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Kultur Konfliktstück mit grandiosen Hauptdarstellern
Nachrichten Kultur Konfliktstück mit grandiosen Hauptdarstellern
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15:49 24.09.2016
Melanie Straub (Emily) und Jon-Kaare Koppe (Amir). Quelle: HL Böhme
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Potsdam

Deutsche mit exotischen Namen und dunklerer Hautfarbe geben Rätsel auf. Wer sie direkt auf ihre „Heimat“ oder ihre „Herkunft“ anspricht, begeht schnell einen Fauxpas. Denn in der Nachfrage könnte ein Unterton mitschwingen: Offenheit oder Misstrauen, Zuneigung oder Angst, Vorurteilslosigkeit oder völkisches Denken.

Stück thematisiert Konflikt zwischen der zweiten und der dritten Einwanderergeneration

Das Theaterstück „Geächtet“ für fünf Schauspieler handelt im vornehmen New York, dort also, wo der melting pot von den Einwohnern angeblich als Bereicherung und als Selbstverständlichkeit erlebt wird. Der Autor Ayad Akhtar wurde 1970 als Sohn pakistanischer Einwanderer in New York geboren und schwor dem Glauben seiner Väter ab – so wie seine Hauptfigur Amir, der als Rechtsanwalt in einer angesehenen Kanzlei der Stadt arbeitet. Die nicht ganz so lustige Boulevardkomödie, die Anfang des Jahres bereits in Berlin im privaten Theater am Kurfürstendamm aufgeführt wurde, thematisiert außerdem den aktuellen Konflikt zwischen der zweiten und der dritten Einwanderergeneration. Amirs Neffe Abe radikalisiert sich nämlich während der 75 Bühnenminuten und wird orthodoxer Moslem.

Nächste Aufführungen und Tickets

Die nächsten Aufführungen:

– 3. Oktober, 18 Uhr

– 12. Oktober, 19.30 Uhr

– 16. Oktober, 17 Uhr

Neues Theater, Schiffbauergasse, Potsdam. Karten unter 0331/9811900.

Puristische Dialoge und Fernsehspiel-Dramaturgie

Beate Faßnacht steckt in Potsdam geschickt einen stimmungsvollen Raum ab. Drei weiße Wände mit Türaussparungen suggerieren eine schicke, teure Eigentumswohnung. Um die Dinnerparty zweier Ehepaare zu illuminieren, reichen einige weiße Kerzen. Gastregisseur Elias Perrig mag es ebenfalls reduziert. Wenn das Handy oder die Türglocke klingelt, wird kein Geräusch aus dem Off eingespielt. Da die Frauen barfuß und die Männer auf schwarzen Socken spielen, unterminieren nicht einmal Schritte das Gesprochene. Puristische Dialoge und Fernsehspiel-Dramaturgie sollen den Zuschauer in den Bann schlagen. Da die akustischen Verhältnisse im großen Saal immer noch problematisch sind und auch, weil sehr schnell gesprochen wird, muss der Zuschauer vor allem seine Ohren ausfahren. Wenn etwas fehlt in dieser Aufführung, dann sind es Pausen, ein Innehalten, Ruhepunkte.

Mit einem Schauspieler aus dem Ensemble wird in Zukunft zu rechnen sein

Einige beherzte musikalische Vignetten setzt allerdings Moritz von Treuenfels, der manchmal neben dem weißen Appartement im schwarz ausgeschlagenen Bühnenraum (später unter Sternenhimmel) auf einem schwarzen Flügel dynamische oder elegische Akkorde hämmert. So anerkennenswert diese Zutat ist, so wenig maßgeschneidert bleibt sie. Warum lässt von Treuenfels nicht einmal eine morgenländische Harmonie anklingen? Als Neffe Abe zeigt der Ensemble-Neuling aber, dass mit ihm zu rechnen ist.

Philipp Mauritz als jüdischstämmiger Galerist braucht an diesem Abend länger, um nicht wie aufgezogen und abwesend zu wirken. Als eklatante Fehlbesetzung erweist sich aber Larissa Aimée Breidbach, die als Frau Jory und afroamerikanische Anwältin spricht und gestikuliert, als würde sie amerikanisches Stegreif-Theater fürs Fernsehen synchronisieren. Fehlten nur noch eingespielte Lacher.

Zwei grandiose Hauptdarsteller stechen aus dieser Aufführung hervor. Melanie Straub spielt einmal nicht nur ihre elfenhafte Seite aus, sie verleiht der Künstlerin und Ehefrau Emily auch trotzige und handfeste Konturen. Und Jon-Kaare Koppe als Immigrantensohn Amir untermauert seine Sätze in der Bühnenkonversation mit so viel Elan, dass er am Ende trotz seiner Entgleisungen Sympathieträger bleibt.

Von Karim Saab

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