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Klaus Bergmanns Fotos aus dem Golmer Luch

Ausstellung Klaus Bergmanns Fotos aus dem Golmer Luch

Seit Jahrzehnten fotografiert der Potsdamer Klaus Bergmann im Golmer Luch. An die 30 000 Aufnahmen sind dort entstanden. Es sind wunderbare Bilder vom Vergehen, aber auch vom Zauber, der Schönheit und dem munteren Treiben all der dortigen Kreaturen. Neunzig Fotos des 72-Jährigen kann man nun in einer Ausstellung in den Römischen Bädern im Park von Sanssouci bewundern.

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Der Potsdamer Fotograf Klaus Bergmann.

Quelle: Angelika Stürmer

Potsdam. Allen Stürmen und jedem Wetter hatten sie über hundert Jahre getrotzt. Diese uralten Weiden in Doppelreihen auf der Hüllenwiese im Golmer Luch. Dann waren sie verwachsen, verwittert, borkenlos und bemoost. Von schiefer Gestalt, schon umgekippt oder nur noch ein hölzernes Gerippe. Als der Potsdamer Fotograf Klaus Bergmann die Baum-Geschöpfe in dieser faszinierenden Landschaft, dem Feuchtgebiet im Süden und Westen des Potsdamer Ortsteils Golm, in den 1960ern das erste Mal sah, war er überwältigt. „Sie waren einmalig aus fotografischer Sicht“, schwärmt der 72-Jährige noch heute. Er verewigte sie mit seiner Kamera. Welch Glück. „Denn Ende der 70er waren fast alle weg. Jetzt sind nur noch Fragmente, ein paar Stummel da.“

In der Ausstellung „Das Golmer Luch“ in den Römischen Bädern im Park von Sanssouci kann man nun wunderbare Erinnerungen an diese Baum-Veteranen betrachten. Eine Auswahl von 90 Bildern – insgesamt nahm Bergmann in all den Jahrzehnten an die 30 000 Motive auf – wird gezeigt.

„Da draußen vergess ich Gott und die Welt“

„Da draußen vergess ich Gott und die Welt“, erzählt er, „bin ich im Paradies.“ Mit dem grau-blauen Passat, seinem „Feld-Auto“, kutschiert er die paar Kilometer hin. Regenjacke, Gummistiefel hat er dabei. Die dicke Matte, um zuweilen bäuchlings etwas Außergewöhnliches abzulichten. Und sein Zelt als Versteck, um dichter an die Tiere heranzukommen. Oder er harrt einfach auf dem Hochsitz aus. Schippert im Kanu über die Luch-Gewässer.

Fotos für Verlage und die Schlösserstiftung

Klaus Bergmann begann 1966 zunächst nebenberuflich, Auftragsarbeiten anzunehmen. Ab 1981 war er freiberuflich tätig. Bereits Mitte der 1960er machte er im Rahmen einer Kooperation der damaligen Schlösserverwaltung – der jetzigen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg – mit dem Fotoclub Potsdam erste Aufnahmen für deren Bildarchiv, darunter der Bau- und Gartendenkmale sowie der Sammlungsobjekte.

Der 72-Jährige lieferte Fotomaterial für Bildbände wie „Sanssouci“ oder „Potsdamer Schlösser in Kunst und Geschichte“ sowie für Kataloge u. a. zu den Ausstellungen „A. Pesne“ oder „Friedrich II. und die Kunst“. Zudem für Poster, Plakate, Prospekte, Ansichtskarten und Kalender. Ebenso arbeitete er für Verlage wie Brockhaus, E.A. Seemann, Du Mont,Edition Leipzig.

Ausstellung „Das Golmer Luch“, bis 31.10., Römische Bäder, Park Sanssouci, Potsdam, Di bis So, 10 bis 18 Uhr

„Es gibt Tage, da bin ich sechs, acht Stunden dort. Und nichts passiert. Erst in der Abendstimmung geht’s dann richtig los. Da kommen die Tiere raus zum Toben und Fressen.“ Alle Tageszeiten haben was. „Wenn ich in der Früh um drei da bin, wirkt alles ein bisschen schaurig, mystisch. Von den Feuchtwiesen steigt der Nebel auf. Es knackt mal hier, mal da. In der Morgendämmerung werden die Ersten wach, eine Feldmaus huscht vorüber, vielleicht ein Dachs. Vögel krächzen. Als Städter erlebt man sowas nicht“, sagt Klaus Feldmann.

Knorrig und verwachsen

Knorrig und verwachsen: Baum-Veteranen in einer Weiden-Reihe

Quelle: Klaus Bergmann

Aber immer heißt es: warten, warten. Samt seinen drei Kameras – der Canon 40 D, 50 D sowie 60 D, mit Brennweiten von zehn bis 1300 mm – ist er auf der Lauer. „Ich kann mich ja nicht mit dem Getier verabreden, kann’s nicht hinbestellen, dass die mir was vorführen.“

Er muss eben den richtigen Moment abpassen. Wie jenen eines Abends im Frühjahr. Eine Rehmutter hatte sich mit ihrem Kitz auf einer Wiese hingelegt, plötzlich standen die beiden auf und das Reh führte ihr Kleines zum Äsen. Danach ruhte das Kitz wieder in einer Kuhle und die Mutter ging weg, hatte Freizeit, wie Bergmann es ausdrückt. Wochenlang hatte er auch eine Turmfalken-Familie mit ihren Jungen beobachtet. Anfang Juni hatte dann ein Fuchs den armen Falkenvater im Maul. „Der hatte ihn erwischt.“ Davon erzählt eine Dreier-Serie in der Ausstellung.

Ein Rotmilan mit einem Maulwurf als Beute

Auf vier anderen Fotos hat Klaus Bergmann dokumentiert, wie ein Rotmilan auf einer frisch gemähten Wiese mit plattgemachten Maulwurfshügeln seine Chance sah. Erst kreiste er, dann griff er an, als er einen Maulwurf erspähte, und flog mit der Beute von dannen.

Libellen-Schönheit

Libellen-Schönheit: eine Mosaikjungfer.

Quelle: Klaus Bergmann

Überhaupt: Was hatte er nicht alles schon vor der Linse. Einen Schwarzspitzigen Halsbock auf der Blüte des Berufkrauts. Ein Graureiherpaar, majestätisch im Gras. Die Schwebefliege im Anflug von vorn erinnert irgendwie an einen Jumbo-Jet. Die Florfliege indes sieht so filigran aus mit ihren türkisen, feingliedrigen Flügeln. Der Rotgelbe Weichkäfer hat sich kurz vorm Start „aufgepumpt“, bis auf zehn Zentimeter war Bergmann ihm an den Panzer gerückt. Auf einem Zaunpfahl findet sich eine Achatschnecke. Und da ist auch ein Federgeistchen auf einem Halm.

In voller Pracht

In voller Pracht: ein Klatschmohn-Feld im Golmer Luch.

Quelle: Kaus Bergmann

Ein ganzer Raum der Schau ist voller Fotos mit rotem Mohn, noch jungem Löwenzahn, Schafgarbe, Erlenblüten, wie man sie nur aufnehmen kann, wenn man wie Bergmann den Blick dafür hat. Die Waldrebe besticht durch ihre federartigen Gespinste. Und für den Rotklee sowie die Schwefelflechte nahm Bergmann eine Mikrokamera, die DigiMicro Mobile, zur Hand.

Beeindruckend auch die Fotos mit Golm bei Sonnenfinsternis. Die einstige Mülldeponie, 1937 eingerichtet und nach der Wende rekultiviert, ist für den Fotografen ebenso immer einen Abstecher wert: Ein Hügel aus Schutt und Asche ähnelt in der aufgehenden Sonne einer ägyptischen Pyramide. Die „Methusalem-Weide“ bei Nattwerder, die vor drei Jahren noch grünte, liegt inzwischen tot auf der Erde. Und lange verweilt man vor den Aufnahmen des „Baum-Friedhofs“ bei Wildpark-West, wie er die bizarren Überbleibsel einer vermutlich einstigen Allee nennt. Morsches Holz, ein Ur-Wald. Die Baum-Wurzeln liegen bis zu einem Meter hoch über dem Erdreich frei.

Schon als Junge erwachte die Fotografier-Leidenschaft

Bergmanns Fotos künden vom Vergehen, vom Zauber, der Schönheit, Kraft und dem munteren Treiben all der Kreaturen im Luch. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte im 17. Jahrhundert das dortige Moorgebiet trockenlegen lassen. Kolonisten siedelten. Jetzt ist es ein Landschaftsschutzgebiet.

Die Fotografier-Leidenschaft fing zeitig bei Klaus Bergmann an. Als Junge bekam er von seiner Mutter deren alte 6x9-Agfa-Box. Damit stromerte er in der Gegend herum. Eine Perfekta 1 besaß er ab 1954, dann Praktika Fx3, Pentagon Six. Er war im Fotolabor des Geomagnetischen Instituts der Akademie der Wissenschaften auf Potsdams Telegrafenberg angestellt, leitete die Fotostelle im WTZ der damaligen Pädagogischen Hochschule. Ab 1981 war er freiberuflich für Verlage und 30 Jahre für die Schlösserstiftung tätig.

Immer noch zieht es ihn ins Golmer Luch. 1976 begann er dort sein fotografisches Langzeitprojekt. Zwischen Schlangenbruch im Osten, Teufelsbruch im Westen, den Luchwiesen im Süden und dem Schlänitz-Ausbau im Norden ist er unterwegs. Und wartet auf den nächsten besonderen Moment.

Von Angelika Stürmer

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