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Kultur Klassik am besonderen Ort: So war das Konzert in der MAZ-Druckerei
Nachrichten Kultur Klassik am besonderen Ort: So war das Konzert in der MAZ-Druckerei
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00:22 23.01.2019
Am Sonntagabend spielt die Kammerakademie Potsdam in der Druckerhalle der MAZ ein Konzert. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Da steht er, der Commander, unbeweglich, stählern und kalt. Hoch oben über den Köpfen der Menschen schweigt er, als würde er sich die Worte zum Treiben an seinen Füßen noch überlegen. Dort unten spielen acht Bläser ein klassisches Konzert. Schwingen den „Freischütz“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“ aus ihren Oboen und Klarinetten und Fagotten. Sonntagmittag klingt das klassische Konzert in der Druckerei der Märkischen Allgemeinen Zeitung großartig.

Die Kammerakademie Potsdam spielt in der Druckerhalle der MAZ ein Konzert.

Sogar von einer „MAZ-Philharmonie“ spricht Geschäftsführer Alexander Hollensteiner, als er das Konzert seiner Kammerakademie Potsdam anmoderiert. „Man würde bei so einer großen Halle denken, es gibt einen Hall, aber der Klang ist ganz trocken und hallt wenig nach“, sagt Klarinettist Markus Krusche. Rainer Umlauf aus Ludwigsfelde ist einfach nur begeistert: „Ich bin fasziniert von dem Klang in dieser Halle“, sagt er.

Radio des 18. Jahrhunderts

Wer hätte das gedacht: Die MAZ-Druckerei ist mit ihren riesigen Papierrollen, Maschinen und verwinkelten Ecken der perfekte Ort für ein Konzert. „Unsere Herangehensweise ist, dass wir klassische Musik an unterschiedlichen Orten unterschiedlich erfahrbar machen wollen“, sagt Alexander Hollensteiner. Klassik wirke daher je nach Ort anders.

Und wie wirken nun die Stücke aus den Opern „Der Freischütz“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“? Letztere hat Otto Nikolais ursprünglich zwischen 1845 und 1849 mit acht Solisten vertont. Gestern wurde mit der „Harmoniemusik-Besetzung“ gespielt, die als das Radio des 18. Jahrhunderts gilt. Je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte schwingen wortwörtlich die Musik aus ihren Instrumenten. Im stetigen Wechsel eines hohen und tiefen Tons, geht der Fagottist mit seinem Körper mit. Das wirkt witzig, aber vor allem mitreißend. Der Druckerpresse, dem Commander CL, ist das egal. Commander tanzen nicht.

Immer wieder Klassik in der MAZ-Druckerei

Auch die Liebesgeschichte in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ lässt den Commander offenbar kalt. Ob es daran liegt, dass das 1821, ebenfalls in Berlin, uraufgeführte Stück als musikalisches Echo auf die Befreiung vom ehemaligen General Napoleon Bonaparte gilt? In jedem Fall klingt die Liebesgeschichte in ihren Tempi-Wechseln dramatisch.

„Mir geht es mehr um den Ort“, sagt Jochen Riemer aus Nauen. Für ihn ist es das erste Konzert in der MAZ-Druckerei. Schon im September 2013 führte die russische Pianistin Nadezda Filippova hier ein Beethoven-Programm auf. Ein Jahr später war die Kammerakademie Potsdam mit Mozart zu Gast.

Nah an den Spezialisten

Die Halle eröffnet die Möglichkeit, Klassik einmal anders zu erleben. „Man stellt sich die Instrumente vor, aber so nah wie hier, sieht man sie sonst nicht. Das war sehr, sehr schön“, sagt Ingrid Endler aus Potsdam. Ihr Mann Werner mag eigentlich mehr den großen Saal und das große Orchester. „Ich bin aber begeistert von den Spezialisten“, sagt er.

Tatsächlich hört man jedes Instrument heraus, hört die Spielweisen und sieht die Finger hin und her huschen. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das auch noch fehlerfrei und synchron geschehen muss.

Man möchte fast von einem guten Abend sprechen, weil solche Konzerte sonst im Winter meist nach Anbruch der Dunkelheit stattfinden. Am Sonntag scheint aber das Sonnenlicht durch das Glasdach in die Halle auf den Commander. Und fast nicht zu sehen, blinken da doch zwei kleine Lichter rhythmisch zur Musik. Etwas neben dem Takt, aber wer wird das einem Commander übel nehmen?

Von Jan Russezki

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