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Katja Riemann über ihre Liebe zur Musik

Exklusiv im MAZ-Interview Katja Riemann über ihre Liebe zur Musik

Eigentlich ist Katja Riemann eine begnadete Schauspielerin. Doch sie ist auch Vollblut-Musikerin, hat Alben als Jazz- und Popsängerin aufgenommen. Dass ihr auch klassische Musik am Herzen liegt, weiß kaum einer. Samstag eröffnet sie die Konzertsaison im Potsdamer Nikolai. Im Gespräch mit der MAZ spricht sie über die Liebe zur Musik.

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Sänger, Schauspielerin und Sprecherin: Katja Riemann

Quelle: dpa

Potsdam. Katja Riemann tritt am Samstag gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam im Nikolaisaal auf und eröffnet die Konzertsaison 2015/16.

MAZ: Frau Riemann, wir kennen Sie als Schauspielerin und Jazz-Sängerin. Seit wann ist Ihnen die klassische Musik wichtig?

Katja Riemann: Erlauben Sie mir zuerst zu sagen, wie sehr ich mich auf dieses Konzert freue und dass ich mich sehr glücklich schätze, dass die Kammerakademie gerade mich dafür angefragt hat. Ich habe als Kind bereits musiziert.

Ja, Sie haben Blockflöten gespielt und später Gitarrenunterricht bekommen. Haben Sie U- oder E-Musik bevorzugt?

Riemann: Ich habe auch Klavier gespielt, by the way. Ziemlich lange und erfolglos. Das war ausschließlich klassisch, genau wie bei der Sopranflöte, wo ich als Solistin spielen durfte in einem Flötenensemble, mit meinen kleinen Fingerchen damals.... Durch die Gitarre kam ich dann an Folk und Blues. Und später nahm ich noch zwei Jahre Unterricht in klassischer Gitarre.

Im Parkett des Nikolaisaals sind die meisten Besucher bei Sinfoniekonzerten über 60 Jahre alt. Die Popkultur, so scheint es, hat auf der ganzen Linie gesiegt. Wird es in 30 Jahren noch genügend Menschen geben, die große Orchesterwerke live erleben möchten?

Riemann: Es ist doch kein Krieg in der Musik. Daher verstehe ich den Begriff des „Siegens“ nicht. Warum kann man nicht die U- und E- Musik (merkwürdige Begriffe an sich bereits) neben einander stehen lassen? Ich kenne fantastische Musiker, genial geradewegs, die Pop oder Rock machen und ich kenne klassische Musiker, die einfach nur nach Dienstvorschrift spielen – und vice versa. Insofern, glaube ich, kann es nicht um Sieg gehen, sondern immer um Bereicherung und natürlich um Bildung. Was in 30 Jahren ist, kann ich nicht sagen, wer kann das schon? Es wäre jedenfalls schön, es gäbe in 30 Jahren noch Musik und große Konzerte, wie ich unlängst gerade wieder eines in der Waldbühne erleben durfte oder auch im A-trane. Aber vielleicht hat die Dummheit der Menschen diesen Planeten auch in 30 Jahren bereits in die Luft gesprengt. Aber Musik, das glaube ich aus ganzem Herzen, wird es immer geben, solange Menschen leben.

Schauspielerin, Pop- und Jazz-Sängerin

Katja Riemann wurde 1963 in Kirchweyhe bei Bremen als Tochter eines Lehrerpaars geboren. Bereits während ihres Schauspiel-Studiums Mitte der 1980er Jahre erhielt sie erste Filmrollen. Neben ihren Engagements nahm sie auch mehrere Pop- und Jazz-Alben auf.

Am Samstag, 19 Uhr, eröffnet die Kammerakademie Potsdam im Nikolaisaal die Saison. Bei dem dreiteiligen Sinfoniekonzert wirkt Katja Riemann als Sprecherin mit. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse. Anschließend steigt in der Wilhelm-Staab-Straße ein Fest.

Ist Ihnen die Musik des 20. Jahrhunderts näher als die des 19. Jahrhunderts? Können Sie mit Strawinsky und Gershwin mehr anfangen als mit Robert Schumann oder Tschaikowski?

Riemann: Mir fällt es immer sehr schwer kompetitiv zu denken, ehrlich gesagt. Weil es Rock gibt, ist ja nicht Jazz nichtig, weil es Neue Musik gibt, bedeutet es ja nicht, dass die Musik des 19. Jahrhunderts dadurch in Frage gestellt werden muss. Die Großartigkeit in der Kunst besteht doch darin, dass immer wieder neu kreiert wird, dass immer wieder neue Impulse dazu veranlassen, künstlerische Wege zu finden oder auch neue (oder andere) künstlerische Mittel, um weiterhin Kunst existent zu machen und notwendig vor allem. Erst wenn es keine Kunst mehr gibt, werden wir sehen, wie sehr wir sie zum Leben brauchen.

Wer trifft am ehesten Ihr Herz? Bach, Mozart, Beethoven?

Riemann: Bach.

Was reizt Sie an dem Werk „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, bei dem Sie die Sprecherrolle übernehmen?

Riemann: Ich finde die Musik wahnsinnig lustig und sehr erzählerisch. Zumal wir den Text von Roger Willemsen nehmen werden und nicht Loriots oder Ustinovs Variante. Willemsen hat einen fantastischen, sehr lustigen und manchmal anzüglichen lyrischen Text geschrieben, der klug und musikalisch ist und mit Saint-Saëns bestens zusammen geht.

Ironie ist hier ein wichtiges Stilmittel. Fehlt es der Neuen Musik an Esprit und Witz?

Riemann: Keine Ahnung.

Wäre es nicht zeitgemäßer, wenn Jazzmusiker heute einen Karneval der Tiere anstimmen würden? Ließe sich mit modernen Instrumenten und moderner Soundtechnik nicht der Einzug der Tiere und das Wesen etwa von Hühnern, Schildkröten, Elefanten und Kängurus viel mitreißender musikalisch darstellen?

Riemann: Das geht bestimmt auch, aber dann ist es nicht mehr Camille Saint-Saëns...und wir spielen ja dessen Komposition. Außerdem geht es ja nicht um die Darstellung von Tierlauten, sondern um eine Haltung.

Sie standen in den letzten Jahren wiederholt im Potsdamer Hans-Otto-Theater, aber auch in Neuruppin live auf der Bühne. Haben Sie zu Potsdam oder Brandenburg ein besonderes Verhältnis?

Riemann: Nee, in den letzten Jahren habe ich nicht am Hans Otto Theater gespielt, das ist schon wieder Einiges her. Aber na klar habe ich zu Potsdam und Brandenburg ein Verhältnis, ich komme ja aus Berlin und somit gehört das alles zusammen. Außerdem habe ich seit Neuestem in Brandenburg eine Datscha, an der mein Mann und ich herumbasteln!

Von Karim Saab

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