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Kultur Konstantin Wecker mit neuem Album
Nachrichten Kultur Konstantin Wecker mit neuem Album
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00:34 21.06.2015
Konstantin Wecker Quelle: Thomas Karsten
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Potsdam

Konstantin Wecker ist ein Mahner, und Mahner können nerven. Weil sie ruhelos gegen die Wunden eines Alltags wettern, in dem sie sich ganz komfortabel eingerichtet haben. Mitunter setzen sie auf Mittel, die intellektuell nicht redlich sind – sie treten auf als Künstler, doch schmücken sich mit der Potenz eines Politikers. Sie bleiben plakativ, weil das der Poesie geschuldet ist, doch scheuen das Detail, das man halt braucht für eine seriöse Diskussion. Mahner haben eine Meinung zu der Flüchtlingskatastrophe auf dem Mittelmeer, und das ist gut, weil die Debatte nicht allein von Sachzwängen geleitet werden kann. Doch Wecker singt auf seinem neuen Album von Klischees, die er im Sound facettenreich garniert. Wenn er sagt, er möchte mit den Flüchtlingen sein Brot brechen, man solle voneinander lernen, die Waffen im Meer versenken und den Reichen eine lange Nase drehen, dann klingt das schwer nach Pippi Langstrumpf: Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Pippi Langstrumpf ist keine schlechte Referenz für einen Barden. Ein Barde ist Konstantin Wecker, der 68 Jahre alte Münchner, allemal. Er singt mit künstlich hoher Stimme, er rollt sein R mit fast barockem Gestus. Wenn man von ihm in diesen Tagen Interviews liest, sagt er darin mit Bekennerstolz: Natürlich sei er hochgradig naiv, denn einer müsse das ja sein in diesen hartleibigen Zeiten. Selbstverständlich sei er immer noch ein alter 68er. Er spricht in seinen Liedern manchmal im Erzählerton, und wirklich klingt das wie ein Märchenonkel, der eine herrlich lebenssatte Stimme hat und weiß, mit welchen Melodien man das Publikum auf seine Seite holt. Auch das neue Album „Ohne Warum“, mehr als 40 hat er mittlerweile aufgenommen, ist voller fein gesponnener Harmonien, die ohne große Mühe einen Lagerfeuergeist beschwören. Doch immer wieder diese Nostalgie: „Weißt du noch, als wir gegen den Vietnamkrieg demonstrierten?“ Das ist eine Form von Rückwärtsgang, die man wahrscheinlich nur mit großem Ego noch als große Kunst verkaufen kann.

Wie schön ist es natürlich andererseits, dass es die Liedermacher überhaupt noch gibt. Wer zählt zu diesem ausgesuchten Kreis? Rainald Grebe, ein scheuer Dichter, der die Leute liebt, doch ihnen meist als Zyniker entgegentritt, weil er gelernt hat, dass die Fans den bösen Ton mehr schätzen als den weichen. Dann Hannes Wader, Künstler ohne Pathos und Koketterie, so bodenständig wie ein Volksschullehrer. Natürlich Reinhard Mey, einer, der sich an sich selbst entzündet und entzückt, doch stets die Kurve kriegt – die Eitelkeit entschärft er wohltuend mit Ironie. Mey verzichtet auf die Weltendeutung.

Diese Weltendeutung liegt bei Wecker schwer im Magen, denn er schmeckt sie nicht mit Witz oder Humor ab, auch nicht mit Zweifel oder Reflexion. Er greift just zu den Mitteln der Politiker, die immerzu behaupten: Ich habe recht. Wenn Wecker aber vom Privaten singt, kann er betörend klingen. Dann wirkt das Klavier wie ein klug gestimmtes Orakel. Auf dem neuen Album singt er von einer Frau, die neben ihrem Mann erfriert und ihn dennoch nach Kräften lieben will. Konstantin Wecker weiß, das wird nichts. In diesem Fall ist er nicht mehr der Mahner oder Besserwisser, sondern ein großer Menschenfreund, der Psychogramme formt, mit denen er am Ende auch sein neues Album rettet vor den Floskeln und den Phrasen. Die radikal persönlichen Balladen von Wecker werden auch die Nachgeborenen rühren.

Konstantin Wecker: Ohne Warum. Sturm & Klang/Alive.

Von Lars Grote

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