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Karl Dall kann einiges ab

Comedy Karl Dall kann einiges ab

Nach seinen Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Journalistin ist der Komiker Karl Dall wieder auf Tournee. Mit einem Best-Of-Programm tritt er am Sonnabend in Berlin. Mit dabei ein ganz besonderer Gast: Dalls alter Mitstreiter Ingo Insterburg. Die MAZ hat mit ihm gesprochen.

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Quelle: dpa

Potsdam. Karl Dall hat bewegte Zeiten hinter sich. Eine jahrzehntelange Karriere und bis Anfang des Jahres einen Prozess wegen angeblicher Vergewaltigung einer Schweizer Journalistin, der mit Freispruch endete. Jetzt besinnt sich der 74-Jährige Komiker wieder auf die Bühne. Jetzt ist er wieder auf Tour. Am Sonnabend tritt er im Ernst-Reuter-Saal in Berlin-Reinickendorf auf und hat einen besonderen Gast dabei: Ingo Insterburg. Vorher sprachen wir mit Dall.

MAZ: Geht’s Ihnen gut?

Karl Dall: Danke, prima! Oder mach ich nen kranken Eindruck?

Gar nicht. Sie waren ja kürzlich bei Maischberger zu sehen, da sahen Sie gesund aus.

Dall: Tja, bei Frau Maischberger. Das war jetzt das endgültige Ende meiner Kommentare zu meinem „Schweiz-Problem“, jetzt bin ich wieder Unterhaltungsheini.

Sie meinen den Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung.

Dall: Ja, dazu ist alles gesagt. Es war ein absoluter Freispruch. Das Schlimme ist, dass man darüber Sachen lesen muss, die nicht stimmen.

Hat für Sie der Begriff Lügenpresse jetzt eine persönliche Bedeutung?

Dall: Nein, die Presse ist sehr fair mit mir umgegangen. Sogar unsere größte Boulevard-Zeitung, die ja weitere Opfer jener Frau aufgespürt hat, die mich beschuldigte. Aber durch die Schlagzeilen hatte ich zeitweise keine Lust mehr, nach draußen zu gehen. Andere wie Jörg Kachelmann oder Andreas Türck sind ebenfalls von den Vorwürfen freigesprochen worden und dennoch weg vom Fenster. Ich möchte zurück zum Publikum – mit neuem Programm.

Es heißt „Der alte Mann will noch mehr“ – was ist denn dieses Mehr?

Dall: Statt auf dem Abstellgleis zu stehen, will der alte Mann zeigen, was er kann. Und fürs Programm hat sich halt die Novelle Hemingways als Kalauer angeboten.

Das ist ein Querschnitt durch Ihre Karriere?

Dall: Ja, ein Best of, es hat aber auch einen improvisatorischen Teil. Ich habe Live-Telefonate geplant und Musik auf Zuruf – von zwölf angezeigten Titeln kann sich das Publikum was aussuchen. Ich plaudere auch mit den Zuschauern.

Ihr Name ist mit Komik und Blödeln verbunden. Spüren Sie von außen eine Erwartung, ständig witzig zu sein?

Dall: Nein. Klar mach ich immer gern einen Spaß und kann auch nach den Shows am Biertisch weiterblödeln; aber ich fühle mich nicht verpflichtet, ständig gegen Kleiderschränke zu rennen oder mich mit Tomatensaft zu besudeln. Ich unterhalte die Leute gern; natürlich werde ich dafür keinen Grimme-Preis bekommen. Aber den will ich auch nicht.

Bei einer Ausgabe ihrer Show Dall-As haben Sie Roland Kaiser mit frechen Sprüchen gepiesackt, bis er die Sendung verließ. Gab es danach noch mal einen Kontakt?

Dall: Er war sauer, weil er nicht ernst genommen wurde. Die Medien haben das dankbar aufgenommen. Aber vier Monate später saß er wieder bei mir und ist geblieben. Darüber berichtet die Presse natürlich eher nicht. Wir sind uns in keiner Weise gram. Bei der zweiten Sendung hab ich ihm auch gesagt, er solle jetzt singen, damit wir es hinter uns haben. Das hat er mit Humor genommen.

Wie schmerzfrei sind Sie selbst, wie gut können Sie einstecken?

Dall: Ich kann einiges ab. Und ich komme sicher nicht dahin, mit Anwälten zu kommunizieren und Beleidigungsklagen zu erheben. Hab ja auch nie welche bekommen.

Viele wissen nicht, dass Sie als Komparse bei „Winnetou 1“ auftauchen.

Dall: Ja, 1963. Diesen Ausschnitt zeige ich auch in meinem Programm. Mein erster Auftritt in bewegten Bildern. Es gab damals 40 Mark pro Tag, gedreht haben wir die Szene nicht in Jugoslawien, sondern bei Atze Brauner im Studio. Den Cowboyhut, den ich für die Aufnahme im Saloon hatte, hab ich einfach mitgehen lassen, als Erinnerung. Andere Komparsen haben ihre Colts geklaut.

Haben Sie den Hut noch?

Dall: Nee, schon lang nicht mehr. Der taucht noch auf anderen Bildern auf, und ich hab ihn bei späteren Dreharbeiten noch mal verwendet.

Haben Sie im Saloon Old Shatterhands Faust zu schmecken bekommen?

Dall: Ich nicht. Dafür waren die Stuntleute zuständig. Wenn Lex Barker um sich geschlagen hat, rutschten die Gegner die komplette Theke entlang und fielen runter, weil man jedem eine Rolle an den Rücken geschnallt hatte.

Haben Sie sich schon mal geprügelt?

Dall: Weder im Saloon noch sonst wo. Jahre später spielte ich in einem anderen Film mit, bei dem ein italienischer Schauspieler – halbe Portion – mir in den Bauch boxen sollte. Der hat schon bei der Probe heftig zugeschlagen. Da bin ich mit Magenschmerzen nach Hause gegangen.

Mit Ingo Insterburg treten Sie seit ein paar Jahren auf. Wie oft machen Sie noch gemeinsame Sache?

Dall: Nur ab und zu. Das wird keine große Auftrittsserie mehr werden, allein aus Altersgründen. Ich bin 74, Ingo ist 81. Irgendwann ist halt Schluss.

Ihr Bruder Otto war Inhaber des Lehrstuhls für Technik in Dortmund. Worüber unterhalten sich ein Komiker und ein Professor, wenn Sie sich sehen?

Dall: Ja, zwischen unseren Berufen lagen junge Hunde – Welpen lagen dazwischen! Mein Bruder beobachtet durchaus das Showbusiness, aber ich hab mich nie für seinen Job interessiert. Das nimmt er mir jedoch nicht übel.

Ihr hängendes Augenlid haben Sie von Geburt an. Hatten Sie mal überlegt, es operieren zu lassen?

Dall: Als ich so 21 war, hat es mich gestört, weil es bei den Mädels nicht so ankam. Aber letztlich hab ich mir gedacht, dass diese Laune der Natur zu mir gehört. In der Schule konnte ich anhand einiger Bezeichnungen für mich wie „Klappauge“ oder „Jalousienauge“ sehen, wer ein Arschloch war und wer nicht. Und vielleicht kann es ja auch den Leuten, die ebenfalls nicht symmetrisch aussehen, Mut machen: Man kann auch trotz solcher Handicaps Erfolg haben.

Interview: Mark Daniel

Von Mark Daniel

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