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Knurren in der Kehle

MAZ-Konzerttipp Knurren in der Kehle

Lassen wir mal die Osterhasen beiseite: Gehen Sie tagsüber ins Grüne, am Abend aber bitteschön ins Konzert: Black Magic Six aus Finnland überraschen in Ludwigsfelde und Berlin mit einer rotzigen Mischung aus Rockabilly, Rock, Blues und mehr. Dann übernehmen Velvet Two Stripes aus St. Gallen die Führung – drei Riot-Girls machen Radau.

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Wüste Sounds sind das teuflische Markenzeichen der Black Magic Six.

Quelle: Jouni Auvinen

Potsdam. Hier haben wie wieder mal ein dynamisches Duo, wie es im Buche steht. Zumindest sind Black Magic Six einen dicken Eintrag ins Rock-Lexikon wert. Hinter der magischen dunklen Sechs verbergen sich die Erz-Musikanten Taskinen und Japa aus – wie sie gern sagen – Hellsinki. An schwarzem Humor gebricht es den beiden Finnen nicht gerade. In Ludwigsfelde und Berlin möchten sie nun ihre jüngste Platte „Choosing Death“ zur Aufführung bringen. Die beiden behaupten öfter, mental und künstlerisch auf der Stelle zu treten. Da sie seit mindestens zehn Jahren Benzin saufen, mit verschiedenen Chemikalien experimentieren und mehr oder weniger akkurat gestutzte Bärte tragen, glaubt man ihnen das. Beinahe.

In einer eher typischen Untertreibung sehen sich der singende Gitarrist und sein Schlagzeuger als die Bastarde von Howlin Wolf, Venom und AC/DC. Ganz schön viele Eltern. Ruppig und hart, bluesy und schmerzhaft. Da läuft auch schon Satan vorbei. Auf dem Weg in die Hölle. Eine Kiste unterm Arm mit jenen, deren Seelen er längst verdorben hat. Kann man eigentlich mit dem Beelzebub tanzen? Nur, wenn man so einen teuflisch-ansteckenden und lodernden Sound hinbekommt wie Black Magic Six.

Frauen regieren die Welt – bei den Velvet Two Stripes ist das eine Tatsache

Frauen regieren die Welt – bei den Velvet Two Stripes ist das eine Tatsache.

Quelle: Promo

Jungs, jetzt lasst aber mal die Mädels ran. Bei den White Stripes hatte Jack White ja eine Frau im Rücken, die stoisch das Schlagzeugs traktierte. Die Zeiten sind vorbei. Velvet Two Stripes aus St. Gallen drehen den Spieß einfach um und lassen die Männer gleich mal außen vor – bis auf den Typ, den sie für die Arbeit an Stöcken und Fellen engagiert haben. Die Schwestern aus der Schweiz wissen, wie der Hase läuft. Gerade legten sie ihr Mini-Album „Got Me Good“ vor.

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Das Leben ist sooo schön , wenn man Bier brauen kann. Wie die drei Carney-Brüder auf ihrer Farm in den Blue Rich Mountains es tun. Van, Jennings und Lain sind ansonsten Pontiak. Wirbeln mal psychedelisch, mal alternativ, mal wie Südstaatler. Gemessen, denn lang dürfen ihre Stücke sein. Nur so wachsen und reifen sie. Wer braut, weiß das. Und dann dreht man sich bedächtig im Kreis dieser spektakulär uferlosen Songs. Wie in Trance. Woran nur das Bier schuld sein kann, oder? Pontiak sind übrigens Teil des Desertfests am Monatsende in Berlin.

Pontiak: Dialectic of IgnoranceStellar. Thrill Jockey Records/Rough Trade.

Oh mein Gott! Herr Doktor, was geht nur in diesem Schädel vor? Zäh, träge und matschig wie Brei scheinen die Gedanken Form anzunehmen und sich ihren Weg zu bahnen. Gerade wie in den Stücken von Beastmaker. Die schleppen sich mit frühem Metal und Doom schwerfällig polternd vorwärts. Doch mit Struktur: Jedes Riff sitzt, die Soli sind fies und fordernd, die Trommeln werden berserkerhaft geschlagen. Auf Schönheit haben es die drei aus dem kalifornischen Fresno nicht abgesehen. Auf elementaren Rock schon eher. Biestig und überwältigend.

Beastmaker: Inside The Skull. Rise Above/Soulfood.

Oh ja, diese Sophie Diggelmann – die Halbschwedin hat ein Knurren in der Kehle. Heiser und bösartig. Wie gemacht für schmutzigen und lärmenden Attacken, die ihre ältere Schwester Sara auf den Saiten ihrer Stromgitarre reitet. Flankiert von Franca Mock, die ihren Bass bratzen und brummen lässt. Die Damen vom Grill braten die Konkurrenz. Der Dreier fährt schwere Orgeln, wüste Riffs und Fuzz-Klänge auf. Man merkt, die musikalische Sozialisation durch ihre Eltern hat reiche Früchte getragen. Garage, Blues und Rock. So dreckig, wie es eben geht. Herrlich, äh weiblich.

Konzerte: Black Magic Six treten am Freitag um 21 Uhr im N.V.A. in Ludwigsfelde auf und am Sonntag, dem 16. April, um 22 Uhr im Wild At Heart in Berlin-Kreuzberg. Velvet Two Stripes spielen am Mittwoch, dem 19. April, um 20 Uhr, im Maze in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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