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Kultur Kindheitsbilder-Ausstellung beginnt
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19:39 24.07.2013
Wildenbruch im Jahr 1964
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Potsdam

Es sind Erinnerungen. Nach dem 20. Jahrhundert der Weltkriege, Vertreibungen, Fluchten und der deutsch-deutschen Teilung oft auch die einzigen, die geblieben sind. Ob gerahmt, sorgfältig eingeklebt oder lose im Schuhkarton, Fotografien sind Fenster in die Vergangenheit. Im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte erlauben sie jetzt den Rückblick auf die Lebenswelt von Kindern in Brandenburg. Wobei der Plural „Lebenswelten“ angemessener ist: Wuchsen Kinder doch zu verschiedenen Zeiten auch sehr verschieden auf.

Die Ausstellung „Kindheitsbilder“ ist ein Leitprojekt des aktuellen Kulturland-Themenjahres „Kindheit in Brandenburg“, dessen Anspruch Kurator Peter Walther mit seiner kecken Rede vom „kollektiven Familienalbum“ auf den Punkt bringt. Der für die Schau gewählte Untertitel „Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848“ ist vergleichsweise kekstrocken formuliert. Vor allem aber klingt er selbstverständlicher als er ist. Denn genau diese Alltagsfotografie ist in öffentlichen Sammlungen eher rar. Das, was Walther in Potsdam präsentieren kann, kommt also im Wesentlichen aus privater Hand. Nach Aufrufen, die der promovierte Germanist und Mitarbeiter des Brandenburgischen Literaturbüros 2011 und 2012 in der MAZ veröffentlichte, landeten Einsendungen mit 10.000 Fotografien auf seinem Potsdamer Schreibtisch.

Davon hängen nun 300 an zartgrünen Wänden. Bis auf eine Ausnahme sind es durchweg Reproduktionen. Die Vielfalt der Formate (vom Kontaktabzug bis zur Plakatgröße) und des Materials (Glasplatte, Salzpapierabzug oder Tintenstrahlausdruck), hauptsächlich aber die unterschiedliche Qualität der Vorlagen ließ anderes nicht zu. Die Ausnahme ist ein Bild, das die Familie des Apothekers Christian Gotthilf Wittrin aus Prenzlau (Uckermark) zeigt. Die sitzt arg steif auf ihren Stühlen, doch aufregend ist nicht das Motiv, sondern das Alter des Exponats. Es handelt sich nämlich um eine auf 1848 datierte Daguerreotypie. Die Technik hatte der Franzose Louis Jacques Mandé Daguerre 1839 erfunden: Es war das erste praxistaugliche Verfahren der „Lichtmalerei“ und markiert den Beginn der Fotografiegeschichte.

Zur Galerie
Im Brandenburgischen Literaturbüro werden alte Fotografien und Erinnerungen aus dem Land zusammengetragen.  Dazu soll eine Ausstellung einen Einblick geben in den Alltag in der Mark im vergangenen Jahrhundert.

Die Wittrins empfangen die Besucher – und schicken sie weiter auf eine Reise durch anderthalb Jahrhunderte. Freilich auf keine stur chronologische. Die Fotos sind vielmehr nach jenen Sujets sortiert, die über Generationen hinweg dieselben geblieben sind: Kinder beim Spielen, Kinder mit Tieren, Kinder am Wasser lauten hier darum die Kapitelüberschriften. Als Bildtexte genügen „Fotoecken“, die lediglich Ort, Zeit und Namen verraten. Diaprojektoren werfen von der Potsdamer Schriftstellerin Antje Rávic Strubel verfasste Kommentare an die Wand, die Sehhilfen sein sollen, doch mehr noch zum freien Assoziieren anstiften möchten.

Das funktioniert. In die Rubrik „Kindheit in Uniform“ führt Strubel zum Beispiel mit den Worten „kleine Erwachsene mit ernsten Gesichtern“ ein. Und in solche Gesichter kann wirklich schauen, wer<ET>die Fotos sieht, auf denen sich Reichspräsident Hindenburg 1928 vor Potsdamer Waisenhausknaben und der DDR-Staatsratsvorsitzende Ulbricht 1962 vor den Kindern von Golzow aufpumpen. Die Ähnlichkeiten sind keineswegs zufällig. Nicht minder verblüfft eine Serie von sechs Aufnahmen, mit der die Geschichte der Senftenberger Familie Wendt von 1858 bis 2013 erzählt wird, oder der Versuch einer Typologie der Gattung „Klassenfoto“ von 1880 bis zur Gegenwart. Klug ergänzt werden all diese Zeugnisse des Privaten durch Nachlässe professioneller Fotografen. Wie etwa August Sodemann die Härten des bäuerlichen Daseins im Prignitz-Dorf Groß Pankow dokumentiert hat, dürfte niemanden kalt lassen.

Kurzum, die Ausstellung widerlegt den amerikanischen Prosazyniker Ambrose Bierce, der Bilder einmal als „zweidimensionale Wiedergabe von etwas“ bezeichnet hat, „das schon in drei Dimensionen langweilig“ sei. Umgekehrt bestätigt sie aber auch Israels besten Satiriker Ephraim Kishon, der gesagt hat: „Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in den Urlaub fahren.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Kindheitsbilder – Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848“ ist ab Freitag, dem 26. Juli bis zum 12. Januar 2014 im&nbsp; Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte am Kutschstall zu sehen. Die Adresse:&nbsp; Am Neuen Markt 9. Öffnungszeiten:&nbsp; Di-Do 10-17 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr.

Hier gibt es weitere Infos

Von Frank Kallensee

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