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Kultur Kammerakademie Potsdam in der Druckerei
Nachrichten Kultur Kammerakademie Potsdam in der Druckerei
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14:40 14.11.2016
Die Bläser der Kammerakademie Potsdam spielten im Halbkreis ohne Dirigenten. Quelle: Fotos: Julian Stähle
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Potsdam

Eine Serenade von Mozart – wer denkt da nicht an Kristallkronenleuchter und gepuderte Perücken? Doch das viersätzige Bläserstück in c-Moll, das der geniale Komponist der Wiener Klassik 1782 für den Kaiser komponiert hat, vermag auch in einer Werkhalle des 21. Jahrhunderts für festliche Stimmung sorgen.

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Sonntag, 13. November: Es passiert nicht alle Tage, dass ein Klassikkonzert in einer Werkhalle stattfindet. Am Sonntag musizierten die Bläser der Kammerakademie Potsdam in der MAZ-Druckerei. Die rund 200 Tickets waren schnell vergriffen Doch wie klingen Mozart und Gershwin in einer Halle, in der täglich mehr 180.000 Zeitungen gedruckt werden.

Alexander Hollensteiner, der Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam (KAP), schwärmte am Sonntagvormittag vor 200 Konzertbesuchern von der „gotischen Höhe“ der MAZ-Druckerei. Die Rotationsmaschine, vor der die Bläser auf einer Bühne standen, bezeichnete er als Hochaltar. „Es steht Ihnen völlig frei, nach jedem Satz loszuklatschen“, so Hollensteiner. Der unkonventionellen Ermutigung kamen die Zuhörer gerne nach.

Über den samtenen Klang in dieser rauen Umgebung waren die Anwesenden alle erstaunt. Keine unerwünschten Halleffekte störten das ausbalancierte Zusammenspiel der Instrumente. Die jeweils zwei Oboen, Hörner, Fagotte und Klarinetten konnten ihr Kolorit wunderbar entfalten. Auch der warme, satte Kontrabass blieb stets präsent. Die seitlich aufgetürmten Papierrollen und die Plastiktanks für Farben erwiesen sich für die Akustik offenbar als vorteilhaft.

Im zweiten Mozartsatz lieferten sich die beiden aufgeräumten Flügelmänner des Halbkreises – links der Oboist Jan Böttcher, rechts der Klarinettist Markus Krusche, ein anmutiges Duett. Nach dem tänzerischen Allegro trat Böttcher ans Mikrofon: „Keine Angst, ich singe jetzt nicht.“ Er erläuterte mit wenigen Worten seine Faszination für die Kompositionskunst von Mozart, um zum nächsten Stück von George Gershwin überzuleiten. In dem Arrangement klingen viele zarte Melodien aus der Folk-Oper „Porgy and Bess“ an, gleich zu Beginn das bekannte „Summertime“. Die KAP-Musiker intonierten die Bluesstimmung auf ihre besonnene Art, eher zurückhaltend, nie anbiedernd. In einer Passage sorgen die beiden Hörner für einen stabilen Unterbau aus Brass-Klängen. Die E-Musik hat im 20. Jahrhundert viele Anregungen aus der Pop-Sphäre aufgegriffen und verfeinert.

Das abschließende Stück, ein Trompetenkonzert für einen erweiterten Bläsersatz, stammte von einem Komponisten, den die wenigsten Besucher vorher kannten. Böttcher erwähnte, er habe Jean Françaix (1912-1997) noch als Pianisten erlebt. Da sich der Franzose nicht als Avantgardist verstanden habe, seien seine Stücke zu Lebzeiten viel gespielt worden. Die drei Sätze mit Festsetzungen wie „Marsch“, „Walzer“ und „Galopp französisch“ setzen auf simple melodische Motive und sogar auf Tonwiederholungen. Doch die Komposition wie auch die Aufführung gestalten sich alles andere als plump. Hier wird schwebend marschiert und im Bolero-Rausch gallopiert. „Das hätte ewig so weitergehen können“, meinten viele Konzertbesucher im Anschluss.

Es ging auch noch weiter, denn nun standen Führungen durch die Druckerei auf dem Programm. MAZ-Geschäftsführer Benjamin Schrader versprach in seiner Begrüßung, die Verbindung von besonderer Musik an besonderen Orten fortzusetzen: „Wir begründen heute eine neue Tradition“, so Schrader, „seien Sie gespannt, was wir Ihnen in den nächsten Jahren noch so präsentieren.“

Wie hat Ihnen das Konzert gefallen? Das sagen Besucher

Gisela Kahle (64) aus Potsdam: „So ein Konzert ist doch genial, die Kammerakademie an einem Sonntagvormittag in einer besonderen Location. Ich wollte immer schon einmal die Zeitungsdruckerei von innen sehen. Das letzte Stück hat mich am meisten angesprochen.“ Quelle: Stähle
Gottfried Lindner (86) aus Potsdam: „Ich habe über die gute Akustik gestaunt, das war ja wie in einem Dom. Der Trompeten-Galopp im letzten Stück hätte ewig so weitergehen können. Ich wünsche mir eine Wiederholung am selben Ort.“ Quelle: Stähle
Jonathan Scherlitzki, 16 Jahre, aus Falkensee: „Ich fand es faszinierend,das war alles so schön locker. Ich war noch nie bei einem Klassikkonzert und werde nun bestimmt mal in den Nikolaisaal gehen. Vielleicht kommt die Kammerakademie ja auch mal zu uns nach Falkensee in unsere neue Konzerthalle.“ Quelle: Stähle
Elmar Thilicke (64) aus Rathenow: „Das Ambiente hier ist sehr angenehm, es ist nicht so steril wie in einem Konzertsaal. Ich mag es auch, wenn Rockkonzerte in Fabrikhallen stattfinden. Klassische Konzerte habe ich bisher nur in der Berliner Philharmonie und im Dresdner Kulturpalast erlebt.“ Quelle: Stähle

Von Karim Saab

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