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Kammerakademie Potsdam scheut Uraufführungen

Neue Musik Kammerakademie Potsdam scheut Uraufführungen

Die Kammerakademie Potsdam (KAP) hat sich eigentlich auf Tondichtungen aus der Klassik und der Romantik spezialisiert. Doch einige Musiker lieben es auch modern. Der Kontrabassist Tobias Lampelzammer veranstaltet deshalb seit vielen Jahren KAPmodern, eine Konzertreihe mit Neuer Musik im Foyer des Potsdamer Nikolaisaals.

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Der Kontrabassist Tobias Lampelzammer.

Quelle: © Stefan Gloede

Potsdam. Wenn ein Konzert „Die Jahreszeiten“ überschrieben ist, wer denkt da nicht an Vivaldi oder Haydn? Die Hits des venezianischen Barocks oder der Wiener Klassik garantieren stets eine große Nachfrage. Es gibt aber auch Musikliebhaber, die machen bei den alten Kamellen einen großen Bogen um den Konzertsaal, weil sich jeder Ohrwurm irgendwann abnutzt und dem Lebensgefühl vergangener Epochen immer auch etwas Museales anhaftet.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter sollen am Freitagabend im Potsdamer Nikolaisaal einmal nicht in herkömmlicher Weise ertönen. Während die sieben Musiker der Kammerakademie Potsdam (KAP) bei Sinfoniekonzerten oder CD-Einspielungen meist klassisch-romantische Literatur aufführen, bringen sie dieses Mal Vertonungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Gehör.

Solo-Kontrabassist Tobias Lampelzammer kommt gerade aus einer Kita in Stahnsdorf, wo er mit einer Harfenistin eines der Stücke ausprobiert hat. „Wir haben die Aufmerksamkeit bis zum letzten Ton gespürt“, freut er sich. Dabei sei durchaus damit zu rechnen gewesen, dass die Kinder überfordert reagieren. „Dann hätten wir das Ganze abgekürzt“, erklärt er, „aber die sieben Minuten von John Cages ,In a Landscape’ klingen wie ein warmer Sommertag - durchgängig piano, nur leicht bewegt und hypnotisch“.

Lampelzammer verantwortet seit vielen Jahren mit der Flötistin Bettina Lange und dem Schlagzeuger Friedemann Werzlau die Reihe KAPmodern und gestaltet in jeder Spielzeit drei Programme mit Neuer Musik. „Die Wahl bildhafter Themen hat sich bewährt“, sagt er und verweist darauf, dass das Publikum in Filmen eine atonale oder ausgefallene Tonsprache selbstverständlich hinnimmt. Leitideen wie „Die Jahreszeiten“ oder am 28. April „Weiße Nächte“ machen das Verstehen einfacher.

Zeitgenössische Kompositionen haben in Potsdam einen schweren Stand. Während das Philharmonische Orchester Cottbus in jedem großformatigen Sinfoniekonzert eine Uraufführung einbaut und sich der Dirigent Evan Christ dort ein aufgeschlossenes Publikum rangezogen hat, beschränkt sich die Leitung der Kammerakademie darauf, Raritäten des 18. und 19. (und auch des frühen 20.) Jahrhunderts aufzuführen. Das Risiko, das überalterte Stammpublikum vor den Kopf zu stoßen, wird eher gescheut. „Eine Komposition von Sofia Gubaidulina wurde vor einigen Jahren ausgebuht“, erwähnt Lampelzammer. Aber für Orchesterwerke von Hanns Eisler, Paul Hindemith oder zuletzt Wolfgang Rihm gab es im Nikolaisaal auch schon viel Beifall.

KAPmodern ist also ein Nischenprogramm, vielleicht sogar ein Feigenblatt. Die Initiative für das Unkonventionelle geht von den Musikern aus. Lampelzammer versichert, dass alle KAP-Musiker engagiert mitziehen, wobei natürlich nicht jeder Kollege die gleiche Affinität zur Neuen Musik mitbringt.

Der schmächtige Lampelzammer ist deutlich kleiner als das voluminöse Streichinstrument, das er spielt. Am Freitag wird er die Stühle im Foyer des Nikolaisaals im Kreis aufstellen lassen. „Unser achtteiliges Programm beschreibt ja ebenfalls einen Kreis“, sagt er. Begonnen und aufgehört wird im Winter. „Es sind genial einfache Stücke am Start, etwa das von Morten Lauridsen, aber auch recht komplexe“ - und er nennt den Namen des Japaners Toshio Hosokawa. Zu dem uralten Thema arbeiten auch heute noch viele Komponisten – bekannte wie Hans Werner Henze oder Mauricio Kagel und noch unbekannte wie Julia Wolfe oder Fabio Nieder. Also: Endlich mal was Neues!

KAPmodern: Die Jahreszeiten. 26. Feb., 20 Uhr, Nikolaisaal Foyer, Wilhelm-Staab-Straße 11, Karten unter 0331/28 888 28.

Von Karim Saab

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