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Orchester übertönt Pianisten Kristian Bezuidenhout

Kammerakademie Potsdam Orchester übertönt Pianisten Kristian Bezuidenhout

Es sollte ein Auftritt der leisen Töne werden. Der aus Südafrika stemmende Pianist Kristian Bezuidenhout am Hammerklavier und das Orchester der Potsdamer Kammerakademie. Doch der Potsdamer Klangkörper ließ dem Mann am Klavier keine Chance. Nur in den ruhigen Passagen war er auch noch hinter der dritten Reihe im Publikum zu vernehmen.

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Kristian Bezuidenhout

Quelle: www.marcoborggreve.com

Potsdam. Vor dem Auftakt bat der Dirigent Antonello Manacorda das Publikum zu einer Schweigeminute eingedenk der Terroropfer. Anschließend rückten heitere Klänge die traurige Pariser Nachricht in den Hintergrund.

Zunächst spielte die Kammerakademie Potsdam am Samstag Mozarts Klavierkonzert Nr. 17, das in der fröhlich-unschuldigen Tonart G-Dur steht. Solist war der in London lebende Südafrikaner Kristian Bezuidenhout, den das Ensemble in dieser Saison als „Artist in Residence“ eingeladen hat.

Bezuidenhout ist Experte für historische Tasteninstrumente. Im Nikolaisaal saß er an einem rotbraun glänzenden Hammerflügel, dem Nachbau eines Instruments aus dem Jahre 1825. Ein solcher Hammerflügel klingt obertonreicher, aber auch leiser und schneller verhallend als heutige Konzertflügel.

Bezuidenhout spielte darauf überaus feinfühlig und nuancenreich. Diese Qualitäten kamen jedoch nur zur Geltung wenn sich das Orchester im piano befand. Für die Kombination mit tragfähigen modernen Orchesterinstrumenten erwies sich der zarte Hammerflügel als ungeeignet; die Klangbalance geriet aus den Fugen. Zumal die Kammerakademie mit zwei Kontrabässen und vier Celli durchaus ansehnlich besetzt war.

Das führte zu skurrilen Momenten, in denen Bezuidenhout energisch in die Tasten griff, sein Spiel aber nicht einmal mehr in der dritten Reihe zu hören war. Der gedimmte Klavierklang ließ allerdings die Solo-Holzbläser schön zur Geltung kommen, die ebenso präzise wie glanzvoll spielten. Bezuidenhout tritt am 10. April und am 6. Mai erneut mit Musikern der Kammerakademie auf.

Auf das zukünftige Engagement der Kammerakademie wies der Mendelssohn-Programmpunkt des Abends hin: Nach Abschluss des Schubert-Zyklus für Sony bestimmt nun Mendelssohn die kommenden Plattenaufnahmen des Ensembles.

Der Samstag weckte diesbezüglich Vorfreude: In Mendelssohns „Melusine“-Ouvertüre brachte Manacorda die märchenhafte Lebenswelt der Nixen zum Leben. Mit Liebe zum Details modellierte er all das wässrige Wogen, Rauschen und Glitzern in diesem Stück, das übrigens Wagner als Vorbild für sein „Rheingold“ diente.

Mendelssohns „Italienische“ Sinfonie ging der Dirigent mit straffem Tempo und überschäumendem Temperament an. Er bot eine Interpretation wie aus einem Guss, indem er den tänzerischen Fluss und rhythmischen Drive der Musik betonte.

Wie auch bei seinem Schubert ergänzt Manacorda hier das moderne Orchester durch historische, ventillose Hörner und Trompeten. Diese bieten zwar einen markanten Klang mit einer würzigen Prise Unsauberkeit, können aber zwischendurch durchaus mal kieksen.

Schließlich hörte man Wolfgang Rihms 1980 entstandenes Streicherstück „Nature morte – Still alive“. Diesen Titel im Hinterkopf, erschien es, als würden die Geschöpfe der Tier- und Pflanzenwelt mit schneidenden Akkordschlägen geschunden. Diesem maschinell anmutenden Stampfen folgt ein eindringlich fahler, zaghafter Abgesang – als würde sich die sterbende Natur ein letztes Mal vergeblich aufraffen.

Von Antje Rößler

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