Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Konfliktstück mit grandiosen Hauptdarstellern

„Geächtet“ von Ayad Akhtar am Hans-Otto-Theater in Potsdam Konfliktstück mit grandiosen Hauptdarstellern

Das Potsdamer Hans-Otto-Theater ist am Freitagabend mit dem Stück „Geächtet“ in die neue Saison gestartet. Darin geht es um die Konflikte der zweiten und dritten Einwanderergeneration. Unser Kritiker hat ein Stück mit puristischen Dialogen, einer Fernsehspieldramaturgie, zwei grandiosen Hauptdarstellern und einer eklatanten Fehlbesetzung gesehen.

Voriger Artikel
ARD und ZDF – es geht auch billiger
Nächster Artikel
Wenn Stille sich zum Soundorkan steigert

Melanie Straub (Emily) und Jon-Kaare Koppe (Amir).

Quelle: HL Böhme

Potsdam. Deutsche mit exotischen Namen und dunklerer Hautfarbe geben Rätsel auf. Wer sie direkt auf ihre „Heimat“ oder ihre „Herkunft“ anspricht, begeht schnell einen Fauxpas. Denn in der Nachfrage könnte ein Unterton mitschwingen: Offenheit oder Misstrauen, Zuneigung oder Angst, Vorurteilslosigkeit oder völkisches Denken.

Stück thematisiert Konflikt zwischen der zweiten und der dritten Einwanderergeneration

Das Theaterstück „Geächtet“ für fünf Schauspieler handelt im vornehmen New York, dort also, wo der melting pot von den Einwohnern angeblich als Bereicherung und als Selbstverständlichkeit erlebt wird. Der Autor Ayad Akhtar wurde 1970 als Sohn pakistanischer Einwanderer in New York geboren und schwor dem Glauben seiner Väter ab – so wie seine Hauptfigur Amir, der als Rechtsanwalt in einer angesehenen Kanzlei der Stadt arbeitet. Die nicht ganz so lustige Boulevardkomödie, die Anfang des Jahres bereits in Berlin im privaten Theater am Kurfürstendamm aufgeführt wurde, thematisiert außerdem den aktuellen Konflikt zwischen der zweiten und der dritten Einwanderergeneration. Amirs Neffe Abe radikalisiert sich nämlich während der 75 Bühnenminuten und wird orthodoxer Moslem.

Nächste Aufführungen und Tickets

Die nächsten Aufführungen:

– 3. Oktober, 18 Uhr

– 12. Oktober, 19.30 Uhr

– 16. Oktober, 17 Uhr

Neues Theater, Schiffbauergasse, Potsdam. Karten unter 0331/9811900.

Puristische Dialoge und Fernsehspiel-Dramaturgie

Beate Faßnacht steckt in Potsdam geschickt einen stimmungsvollen Raum ab. Drei weiße Wände mit Türaussparungen suggerieren eine schicke, teure Eigentumswohnung. Um die Dinnerparty zweier Ehepaare zu illuminieren, reichen einige weiße Kerzen. Gastregisseur Elias Perrig mag es ebenfalls reduziert. Wenn das Handy oder die Türglocke klingelt, wird kein Geräusch aus dem Off eingespielt. Da die Frauen barfuß und die Männer auf schwarzen Socken spielen, unterminieren nicht einmal Schritte das Gesprochene. Puristische Dialoge und Fernsehspiel-Dramaturgie sollen den Zuschauer in den Bann schlagen. Da die akustischen Verhältnisse im großen Saal immer noch problematisch sind und auch, weil sehr schnell gesprochen wird, muss der Zuschauer vor allem seine Ohren ausfahren. Wenn etwas fehlt in dieser Aufführung, dann sind es Pausen, ein Innehalten, Ruhepunkte.

Mit einem Schauspieler aus dem Ensemble wird in Zukunft zu rechnen sein

Einige beherzte musikalische Vignetten setzt allerdings Moritz von Treuenfels, der manchmal neben dem weißen Appartement im schwarz ausgeschlagenen Bühnenraum (später unter Sternenhimmel) auf einem schwarzen Flügel dynamische oder elegische Akkorde hämmert. So anerkennenswert diese Zutat ist, so wenig maßgeschneidert bleibt sie. Warum lässt von Treuenfels nicht einmal eine morgenländische Harmonie anklingen? Als Neffe Abe zeigt der Ensemble-Neuling aber, dass mit ihm zu rechnen ist.

Philipp Mauritz als jüdischstämmiger Galerist braucht an diesem Abend länger, um nicht wie aufgezogen und abwesend zu wirken. Als eklatante Fehlbesetzung erweist sich aber Larissa Aimée Breidbach, die als Frau Jory und afroamerikanische Anwältin spricht und gestikuliert, als würde sie amerikanisches Stegreif-Theater fürs Fernsehen synchronisieren. Fehlten nur noch eingespielte Lacher.

Zwei grandiose Hauptdarsteller stechen aus dieser Aufführung hervor. Melanie Straub spielt einmal nicht nur ihre elfenhafte Seite aus, sie verleiht der Künstlerin und Ehefrau Emily auch trotzige und handfeste Konturen. Und Jon-Kaare Koppe als Immigrantensohn Amir untermauert seine Sätze in der Bühnenkonversation mit so viel Elan, dass er am Ende trotz seiner Entgleisungen Sympathieträger bleibt.

Von Karim Saab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?