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Kultur Kometen als Partygeplauder
Nachrichten Kultur Kometen als Partygeplauder
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12:00 21.02.2013

Die Videos vom Feuerball, die am Freitag vergangener Woche durch tausende von Frontscheibenkameras gedreht wurden, gingen um die Welt. Inzwischen hat Meteoritenjäger auf der Suche nach ein paar Splittern des auseinander gerissenen Brockens ein Fieber erfasst, das an den Goldrausch erinnert. Dass wenige Stunden später ein viel größerer Asteroid, der beim Einschlag ganze Städte ausradiert hätte, die Erde nur knapp verfehlte, setzte der unheimlichen Begegnung noch die Krone auf.

„Wir haben gesehen, dass wir nicht isoliert sind“, sagt der Astronom Florian Freistetter. Plötzlich seien Themen, für die sich gestern noch kaum einer interessierte, „in aller Munde“. Der zuvor als Wissenschaftler in Jena und Heidelberg tätige Autor hat sich ebenfalls vagabundierenden Himmelskörpern gewidmet. Eines davon landete quasi als Thema eines Smalltalk in einem Drink. „Der Komet im Cocktailglas“ heißt sein kürzlich erschienenes Buch. Auf 224 Seiten beschreibt er, wie in weiter Ferne geglaubte Objekte unseren Alltag bestimmen.

„In den Auslagen habe ich immer nur Bücher über den Urknall und die unendlichen Weiten des Alls gesehen“, sagt der geborene Österreicher. Dem habe er etwas in greifbarer Nähe gegenüberstellen wollen. Um die Astronomie von ihrem Elfenbeinturm zurück auf die Erde zu holen, müsse er nur auf die Straße gehen, meint der 35-jährige. Schon der Wind, der im Haar spielt, könne auf kosmische Ursachen wie die Erddrehung zurückgeführt werden. Freistetter: „Das Weltall ist nicht irgendwo draußen, sondern überall und wir sind mittendrin.“

Doch was hat nun der Komet im Cocktailglas verloren? In solchen Mixgetränken schwimmen oft Eiswürfel. Wasser in gefrorenem Zustand indes, so glauben Forscher, ist mit Kometen und Asteroiden vor vier Milliarden Jahren zur Erde gekommen. Damals war der junge Planet einem dauernden Bombardement durch solche Geschosse ausgesetzt. Nur geringe Teile des heutigen Wassers hat die Erde bei Vulkanausbrüchen und anderen Eruptionen quasi aus den Elementen ihres Inneren ausgeschwitzt. Dies als Thema eines amüsanten Geplauders auf einer Party beim Cocktail dürfte die meisten der sonst eher belanglosen Smalltalks locker toppen.

Freistetter weiß selbst die Dinosaurier auf die Erde zurückzuholen. Fiele der Blick von einem 65 Millionen Lichtjahre entfernten Planeten jetzt gerade auf die Erde, würde sich dem Betrachter nicht der tägliche Autostau oder das Gewusel von Flugzeugen am Himmel bieten. Er würde Beute reißende Tyrannosaurier oder Grünes mampfende Brontosaurier erblicken. Die Erklärung ist einfach: Das Licht hat 65 Millionen Jahre gebraucht, um die Distanz zurückzulegen. Dem Außerirdischen wäre die Welt vor dem Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren wiedererstanden, der die Urzeitwesen auslöschte.

Der Autor spricht sogar einen Toast auf den Treibhauseffekt aus, der sonst eher keinen guten Ruf hat. Ohne die isolierende Schicht aus Wasserdampf, Methan und CO2 hätte sich auf der Erde niemals Leben entwickeln können und der Planet würde immer noch kalt durchs All wandern.

Die im Cocktailglas zusammengefasste Reihe ließe sich fortsetzen. Aber Freistetter ist nicht der einzige in der Forscherzunft, der versucht Wissenschaft begreifbar zu machen. Einer, der Zuschauerquoten für Forschung im Fernsehen schafft, wie sonst nur Talkshows sie erreichen, ist der Münchner Astrophysiker Harald Lesch. Mit dem von ihm geleiteten ZDF-Magazin „Abenteuer Forschung“ vermag der Gastwirtssohn immerhin zehn Prozent der Zuschauer vor die Glotze zu locken. Für die Fähigkeit des 52-Jährigen auch komplexe wissenschaftliche Sachverhalte dem Publikum verständlich näher zu bringen, ist Lesch vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet worden. Früher, als Student in Bonn, sei er öfter abends in der Kneipe angesprochen worden, vermeintliche Rätsel der Physik aufzulösen, erinnert sich der Hochschulprofessor an seine ersten Versuche als „erklärender Geschichtenerzähler“. Meist habe er eben versucht, astronomische Sachverhalte „auf einem Bierdeckel darzustellen“, sagt der Hobby-Schauspieler.

In der Mark regen sich Gelehrte ebenso, ihr Wissen mit nicht Eingeweihten zu teilen. Ein Beispiel für die viel beschworene Teilhabe an der Wissensgesellschaft sind die Wissenschaftsbotschafter. Sie werben seit 2005 bei allen sich bietenden Gelegenheiten für den Standort werbenden. „Begeisterung für die Forschung zu wecken“, verstehen die etwas anderen Diplomaten als eine ihrer Aufgaben neben der Wirtschaftsförderung, sagt einer ihrer Pioniere, der Chef des Potsdamer Geoforschungszentrums Reinhard Hüttle (siehe Interview). Elf Repräsentanten der umfangreichen brandenburgischen Wissenschaftslandschaft sind es inzwischen, die nicht nur in Sachen Standortmarketing ehrenamtlich neben ihrem eigentlichen Job national und international unterwegs sind.

Florian Freistetter: Der Komet im Cocktailglas. Wie Astronomie unseren Alltag bestimmt. Hanser, 224 Seiten, 16,90 Euro. (Von Gerald Dietz)

Die Kunsthistorikerin Magdalena Droste war von 1980 bis 1997 am Bauhaus-Archiv in Berlin tätig, von 1991 an sogar als stellvertretende Direktorin. Aus Drostes Feder stammen zum Beispiel der Überblicksband „Bauhaus 1919- 1933“ (1999) oder das mit Anja Baumhoff herausgegebene Buch „Mythos Bauhaus“ (2009).

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