Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Ketzerische Anmerkungen über DDR-Kunst

Barberini Ketzerische Anmerkungen über DDR-Kunst

Drei Kunstvermittler mit DDR-Erfahrungen plaudern aus dem Nähkästchen. Im Museum Barberini fand am Montag eine Podiumsdiskussion mit Matthias Flügge, Jutta Penndorf und Judy Lybke statt.

Voriger Artikel
„Zwischen zwei Leben“ – Erst Überleben, dann Liebe
Nächster Artikel
Geheim-Gig von U2 in der Linie U2

Galerist Judy Lybke (mit Mikrofon), Kunstkritiker und Hochschulrektor Matthias Flüge und Ex-Museumsleiterin Jutta Penndorf im Barberini.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Drei zu DDR-Zeiten hochgradig engagierte Kunstvermittler kamen am Montag im Museum Barberini in einer Podiumsdiskussion zu Wort. Die Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ wurde von Deutschlandfunk-Journalist Stefan Koldenhoff moderiert.

Matthias Flügge, seit 2012 Rektor der Kunsthochschule Dresden, war lange Zeit Redakteur der Zeitschrift Bildende Kunst. Er berichtete von einem Buch, das 1983 in der Redaktion eingeführt wurde und alle Künstler aufführte, die öffentlich nicht erwähnt werden durften, da sie einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Jutta Penndorf, langjährige Chefin des Lindenau-Museums in Altenburg, erinnerte, wie ein Sekretär für Agitation und Propaganda 1987 mit dem Satz „Darf man das heute?“ eine Ausstellung mit Werken des Malers Walter Libuda hinnahm. Und Judy Lybke, der mit seiner illegalen Galerie „Eigen+Art“ in Leipzig Furore machte und seit der Wende erfolgreich den internationalen Kunstmarkt aufmischt, steuerte manche Anekdote bei, da er die Branche und auch Hochschullehrer wie den Maler Bernhard Heisig zunächst aus der Perspektive eines Aktmodells erlebt hat.

Einig waren sich die drei Diskutanten in ihrer Ablehnung der Palastgalerie, die das Barberini parallel in vier Räumen zeigt. „Die Bilder sind noch viel schlimmer als sie mir damals erschienen“, sagte Penndorf. Flügge pflichtete ihr bei: „Ich bin nachträglich erschrocken, dass ich damals nicht schreiend herausgerannt bin, sondern nur kopfschüttelnd.“ Lybke stellte fest, dass er nie im Palast der Republik gewesen ist.

Matthias Flügge sagte abschließend, er hoffe, dass das die letzte DDR-Kunstausstellung sei. „Die Fixiertheit auf DDR-Kunst macht mich seit der Wende verrückt.“ Das Thema werde ghettoisiert und solle besser in einem europäischen Kontext dargestellt werden“, sagte Flügge weiter.

Dass Bilder in der DDR für viele Menschen ein wichtiges Medium zur Selbstverständigung darstellten, blieb unerwähnt. Nach der Wende verlor die Kunst oft an Stellenwert, da sie nun eher der Dekoration oder der Wertanlage diente.

Von Karim Saab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Sollten die Geschäfte trotzdem öffnen?