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Kultur Potsdamer Kameramann zeigt Fluchtgeschichte aus Mexiko
Nachrichten Kultur Potsdamer Kameramann zeigt Fluchtgeschichte aus Mexiko
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18:09 16.04.2019
Szene aus dem Film „La Bestia“: Zwei junge Männer in Mexiko, sie wollen auf den Zug aufspringen und hinüber in die USA, um dort zu arbeiten. Quelle: Falco Seliger
Potsdam

Am Ende herrscht die Spannung eines Spielfilms, in dem ein böses Drehbuch seine Helden an den Abgrund spült und schaut, ob sie hinunterstürzen – oder ob die Story Gnade kennt und ihnen eine Hand ins Bild hält, die fürsorglich nach ihnen greift.

Falco Seliger hat selber nicht gewusst, wie die Geschichte endet, er war der Mann hinter der Kamera, er stand im Staub von Mexiko: Vor ihm zwei junge Männer, nicht mal Mitte 20, aus Lateinamerika. Und hinten kam die Bestie, ihr Lärm war ungeniert. Er klang wie eine Warnung: Macht Platz! Die beiden jungen Männer aber setzten alle Hoffnung in die Bestie, sie war ein endlos langer Güterzug und fuhr hinüber in die USA, den Sehnsuchtsort. Sie suchten Arbeit, und sei es auf einer Müllhalde, um Geld für ihre Frauen und Kinder zu verdienen.

Falco Seliger, 32 Jahre alt, ist Kameramann und studiert an der Filmuniversität in Babelsberg. Damals im Staub, März 2017, hat er die reine Wahrheit gesucht, ohne Drehbuch und rettende Hand, gemeinsam mit Regisseur Manuel Inacker. Sie haben sich nichts ausgedacht, es ging um Dokumentation. Beide flogen nach Mexiko, im Rahmen eines Studentenaustausches. Sie holten einen Tonmann ins Boot, der übersetzen konnte. Und wollten einen Film darüber drehen, auf Augenhöhe, ohne Besserwisserei und falsches Mitleid: Wie die Grenze zwischen Mexiko und USA zu einer Schwelle in ein neues Leben wird.

Falco Seliger. Quelle: Manuel Inacker

Die Menschen kamen aus Guatemala und Honduras, sie wollten hinüber, deshalb sprangen sie während der Fahrt auf Züge, unter Lebensgefahr. Wenn man so will: Ideal für einen Kameramann, denn gibt es stärkere Reize als ein schreiendes Monster?

Regisseur Inacker und Kameramann Seliger kamen zum Schluss, dass ihre Dokumentation „La Bestia“ heißen müsse, die Bestie. 23 Minuten dauert das Stück. Am Ende schafft es einer auf den Zug. Seliger hinter ihm her, filmt seine Fersen. Der andere bleibt zurück. Kauert auf dem Boden, schaut in den Staub. Schnaubt: Merda! Und wandert Richtung Horizont, streng den Gleisen entlang. Ein letztes Bild. Als wäre es ein Western.

Über den Film spricht Falco Seliger in Potsdam, er wurde groß in den Plattenbauten von Drewitz – nun sitzt er im großen Haus der Post am Platz der Einheit, wo die kreativen Freiberufler die Bürowelt mit englischen Namen ordnen. Co-Working-Space heißt der Großraum, in dem Seliger sitzt, sie setzen aufs gemeinschaftliche Arbeiten. Damit nicht jeder für sich zu Hause bleibt. „Sonst könnte ich nicht mehr trennen, wann die Arbeit aufhört und die Freizeit beginnt.“

Ausgesprochen rote Lippen

In der gemeinschaftlichen Küche steht ein Soda-Automat, hinten hängt ein Poster: Frau mit ausgesprochen roten Lippen und tiefem Ausschnitt. Im Mund ein Strohhalm. Dieser Anflug eines Augenzwinkerns wirkt wie ein Atemholen zwischen all den hochemanzipierten, ehrgeizigen jungen Leute. Falco Seliger spricht nie von Kameramännern, ohne auch von Kamerafrauen zu reden. Im neuen Jahrgang an der Filmuni, sagt er, gibt es sieben Kamerafrauen und einen Kameramann. Die Zeiten ändern sich. Seliger sagt: „Höchste Zeit, die Frauen musste lange warten.“

„La Bestia“ ist in der kommenden Woche auf den Potsdamer „Sehsüchten“ zu sehen, Europas größtem Studentenfilmfest. Weltpremiere hatte das Werk im Mai 2018 auf dem Filmfest in München, dann folgte die IDFA in Amsterdam, das weltgrößte Dokumentarfilmfestial. Auf den „Sehsüchten“ kommt das Stück zurück nach Potsdam, wo es als Idee seinen Anfang genommen hat.

„Ich bin stolz auf diesen Film“, sagt Falco Seliger, „La Bestia“ spiele seine Stärken aus: Zunächst die ruhigen Bilder, die zum Stehen kommen, um die Atmosphäre, den Ort, aber auch die Fallhöhe zu definieren. Kurz denkt man bei den Eindrücken von Hitze und Sand an „Paris, Texas“ von Wim Wenders. „Und plötzlich die Dynamik, als Bewegung in das Stück kommt – der Zug rauscht heran.“

48. Sehsüchte-Festival in Babelsberg

Das FilmfestSehsüchte“ findet in diesem Jahr zum 48. Mal statt – vom 24. bis 28. April. Die Studierenden der Filmuniversität Babelsberg organisieren das Festival in Eigenregie.

Die „Sehsüchte“ sind das größte Filmfestival für Studierende in Europa.

Das Festival vergibt Preise u. a. in den Kategorien Bester Spielfilm kurz, Bester Dokumentarfilm, Bester Genrefilm, Bester Animationsfilm, Beste Produktion, Bester 360-Grad-Film, Bester Jugendfilm.

Die Werke laufen in der Filmuniversität (Marlene-Dietrich-Allee 11) und im fx-Center (Medienpark-Babelsberg).

„La Bestia“, mit dem Erasmus+ Award ausgezeichnet, ist zu sehen am 25.4. um 16 Uhr und am 27.4. um 13.30 in der Filmuni, Kino 1.

Tickets und Programm unter www.sehsuechte.de

Sie haben den Film in dreieinhalb Tagen gedreht, brauchten erst das Okay der katholischen Kirche, die das Haus der Flüchtlinge führt, wo Menschen 48 Stunden ein Obdach erhalten und versorgt werden, bevor sie wieder auf eigenen Füßen stehen müssen. Dort haben Seliger und Inacker mit Menschen gesprochen, die ihr Zuhause hinter sich gelassen haben. Und ein neues suchen. „Es war nicht klar, worauf der Film hinausläuft“, bei der Kamera-Arbeit musste sich Seliger neben dem Handwerk auf Intuition verlassen. Und auf Verständigung mit seinem Regisseur. Erreichen die Männer den Zug? Was, wenn sie sich dabei verletzen? „Dann hätte ich eingegriffen, geholfen und die Kamera sofort liegen gelassen.“

Nebenbei dreht Seliger auch Werbespots für große Firmen oder Musik-Clips, neulich eines für das Comeback von Stefan Waggershausen. „Es geht nicht nur ums Geldverdienen, denn ich lerne durch diese Arbeit etwas“, sagt er. Es sind verschiedene Welten – der Glamour und der Staub. In beiden fühlt er sich wohl. Auch die Grenzen von Spielfilm und Dokumentation lassen sich für ihn überwinden. Gerne Existenzialismus aus Mexiko. Und später einen Spielfilme. Er schließt ein Happy-End nicht aus. Eine helfende Hand für den Helden am Abgrund, warum nicht?

Von Lars Grote

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