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Knäckebrot stellt die Trockenheit dar

Potsdamer Winteroper Knäckebrot stellt die Trockenheit dar

Die 13. Ausgabe der Potsdamer Winteroper bereitet das Mendelssohn-Oratorium „Elisas“ szenisch auf. Regisseur Andreas Bode möchte mit dem alttestamentlichen Stoff auch auf Probleme der Gegenwart anspielen.

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Geelke Gaycken und Andreas Bode vor ihrer Miniaturlandschaft.

Quelle: FOTO: PROMO

Potsdam. Zum fünften und vorletzten Mal findet in diesem Jahr die Potsdamer Winteroper in der Friedenskirche Sanssouci statt. Ab 2019 soll das Schlosstheater am Neuen Palais wieder als Spielstätte dienen. Die barocke Guckkastenbühne wurde aber kaum vermisst, denn im rampenfreien Kirchenraum lässt sich viel unmittelbarer das Sänger-Schauspiel in der Mittelachse der Kirche verfolgen.

Für die szenische Aufbereitung des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendessohn Bartholdy mit vier Solisten, 25 Chorsängern und einem 40-köpfigen Orchester wird diesmal der Altarraum mit einer Leinwand abgehängt. „Wir mussten so viele Auflagen des Denkmalschutzes beachten“, verrät Regisseur Andreas Bode, „dass uns diese Lösung angemessen schien“. Der alttestamentarische Stoff handele schließlich auch in einer Welt, in der Gewalt vor neutestamentlicher Gnade geht.

Ein Blick in den heutigen Nahen Osten reicht, um festzustellen, dass der barbarische Krieg zwischen dem „rechtgläubigen“ Volk Israel und „ungläubigen“ Baal-Anbetern an Aktualität nichts eingebüßt hat. Auch die thematisierte Wasserknappheit, die durch einen modernen Wasserturm im Zentrum des Kirchenschiffs versinnbildlicht wird, verursacht weiterhin Flüchtlingsströme und Konflikte.

„Wir erleben gerade eine Zeit, in der archaische Aggressionen und Denkstrukturen aufbrechen“, weiß Bode. Er hat versucht, einige aktuelle Probleme konkret einzuarbeiten. Das Dokumentarfilm-Material, mit dem er das romantische Singspiel flankieren wollte, wurde ihm aus rechtlichen Gründen verwehrt. Mit der Bühnenbildnerin Geelke Gaycken ersann Bode deshalb eine abstrakte Lösung. Aber wie lassen sich Eindrücke aus den trostlosen, umkämpften Gebieten in den Innenraum einer Potsdamer Kirche transportieren?

Ohne große Worte führt Bode den neugierigen Vorberichterstatter in einen Winkel des Rechenzentrums in der Potsdamer Innenstadt, wo die Kreativszene der Stadt ein Atelier-Asyl gefunden hat, das wegen des Wiederaufbaus der benachbarten Garnisonkirche befristet ist. Hier steht eine zwei Mal zwei Meter große Miniaturlandschaft aus Sand. Sie stellt eine Wüstenlandschaft dar, die eine Mauer brutal durchschneidet.

Neben dem aufgebockten Sandkasten stehen Scheinwerfer, Nebelmaschine und Kamera. Die Filmaufnahmen werden in der Friedenskirche als Einspieler auf zwei riesige Leinwände projiziert, zwischen denen die 320 Besucher sitzen. Wenn ein durch Trockenheit aufgerissenen Boden gezeigt wird, ahnt keiner, dass es sich um herangezoomte kleine Knäckebrot-Stücke handelt, die diese Illusion erzeugen.

Das Making-of-Relikt wird zur Anschauung nicht zum Park Sanssouci transportiert. Die Herkunft der assoziativen Aufnahmen sollen ein Rätsel bleiben, da sie nur eine Episode am Rande darstellen. Im Mittelpunkt der Inszenierung stehen leibhaftige Figuren wie der Gotteskrieger Elias, der von Andreas Bode nicht als Gutmenschen, sondern „eher als Egoist“ in Szene gesetzt wird.

Am gleichen Ideenstrang zieht Titus Engel, der musikalische Leiter, der den „Tiefgang der großartigen Komposition“ zur Geltung bringen will. Er hat sich natürlich auch mit dem „harten Text“ auseinandergesetzt, mit den Grausamkeiten und biblischen Wundern. „Aber ich kann nicht religionskritisch dirigieren“, sagt er. „Vielleicht geht es mir wie einem Schauspieler, der oft auch Gefühle darstellen muss, die er gerade nicht empfindet.“

Dem häufig aufgeführten Werk, das aus 42 Rezitativen, Arien und Chören besteht, wird in der Regel von ganzen Hundertschaften Leben eingehaucht. „Mit dem kleinen Solisten-Chor lässt sich der Überwältigungscharakter kaum herstellen, dafür aber mehr Transparenz“, sagt Engel. „Manche Passagen lasse ich a capella singen, um das Pathos rauszunehmen.“

Die Aufführung von Mendelssohns „Elias“ feiert am Donnerstag, 19 Uhr, Premiere. Es folgen fünf weitere Aufführungen am 24., 25 und 30. November und 1. und 2. Dezember. Ort: Friedenskirche, Am Grünen Gitter 3.

Von Karim Saab

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