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00:17 01.08.2017
„Lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt“, lautete ein DDR-Witz. Hier sein Ölgemälde „Die Rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg” (280 mal 300 Zentimeter), das im Berliner Palast der Republik hing. Quelle: foto: akg-images
Potsdam

Der Palast der Republik wurde nach heftigem Streit mit viel Getöse abgerissen, das Palais Barberini mit Feuereifer wieder aufgebaut. Beide Repräsentationsbauten stehen für konkrete Machtverhältnisse, für Epochen mit Ewigkeits- und Absolutheitsanspruch. So mag es verwundern, dass sich das neue, privat finanzierte, bürgerliche Haus in Potsdam drei Monate mit den offiziösen Bildern einer überwundenen Diktatur des Proletariats schmückt.

Das Museum Barberini gab am 28. Juli in Potsdam bekannt, dass es vom 28. Oktober bis zum 4. Februar jene 16 Monumentalwerke ausstellt, die im Auftrag der SED-Führung 1976 für das Hauptfoyer von „Erichs Lampenladen“ gemalt wurden. So nannten die Berliner das braun verglaste Bauwerk gegenüber dem Dom, wo heute eine Hohenzollernschloss-Replik entsteht. Maler wie Willi Sitte, Werner Tübke, Walter Womacka, Bernhard Heisig oder Hans Vent ließen sich nicht lumpen und malten damals zum Thema „Dürfen Kommunisten träumen?“ großformatige Politschinken. Das Barberini nennt diesen von Ideologie nur so triefenden Bilderreigen ein „Zeitzeugnis aus dem Zenit der Staatskunst der DDR, die das offizielle Verständnis von Kunst nach der 1971 ausgerufenen Leitlinie der ,Weite und Offenheit‘ widerspiegelt“. Dass diese Pressemitteilung von Menschen verfasst wurde, die die Dokumente des VIII. Parteitags der SED nicht studieren musste, denen die DDR also nicht in den Knochen steckt, verrät ein kleiner Fehler. Es hieß „Weite und Vielfalt“, nicht „Weite und Offenheit“. Die 1971 in Aussicht gestellte kulturpolitische Lockerung währte nicht lange. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 war wieder Enge und Einfalt angesagt. Biermann war es auch, der verächtlich vom „Palazzo di Protzo“ oder sächselnd vom „Ballast der Rebublig“ sprach.

Die Bilder aus dem DDR-Palast

Das Thema „Dürfen Kommunisten träumen?“ und die Einladung der Künstler geht auf den Bildhauer Fritz Cremer zurück, der als künstlerischer Leiter fungierte.

Die 16 Künstler stellten unterschiedliche Motive dar. Außer bei Walter Womacka blieben die Bezüge zum Thema eher lose. Die Künstler malten in ihrem jeweiligen eigenen Stil, blieben jedoch durchweg im Figürlichen und damit in der Tradition der realistischen Malerei in der DDR.

Die Bilder, die netto eine Fläche von 200 Quadratmeter ergeben, werden nach ihrer Restaurierung nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder zu sehen sein. Für einen Aufreger weit über Potsdam hinaus ist also gesorgt. Wie werden die Tafelmalereien aus historischer Distanz wirken? Was vermitteln sie für ein DDR-Bild? Können Nachgeborene oder auch Westler mit der propagandistischen Bildsprache etwas anfangen?

Die Hauptfrage aber wird sein: Wie wird die Kuratorin Valerie Hortolani die offiziösen Gemälde in ihre geplante Schau einordnen? Sind die Werke des sozialistischen Realismus nicht so raumgreifend, dass Künstler ohne SED-Sympathie fürchten müssen, noch einmal marginalisiert zu werden?

Bisher war nur bekannt, dass eine Ausstellung mit dem Titel „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ geplant ist. Umfang: etwa 90 Bilder. Von „Staatskunst“ war nicht die Rede. Bei einem Symposium am 24. April meldeten sich Skeptiker unterschiedlicher Couleur zu Wort, unter ihnen die Potsdamer Sammler Andreas Hünicke und Heinz Schönemann und der Karikaturist Harald Kretzschmar. Museumsdirektorin Ortrud Westheider suchte das Gespräch mit allen, um Anregungen aufzunehmen. Es ist aber völlig offen, ob das Barberini überhaupt beabsichtigt, neben den üblichen Verdächtigen, die sich einst unter DDR-Bedingungen durchgesetzt haben, auch Künstler zu entdecken, die es aus politischen oder ästhetischen Gründen schwer hatten.

 Unter westdeutschen Sammlern galt die Tafelmalerei, wie sie an den lange modernefeindlichen DDR-Kunsthochschulen gelehrt wurde, als ein Faszinosum. Der Aachener Schokoladen-Fabrikant Peter Ludwig bereiste in den 1980er Jahren die Ateliers vieler gelittener DDR-Künstler, um sich gegen Devisen eine Sammlung aufzubauen. Auch Barberini-Stifter Hasso Plattner entdeckte für sich den Wert der figürlichen Malerei, die im Westen verpönt war. Der SAP-Gründer investierte vor allem in Gemälde der Leipziger Schule, etwa in Wolfgang Mattheuer und Arno Rink, in Sitte, Heisig und Tübke. Die Eigentümer dieser Bilder verfolgen heute natürlich auch das Interesse, dass der Marktwert der sozialistisch-realistischen Schule hoch bleibt. Plattner begründet seinen Sammlungsschwerpunkt aber auch damit, ein Zeichen gegen die Siegermentalität des Westens setzen zu wollen.

Einem Barberini-Besucher kann das alles auch herzlich egal sein. Er kann sich darauf freuen, so viele Bilder aus den DDR-Jahrzehnten zu sehen. Und natürlich sind auch die Propagandaschinken eines untergegangenen Staates interessant.

Von Karim Saab

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