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Klaas Heufer-Umlauf: Diese verschissene Ironie

Gloria-Konzert am Freitag im Waschhaus Klaas Heufer-Umlauf: Diese verschissene Ironie

Die meisten kennen ihn aus dem Fernsehen. Klaas Heufer-Umlauf ist einer der erfolgreichsten TV-Entertainer Deutschlands. Mit der Band Gloria macht er auch Musik. Mit Mark Tavassol, Bassist bei „Wir sind Helden“. Freitag spielen sie in Potsdam. Davor haben sie mit der MAZ über Schwermut, Ironie und Jan Böhmermann gesprochen.

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Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf (r.).

Quelle: dpa

Potsdam. Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol treten am Freitag mit ihrer Band Gloria im Potsdamer Waschhaus auf. Im MAZ-Interview reden sie über die Böhmermann-Affäre, ihr Musikverständnis und über Potsdam.

Eure Musik ist kein bisschen witzig – klingt das für euch nach Kompliment oder Kritik?

Klaas Heufer-Umlauf: Ich mag es zu lachen und lebe ja auch vom Humor. Aber lustige Musik braucht wirklich keiner. Gerade humorbegabten Menschen ist der Schwermut vertraut. Sonst würden sie Humor mit penetranter Fröhlichkeit verwechseln.

Euer Song „Stolpersteine“ dreht sich um den NS und die Folgen. Wie fandet ihr zu so einem Thema den passenden Text?

Mark Tavassol: Wir müssen von einem Thema berührt sein, um darüber einen Song zu schreiben. Klaas und ich leben in Berlin und Hamburg, dort gibt es sehr viel Stolpersteine, die an ermordete jüdische Bewohner erinnern. Das berührt uns beide stark.

Gitarrenbetonter Indie-Pop

Klaas Heufer-Umlauf , 32, ist einer der erfolgreichsten Entertainer im deutschen Fernsehen. Er moderiert zusammen mit Joko Winterscheidt Shows auf Pro Sieben, zum Beispiel „Circus HalliGalli“ und „Die beste Show der Welt“. Nach Eigenaussage gehe es dabei um „festlich inszenierten Trash und substanziellen Schwachsinn“. Er moderierte auch schon eine Sendung mit Jan Böhmermann auf Radio Eins und wurde u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Mark Tavassol , 42, wurde bekannt als Bassist der Band Wir Sind Helden. Neben der Arbeit als Musiker war er auch noch als Arzt tätig. Bei Gloria spielt Tavassol vor allem Gitarre.

Die Band Gloria entstand als Hobby der beiden Freunde. Jahrelang feilten sie an Songideen. 2013 erschien das ebenfalls „Gloria“ genannte Album, im vergangenen Jahr kam „Geister“ heraus. Gloria spielen gitarrenbetonten Indie-Pop mit nachdenklichen deutschen Texten. Das Konzert am Freitag im Waschhaus Potsdam beginnt um 21 Uhr, Tickets kosten im Vorverkauf 20 Euro plus Gebühren.

Tickets gibt es in der MAZ-Ticketeria. Informationen unter der Telefonnummer: 0331/2840-284

Und wie bringt ihr die Songs live rüber? Bei manchen TV-Stars wirkt es inszeniert, wenn sie als Sänger auftreten.

Heufer-Umlauf: Ich will auf keinen Fall einen Sänger spielen, sondern einer sein. Bei den ersten beiden Touren habe ich mich am Mikro-Ständer festgeklammert. Erst jetzt traue ich mich, mich mehr zu bewegen – aber ganz bestimmt, ohne das wochenlang vorm Badezimmerspiegel mit einem Dreierstecker in der Hand zu üben.

Im Fernsehen sieht das anders aus, da wirst du dafür bezahlt, ständig witzig und ironisch zu sein. Wirkt Musik dagegen wie ein Wahrheitsserum?

Heufer-Umlauf: Es entspannt mich, in der Musik keinen Gagdruck zu haben. Du beschäftigt dich monatelang mit diesen drei bis vier Minuten, die ein Song dauert. Auch wenn Songtexte gar nicht viele Worte enthalten, müssen die stimmen. Im Fernsehen laberst du teilweise 45 Minuten durch. Das Ziel sollte generell sein, diese verschissene Ironie endlich loszuwerden, ob in der Musik oder im Fernsehen.

Du bist ein Vorreiter der Ironie.

Heufer-Umlauf: Ich weiß, und das ist ein Problem meiner Generation. Wir meinen ständig alles ironisch. Das ist fast zwanghaft. Ich würde gern eine Sendung machen, die sehr lustig aber nicht ständig ironisch ist.

Und willst du das alleine schaffen? Bis jetzt funktionieren all deine Projekte im Duo – mit Joko im Fernsehen, mit Jan Böhmermann im Radio und mit Mark in der Musik.

Tavassol: Ich glaube, da hast du Recht. (lacht) Nee, aber im Ernst, ich weiß, er schafft auch einiges alleine.

Heufer-Umlauf: Dass mir hier meine Teamfähigkeit vorgeworfen wird – unmöglich. Es ist doch ehrenwert, dass ich so verkrachten Existenzen wie Böhmermann geholfen habe. Ganz im Ernst, ich bin schon etwas stolz darauf, dass dieses Freundschaftsding in der Arbeit noch immer besteht – ob mit Joko, Mark oder Jan.

Apropos Böhmermann, wie habt Ihr den Ärger um sein Schmähgedicht verfolgt?

Tavassol: Es war erschreckend, was für Kreise das zog. In Bezug auf den Flüchtlingsdeal mit der türkischen Regierung wurde klar, was für ein Rattenschwanz an Nachteilen es haben kann, wenn man sich mit den falschen Leuten einlässt.

Heufer-Umlauf: Das Ganze war ein Lehrstück. Die Frage, ob Satire etwas verändern kann, lässt sich jetzt bejahen. Es wird sogar ein Paragraf abgeschafft. Ich finde, die Meinungsfreiheit muss immer gewährleistet sein. Es darf keine Schere im Kopf geben, aus Angst vor irgendwelchen Konsequenzen. Nur weil sich so einer wie Erdogan auf den Fuß getreten fühlt, sollte es keinen voreiligen Gehorsam geben.

Lasst uns zum Schluss noch mal auf das Konzert in Potsdam schauen.

Heufer-Umlauf: Wenn ich mal erwachsen bin, ziehe ich auch nach Potsdam. Eine wirklich schöne Stadt. Soweit ich weiß, gehört Potsdam aber Günther Jauch.

Tavassol: Ich habe mein allererstes Konzert mit Wir Sind Helden im Waschhaus Potsdam gespielt. Damals arbeitete ich noch als Arzt im Krankenhaus in Hamburg. Nach der Arbeit fuhr ich mit dem Auto zum Konzert. Auf der Autobahn war direkt vor mir ein Unfall. Ich musste erste Hilfe leisten, bis der Krankenwagen kam. Keine vier Stunden später stand ich auf der Bühne. Eine absurde Überschneidung von zwei Berufen.

Von Maurice Wojach

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