue Palais 1918 zwischen Monarchie und Republik“ umfasst 15 Stationen, die in den Besucherrundgang integriert sind.

Die Relikte der kaiserlichen Nutzung im Palais werden hervorgehoben und ihre Bedeutung mit Blick auf die Revolution von 1918 kommentiert.

Bis zum 12. November dauert die Ausstellung. Mi-Mo 10-17.30 Uhr.

Die neue deutsche Staatsregierung hatte sich bei der Herausgabe von Wilhelms Besitztümern überaus großzügig gezeigt. Es galt die Maxime: Von dem Kaiser wollen wir nichts mehr wissen, weg mit seinem Plunder! Dessen Spuren im Schloss wurden getilgt, die neue Regierung konzentrierte sich ideologisch auf eine Re-Friderizianisierung – auf die Politur Friedrichs II. also, dem vormaligen Hausherrn, der hier als Regent gut 30 Jahre wohnte, länger als jeder andere. Friedrich wurde glorifiziert als Wegbereiter des Deutschen Reiches, der Kaiser galt als dekadenter Reaktionär.

Einige Räume erstmals für Publikum geöffnet

Das Neue Palais beherbergt für die Ausstellung nun quasi abermals das kaiserliche Interieur, um zu zeigen, dass am Ruf der Dekadenz tatsächlich etwas dran ist. Viele Leihgaben kamen aus Doorn, man fühlt sich wie in einem Panoptikum der Prasserei. Der Essenstisch zu groß und kalt, die Betten unter Kissen begraben, die Gemälde in ihrem Willen zur Heldentat so überladen, wie wir das heute aus Disney-Filmen kennen.

Einige Räum im Palais sind erstmals für das Publikum geöffnet, gerade die Kammern für das Personal. Hier herrscht sachlicher Wohlstand, ohne überzuckerte, prahlende Insignien der Macht. Die Funktionalität der Kammern wird aufgewertet durch den Anstrich einer Aristokratie, die fast geschmackvoll wirkt, weil sie aus den Räumen keine vollgestellten, glitzernden Puppenstuben macht. Hier manifestiert sich Wohlstand in einem Understatement, das endlich einmal stilecht wirkt. Dennoch zeigt sich ein obszöner Kontrast zur Armut des Volkes, das nach Ende des Ersten Weltkriegs hungerte.

Übergriffe und Plünderungen blieben in Potsdam aus

Als am 9. November 1918 die Abdankung Wilhelms II. in Berlin verkündet wurde, blieb es im Neuen Palais ruhig. Übergriffe und Plünderungen sind ausgeblieben. Potsdam war eine Stadt des Militärs, die Ordnung und Besonnenheit lag diesem Ort im Erbgut.

Viele Facetten des Reichtums zeigt die Ausstellung, gerade die Details erzählen viel von dem moralischen Verfall der Monarchie, angeführt von Wilhelm II., der einen verkrüppelten, verkürzten linken Arm gehabt hat – schon als Kind wurde am Jungen rumgezerrt, um ihn ins Format eines Kaisers zu pressen, körperlich und auch mental. Nie hat er als Herrscher das Selbstbewusstsein ausgestrahlt, eine Nation zu führen und ihr gelassene Stärke mitzugeben.

Das Neue Palais in Potsdam widmet dem Ende der Monarchie in Deutschland 1918 eine neue Ausstellung mit dem Titel „Kaiserdämmerung“.

Das teilt sich auch im überladenen Prunk des Schlosses mit. Die langen Perlenketten seiner Gattin lagerten im Tresor. Zur körperlichen Ertüchtigung stand ihr ein Ruderapparat zur Verfügung. Die Uniformen mit verkürztem linken Ärmel für den Kaiser nahm er mit ins Exil, um von alten Zeiten zu träumen. Und das Geschirr erzählt von einer Pracht und einem Wunsch nach Ruhe, der sich am Biedermeier orientiert.

Eindrucksvoll zeigt diese Schau, wie wenig der Glanz des Hauses den blassen Kaiser und seine überkommenen Träume retten konnte.

Von Lars Grote

Mit Trap-Rhythmik und Autotune: Der Song „5 in The Morning“ bringt die Britin drei Jahre nach dem Album „Sucker“ zurück auf die Bildfläche. Am 22. und 23. Juni tritt sie in der Londoner Wembley-Arena auf

14.06.2018

Der Thriller-Autor Frank Schätzing, der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist David Grossman und der Kult-Autor Marc-Uwe Kling kommen nach Potsdam. Und noch viel mehr!

14.06.2018

Rücksturz in die Studio-54-Ära. Gitarrist Nile Rodgers ruft das Comeback der Discolegende Chic aus. Im September kommt das Album „It’s about Time“. Das war 2015 schon einmal angekündigt gewesen. Die erste Single „Boogie All Night“ ist lässig, jazzig, sommersüffig und altmodisch.

14.06.2018
Anzeige