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Kammerakademie Potsdam mit Schubert in der Berliner Philharmonie

Orchester des Jahres Kammerakademie Potsdam mit Schubert in der Berliner Philharmonie

Die Kammerakademie Potsdam ist das „Orchester des Jahres“. Beim Auftritt mit ihrem preisgekrönten Schubert-Programm in der Berliner Philharmonie hing da die Messlatte ganz schön hoch.

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Der Dirigent der Potsdamer Kammerakademie Antonello Manacorda

Quelle: Foto: Gloede

Potsdam. Im Andante von Schuberts Achter Sinfonie wurde man tüchtig durchgerüttelt. Das Orchester verknäulte sich zu scharfen Dissonanzen und einem markerschütternden Aufschrei. Es folgte eine Pause wie ein Fall ins Bodenlose – dann rappelten sich die Celli zaghaft wieder auf.

Wenn sich die Kammerakademie Potsdam und ihr Chef Antonello Manacorda die „Große C-Dur“-Sinfonie Schuberts vornehmen, wird das Stück als gigantische Kraftanstrengung erfahrbar. Man hört den vorantreibenden Elan, der notwendig ist, um über fast eine Stunde hinweg die Spannung zu halten und die von Schumann konstatierten „himmlischen Längen“ zu beleben.

Am Dienstag spielte die Kammerakademie das Stück im Rahmen ihrer Konzertreihe im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Die Messlatte dürfte sowohl bei den Musikern als auch beim anspruchsvollen Berliner Publikum ein ganzes Stück nach oben gerutscht sein – schließlich hat die Kammerakademie vor kurzem den Echo-Klassik in der Kategorie „Orchester des Jahres“ bekommen.

Die Auszeichnung gab es für eine Aufnahme mit Schuberts Sinfonien Nr. 2 und Nr. 4. Die Platte ist Bestandteil einer Gesamtaufnahme sämtlicher Schubert-Sinfonien für Sony, die ab 13. November als Box erhältlich ist.

Auch Schuberts Achte, die im April einzeln erschien, fand gute Resonanz. Dass sie vom „Spiegel“ gar mit einem „Ritt in einer taufrischen Achterbahn“ verglichen wurde, dürfte als Anspielung auf Manacordas durchweg straffe Tempi zu verstehen sein.

Auch live im Kammermusiksaal betonte der Dirigent den Fluss der Musik, den rhythmischen Drive und die scharfen Akzente. Diese Herangehensweise wirkt energisch, frisch und unverkrampft. Wem jedoch mehr an der gesanglichen Linie liegt, dem beschaulichen Ausbreiten der Stimmungen, dem lieblich-melancholischen Wiener Schunkeln – der wird Manacordas Schubert-Interpretationen zu ruppig finden.

Der Dirigent setzt auf die Kombination von modernem Orchester und historischen Blechbläsern, die einen markanten Klangcharakter mit einer würzigen Prise Unsauberkeit bieten. In Schuberts „Großer C-Dur“ machten vor allem die drei Posaunen Effekt, die mal geheimnisvoll raunten, mal gellenden Schrecken verbreiteten.

Naturhörner wiederum können herrlich süffig klingen; in der Praxis haben sie jedoch ihre Tücken, da sie beim Einsatz gerne mal kieksen und daneben liegen. Derart wurde gleich der Beginn der Sinfonie mit dem einstimmigen Hörnerkreiseln beeinträchtigt.

Im Berliner Kammermusiksaal hörte man außerdem Mendelssohns Violinkonzert mit der japanischen Solistin Midori. Die Geigerin kultivierte einen äußerst zarten, lieblichen, feinnervigen Ton. Diesen behielt sie allerdings auch in Passagen bei, die durchaus nach tönendem Vollklang und packendem Zugriff verlangt hätten.

Mendelssohn wird auch die kommenden Plattenaufnahmen der Kammerakademie bestimmen. Einen Vorgeschmack bietet das Konzert im Potsdamer Nikolaisaal am 14. November. Unter dem marktschreierischen Titel „Ohrwürmer“ erklingen dann Mendelssohns „Italienische“ Sinfonie und die „Melusine“-Ouvertüre.

Von Antje Rößler

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