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Komponist Helmut Oehring wird ausgezeichnet

Kunst-Förderpreis Komponist Helmut Oehring wird ausgezeichnet

Die 13. Brandenburgischen Kunst-Förderpreise sind Dienstag im Potsdamer T-Werk vergeben worden. In der Kategorie Musik/Komposition wurde der Helmut Oehring ausgezeichnet, der im Moment die Konzeption für das Musiktheaterstück „Orfeo 16/17“ erarbeitet. Neue und Alte Musik treffen hier zusammen, er setzt auf Solisten mit Asyl-Hintergrund.

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Helmut Oehring

Quelle: Jens Oellermann

Potsdam. Helmut Oehring, 54 Jahre alt, hat am Dienstag den Brandenburgischen Kunstförderpreis in der Kategorie Komposition/Musik erhalten. Das ist eine gute Nachricht, denn Oehring ist ein freundlicher Mensch mit enormer Begabung – wenn man seine Biografie hinzuzieht, wird die Geschichte gar ergreifend.

Oehring ist Komponist Neuer Musik, die sich nicht jedem erschließt, da sie ungewohnt für Ohren klingt, die nur den Mainstream kennen. Einleuchtend scheinen Oehrings neue Wege freilich, wenn man seinen Lebenslauf betrachtet, der erst spät mit Klängen in Berührung kam. Denn Oehring ist Kind taubstummer Eltern, er kam in Ost-Berlin zur Welt. Auch sein älterer Halbbruder ist gehörlos. Weil Helmut Oehring mit vier Jahren immer noch kein Wort sprach, kam er auf Anweisung des Jugendamtes tagsüber in eine Familie mit acht Kindern. Als eine Art „Urknall“ bezeichnet er diese Erfahrung. Er konnte sprechen, alles in seinem Leben drehte sich fortan um Kommunikation. Seinen Eltern wurde das Kind auf diese Weise fremd. Vorübergehend. Als Schutzraum hat sich Helmut Oehring die Musik gesucht.

Erst beim Autobahnbau, dann Friedhofsgärtner

Er ging zum Autobahn-Baukombinat, die Truppe war zu laut für den stillen jungen Mann. Er übte Gitarre, bis die Finger bluteten. Die Stasi warf ein Auge auf ihn, weil er den Wehrdienst verweigerte und sich in der Friedensbewegung engagierte.

Oehring wurde Friedhofsgärtner, pflegte aber nicht die Gräber, sondern spielte heimlich auf der Kirchenorgel. Er ist drogenabhängig geworden. Doch der unbedingte Wille, Musik zu schreiben, holte ihn zurück ins Leben. Sein Talent fiel auf, er wurde Meisterschüler an der Berliner Musikakademie.

Die weiteren Preisträger

Den Brandenburgischen Kunst-Förderpreis für Literatur/Übersetzung/Dramatik erhält Theo Reffert (Panketal, Barnim – ausgezeichnet mit einem vier Monate währenden Arbeitsstipendium: je Monat 830 Euro Preisgeld).


In der Kategorie Bildende Kunst sind Frank Diersch (Woltersdorf, Landkreis Oder-Spree), Fred Hüning (Kleinmachnow, Potsdam-Mittelmark) und Lisa Seebach (Potsdam) geehrt worden.


Der Preis für Darstellende Kunst ging an Andreas Erfurth (Potsdam – wie die Preise für Bildende Kunst und Musik/Komposition ist er einmalig mit 2200 Euro dotiert).

Konkret erhält Oehring, der in Waldsieversdorf lebt (Landkreis Märkisch-Oderland), den Förderpreis für seine Konzeption von „Orfeo 16/17 Potsdam“. Dieses Musiktheater auf Basis von Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ und Joseph Konrads „Heart Of Darkness“ (von Francis Ford Coppola als „Apocalypse Now“ verfilmt) plant er gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam. Vor allem auch mit internationalen/syrischen Solisten mit Exil-/Asyl-Hintergrund.

Es gibt zwei Ensemble-Gruppen, die eine orientiert sich an Neuer Musik, komponiert von Oehring selbst. Die andere hält sich an Alte Musik von Monteverdi, original in Bearbeitung von Helmut Oehring. Neu und Alt werden hart aneinandergeschnitten, ein Aufprall wird inszeniert, Grenzen zwischen den Jahrhunderten werden unkenntlich.

Von Lars Grote

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