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Kultur „Keine Kresse, bitte!“
Nachrichten Kultur „Keine Kresse, bitte!“
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11:30 18.10.2017
Mit Spaß beim Spaghetti-Essen: Die gemeinsame Mahlzeit ist nicht der Ort, um das richtige Benehmen zu lernen, meint Jesper Juul. Quelle: Getty Images
Hannover

Wer Freunde einlädt, putzt die Wohnung, wälzt Kochbücher, deckt den Tisch festlich und kauft die besten Zutaten ein. Die Mahlzeiten mit der eigenen Familie werden dagegen häufig auf die Schnelle und mit wenig Liebe zubereitet. Dieses Verhalten hat der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul beobachtet und hält es für falsch.

Bei manchen Verhaltensmustern, die Juul in seinem neuen Buch „Essen kommen: Familientisch – Familienglück“ beschreibt, wird der eine oder andere Leser sich wiedererkennen. Gibt es doch bei vielen Familien den Willen, regelmäßig zu einem gesunden, schmackhaften Essen zusammenzukommen, allein es fehlt die Zeit oder die Energie. Hinzu kommen die Verlockungen des schnell zubereiteten Fertigessens, was in immer mehr Varianten und Qualitäten angeboten wird.

Gelassenheit beim gemeinsamen Essen

Nicht alles, was Juul zum Thema Essen in der Familien zu sagen hat, ist tatsächlich neu. Bereits 2005 hatte er das Buch „Was gibt es heute?“ veröffentlicht. Nun hat er Teile des Klassikers gründlich aktualisiert und durch zahlreiche Rezepte ergänzt. Ganz allgemein rät der erfahrene Familientherapeut zu mehr Gelassenheit beim gemeinsamen Essen. So schreibt er: „Die Mahlzeit ist nicht der richtige Ort, seine Kinder oder andere Familienmitglieder zu erziehen.“ Wichtig sei es, dass das gemeinsame Essen schmeckt, die Atmosphäre stimmt und sich alle Beteiligten wohlfühlen. Ganz im Sinne der dänischen „Hyggeligkeit“. Zudem rät Juul, Kinder möglichst früh und möglichst oft in der Küche mithelfen zu lassen. Was auf den Tisch kommt, sollten allerdings – zumindest bei kleineren Kindern – die Eltern bestimmen. Zu viel Entscheidungsfreiheit verwirre Kinder nur. Die wiederum sollten jedoch nur so viel essen, wie sie mögen, und wenn sie etwas nicht mögen, dies auch sagen dürfen.

Das Buch für Juul-Einsteiger

Auch wenn Kinder phasenweise gesundes Gemüse oder bestimmte andere Lebensmittel verweigern, ist dies für Juul nicht zwingend ein Problem. Er führt als beruhigende Anekdote einen dänischen Dichter an, der stets einen Stempel bei sich führte, den er in Restaurants auf Speisekarten druckte. Darauf stand: „Keine Kresse, bitte!“

Wer schon andere Ratgeber des Dänen gelesen hat, für den bietet das Buch vielleicht nicht allzu viel Neues. Für Juul-Einsteiger dagegen ist es zu empfehlen, auch wegen der originellen Rezepte, die eine schwedische Kindergartenköchin beigesteuert hat.

Jesper Juul: „Essen kommen: Familientisch – Familienglück“. Beltz Verlag, 240 Seiten, 19,95 Euro Quelle: BELTZ

Von Christiane Eickmann/RND

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