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Kultur Karikaturen zum Flüchtlingsdrama
Nachrichten Kultur Karikaturen zum Flüchtlingsdrama
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00:31 22.05.2015
Eine Karikatur von Gerhard Mester. Quelle: Landeszentrale für politische Bildung
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Potsdam

Und überraschend gibt es Farbe in den Bildern, obwohl der Ton und der Humor durchgehend schwarz sind. Es geht um Integration und Flucht, das sind Gebiete, auf denen man sich schnell verschluckt, wenn man darüber Witze macht. Und Witze machen die Karikaturisten reihenweise, fein gerahmt sind die Pointen, sauber hängen sie in Reih und Glied, die 85 Zeichnungen sind in der Potsdamer Landeszentrale für politische Bildung ausgestellt.

Helfer aus Brandenburg

Zeichnungen unter dem Titel „In Brandenburg willkommen? – Karikaturen zu Flucht und Integration“ sind in der Potsdamer Landeszentrale für politische Bildung zu sehen (Heinrich-Mann-Allee 107, Potsdam), Öffnungszeiten Mo-Mi 9 bis 18 Uhr, Do und Fr 9 bis 15 Uhr. Bis 17. September.

85 Karikaturen sind zu sehen, sie erschienen in Zeitungen und stammen von Barbara Henniger, Gerhard Mester, Burkhard Mohr, NEL, Heiko Sakurai und Klaus Stuttmann.

14 Porträts von Brandenburger Akteuren der Flüchtlingshilfe sind den Karikaturen zur Seite gestellt.

Das Geschäft des Karikaturisten tarnt sich hinter Zynismus, doch ist getrieben von Sensibilität, die sich in einem Lachen Luft macht. Es gibt Zeichnungen, die brauchen nur vier Wörter, um auf den Punkt zu kommen. Barbara Henniger zeigt eine Frau mit Kopftuch, sie sagt: „Ich deutsch.“ Neben ihr ein Mann, doppelt so groß wie sie: „Ich Deutscher.“ Kann man das Deutschsein wirklich steigern? Immer wieder gibt es so prägnante Formeln, die in der Kürze alles sagen, und die nach Jahren noch im Ohr klingen, wie seinerzeit die Karikatur des Zeichners Brösel, auf der ein Weißer einem Schwarzen sagt: „Du schwarz.“ Der Schwarze sagt: „Ich weiß.“ Auch das ein Vier-Wörter-Traktat, das in Witz und Schärfe den Betrachter trifft, als fliege irgendwo ein Schneeball aus dem Nichts.

Die Karikaturen sind nicht genau datiert, sie sind in Zeitungen erschienen, wann genau, das braucht man nicht zu wissen, um ihre Kraft zu spüren. Besonders scharf schießt Burkhard Mohr, dessen Strich nicht zimperlich und dessen Witz nicht zaghaft ist. Eine Zeichnung nennt er „Jenseits von Afrika“, unten sieht man schemenhaft in einem überfüllten Kahn die Flüchtlinge, oben steht Merkel, die Kanzlerin, schaut herab von ihrem großen Schiff, das „Germany“ heißt, und ruft den Leuten zu, die ihre Hände hilfesuchend recken: „Haben Sie auch ausländische Fachkräfte an Bord?“.

Es wird nicht immer differenziert in diesen Bildern, die Politik, soweit sie aus Europa kommt, wird diffamiert als selbstsüchtig und herzlos, was auf die Dauer holzschnittartig klingt – doch das ist eben Arbeitsgrundlage der politischen Zeichnung: zuspitzen, nicht abwägen, scharf kommentieren, nicht den Konsens suchen. Die Masse der massiven zeichnerischen Anklage schlägt auf den Magen, eben darum, weil sie relevant ist. Die Auswahl der Bilder ist stichhaltig, die Polemik ist kaum je plump, sie zeigen eine unverstellt- menschliche Sicht, unverbogen von den Sachzwängen der Politik, mit der sich die Politiker gerne vor ihren Kritikern verwahren.

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Barbara Henniger

Die Landeszentrale für politische Bildung gibt sich freilich nicht zufrieden mit dem Kübel Spott, der häufig in den Bildern steckt. Sie sucht das konstruktive, konkrete Gegengewicht, indem sie 14 Brandenburger mit Bild und detailliertem Text vorstellt – allesamt „ehrenamtliche Akteure“, die Flüchtlingen zu Hilfe kommen: Stefan Palme, 50 Jahre, Biolandwirt in Wilmersdorf/Uckermark, betreut mit seiner Frau syrische Flüchtlinge im Dorf; Raida Albajekni, 52 Jahre, Lehrerin, aus Libyen geflohen, hilft Landsleuten, sie unterrichtet in Luckenwalde Kinder in Arabisch; Kathleen Kunath, 43 Jahre, Sozialpädagogin, Mitbegründerin der Initiative „Willkommen in Falkensee.“ Drei Beispiele, wie man Flüchtlingen helfen kann.

Die Zweiteilung der Ausstellung geht auf, sie reißt Wunden und sorgt im nächsten Atemzug für Linderung.

Von Lars Grote

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