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11:16 28.12.2017
Historische Ausgaben und ein Porträt des Schriftstellers Heinrich von Kleist im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder). Quelle: dpa
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Frankfurt (Oder)

Es sind lediglich sieben Zeilen, eng und nur schwer lesbar geschrieben. Die Buchstaben scheinen nach rechts umzufallen. Doch das vergilbte Schriftstück, das mit den Worten «Und nun küsse in meinem Namen» beginnt, ist wertvoll. Stammt es doch von dem Dichter Heinrich von Kleist, der 1803 von Leipzig aus an seine Halbschwester Ulrike in Frankfurt (Oder) schrieb. Das Kleist-Museum in seiner Geburtsstadt möchte diese Original-Handschrift gern erwerben. In Ermangelung eines eigenen Aufkaufetats hat es nun die Bevölkerung um Mithilfe gebeten.

Patenschaften für Wörter, Zahlen und Satzzeichen aus dem Brief

Bis zum Ende dieses Jahres vermittelt das Museum unter dem Motto «Ein Stück Kleist» Patenschaften für Wörter, Zahlen und Satzzeichen des Briefes. Für 35 bis 150 Euro können Interessierte Pate werden. Sie erhalten ein Faksimile des Briefabschnittes inklusive einer Umschrift, aufbereitet in einem Passepartout.

Mitarbeiterin Cornelia Philipp vom Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) zeigt ein Faksimile des Dichters Heinrich von Kleist, der diese Zeilen 1803 von Leipzig aus an seine Halbschwester Ulrike in Frankfurt (Oder) schrieb. Quelle: dpa

„Resonanz darauf ist klasse“

«Die Resonanz darauf ist klasse», sagt Museumssprecherin Anett Handke. «Viele Interessenten, und das sind nicht nur Frankfurter, erwerben die Patenschaft.» Der Brief endet mit der Unterschrift «Heinrich». Die hat sich Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) für 300 Euro gesichert. Das sei für ihn Ehrensache gewesen. «Der Brief ist eine Rarität und um Raritäten muss man kämpfen», sagt er.

Brief zurzeit in einem Wiener Antiquariat

Die sieben Kleist-Zeilen sind genau genommen nur der Schlussteil eines insgesamt dreiseitigen Briefes. «Ulrike von Kleist hat diese Zeilen nebst der Originalunterschrift einer Freundin geschenkt. Sie galten mehr als 100 Jahre lang als verschollen», schildert Museumsleiterin Hannah-Lotte Lund. Aus Privatbesitz seien sie kürzlich jedoch in ein Wiener Antiquariat gelangt.

Zu haben für 35.000 Euro

Wie genau und warum sie letztlich in der österreichischen Hauptstadt landeten, soll Gegenstand eines Forschungsprojektes am Frankfurter Kleist-Museum werden. Historikerin Lund hat die Wiener, die auch ein Auktionshaus betreiben, überzeugen können, mit dem Verkauf noch zu warten. «Der Briefabschnitt kostet 35 000 Euro. Zwei Gutachten belegen, dass er tatsächlich echt ist», sagt Lund, die sich mit diesem Beweis an die Kulturstiftung des Bundes wandte.

Die Stiftung übernimmt ebenso wie das Brandenburger Kulturministerium jeweils ein Drittel der Ankaufskosten. Das letzte Drittel muss das Museum selbst aufbringen. Die Spendenaktion zeige, dass sich Menschen auch heute noch von Kleist begeistern ließen, meint die Literaturwissenschaftlerin. Aufgabe des Museums sei es nunmehr, noch besser zu vermitteln, was die Einrichtung genau tue und warum.

Spätestens Anfang 2018 möchte Museumsleiterin Lund nach Wien fahren und das wertvolle Schriftstück «nach Hause holen». Ausgestellt werden sollen die sieben Kleist-Zeilen dann von April nächsten Jahres an im Museum. Der Rest des dreiseitigen Briefes an Ulrike von Kleist befindet sich laut Lund in der Jagiellonska-Bibliothek im polnischen Krakau, so wie die meisten der heute noch erhaltenen 172 Handschriften Kleists.

Ursprünglich im Besitz der Berliner Staatsbibliothek

Ursprünglich waren sie im Besitz der Berliner Staatsbibliothek, die ihre Sammlung wertvoller deutscher Original-Schriftstücke während des Zweiten Weltkrieges aus Angst vor Zerstörung nach Breslau ausgelagert hatte. Erst in den 1980er Jahren wurde bekannt, dass die Handschriften und Kompositionen, unter anderem auch von Beethoven und Humboldt, noch existieren und in Krakau lagern.

Das Frankfurter Kleist-Museum hat insgesamt acht Original-Handschriften des Dichters in seinem Bestand, manche davon sind Leihgaben. Noch immer gibt es Hoffnung, dass weitere Schriftstücke wieder auftauchen. «Denn wir kennen den Wortlaut von insgesamt 235 Kleist-Briefen», schildert Handke. «Manche sind sicher in Privatbesitz wie bisher auch der jetzt in Wien aufgetauchte Siebenzeiler.»

Das Auktionshaus hatte bereits vor zwei Jahren einen Original-Kleist-Brief versteigert. «Damals fehlte uns das Geld, um mitbieten zu können», erläutert die Museumssprecherin.

Von Jeanette Bederke

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