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Kinder lernen in Streicherklassen

Schüler musizieren Kinder lernen in Streicherklassen

Die zwölf Streicherklassen in Brandenburg geben Schülern im Alter von zehn bis zwölf Jahren die Chance, Geigen, Bratsche, Cello oder Bass zu lernen. Sie werden von zwei kompetenten Lehrern angeleitet. Gerade fand das Konzert der Klassen in Schwedt/Oder statt. Manche Eltern waren überwältigt und konnten sich die Tränen nicht verdrücken.

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Tony Hoang (11) und Lara Gellrich (10) von der „Grundschule Nord“ in Hennigsdorf, sie musizieren seit eineinhalb Jahren.

Quelle: Lars Grote

Hennigsdorf. Lara greift ihr Cello, sie setzt sich auf den Stuhl, der Hals des Instruments reicht ihr bis knapp zur Stirn. „Ich habe es auch mal mit Kontrabass versucht“, sagt sie, „aber die Saiten sind so dick, sie drücken zu sehr in den Fingern.“ Lara Gellrich ist zehn Jahre alt, in ihrer Freizeit hört sie Deichkind, auch Sportfreunde Stiller, die wenig mit dem Cello, aber viel mit hart geschlagener Gitarre und bunter Bühnenshow zu tun haben.

Seit eineinhalb Jahren spielt Lara Cello, sie geht in die fünfte Klasse der „Grundschule Nord“ in Hennigsdorf (Oberhavel) und zählt zur Streicherklasse, drei Stunden je Woche spielen die Kinder dort Geige, Bratsche, Cello oder Bass – in der vierten Klasse haben sie die Instrumente ausprobieren können und sollten sich entscheiden, welches zu ihnen passt.

Auch Tony Hoang, zehn Jahre alt, zählt zu Laras Klasse. Er hat die Geige gewählt und weiß: „Meine Hände werden immer feucht vor Auftritten“. Doch die Feuertaufe ist bestanden, am Samstag haben die Hennigsdorfer mit vier anderen Brandenburger Streicherklassen ihr erstes Konzert gegeben. 500 Leute kamen in die Uckermärkischen Bühnen Schwedt/Oder (Uckermark). Eltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Großeltern saßen im Publikum, „sie haben geweint vor Rührung“, erzählt Kathrin Heinrich, Lehrerin an der Hennigsdorfer Musikschule, sie hat die Klasse nach Schwedt begleitet.

„Ich möchte keine schweren Instrumente schleppen“

Auch bei Tony ging alles gut. Das Konzert lief toll, die Aufregung hat ihn zur Höchstleistung getrieben. Warum er sich die Geige ausgesucht hat? „Ich mag die hohen Töne. Und ich möchte nicht so schwere Instrumente schleppen.“ Für ein Blasinstrument, sagt er, fehle ihm die Puste. Tony spielt eine Dreiviertelgeige, Lara ein Dreiviertelcello, das sind nicht ganz die Größen der Erwachsenenwelt, aber beileibe keine Puppenstubeninstrumente. Doch auch so ein Dreiviertelcello muss man erstmal schultern. Lara stellt es manchmal auf die Rollmappe von ihrer Freundin. Als Dank trägt Lara deren Geige. Die Geige: Ein Fliegengewicht.

Laras Tante ist Sängerin, in ihrer Band spielt ein Cellist, der hat sie überzeugt vom Klang des Instruments. Auf dem Hals von ihrem Cello sitzen kleine Aufkleber, damit sie weiß, wohin sie ihre Finger setzen muss. Wenn sie sich dreht, um nachzuschauen, ob die Finger richtig liegen, wippen ihre Pippi-Langstrumpf-Zöpfe.

Drei Wochenstunden, zwei Jahre lang

Über zwei Jahre erstreckt sich jeweils das Projekt der Streicherklasse, es umfasst die vierten und fünften Klassen der Grundschulen. Die dritte Klasse vermittelt theoretische Vorbildung.


Ein Musiklehrer der Grundschule und einer der örtlichen Musikschule betreuen die Streicherklassen drei Stunden pro Woche, Instrumente werden kostenlos verliehen.

Bewerben können sich Schulen beim Verband der Musikschulen. Projektleitung: Sophie Müller, mueller@vdmk-brandenburg.de

Kathrin Heinrich von der Hennigsdorfer Musikschule erläutert die Idee des Projekts: „Es geht darum, Kinder an Streichinstrumente heranzuführen, die sonst keinen Kontakt zu dieser Musik hätten. Wir haben eine Klasse ausgesucht, in der die Kinder aus musischen Familien kommen und solchen, die mit Streichern keinen Kontakt haben.“ Gemischt soll es sein, kein Endruck von Elite ist erwünscht.

Weihnachten haben Lara und Tony mit ihrer Klasse vor den Eltern gespielten – die sollten singen, doch hatten mehr Hemmungen als ihre Kinder.

Vor dem Konzert in Schwedt haben sie die Filmmusik von „Forrest Gump“ geprobt. Tony spielte glänzend. Kathrin Heinrich rief: „Du hast geübt!“ Tony hat sich fast erschreckt. Dann lächelte er.

Er und Lara sind sich sicher, wenn die zwei Jahre der Streicherklasse vorbei sind, „dann spielen wir weiter!“ Wieder ein Lächeln. Diesesmal von Kathrin Heinrich, ihrer Lehrerin.

Von Lars Grote

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