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Konstantin Wecker im Nikolaisaal

Interview Konstantin Wecker im Nikolaisaal

Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker ist wieder auf Tournee. Am Donnerstagabend stellt er mit Band sein neues Album „Ohne Warum“ im Potsdamer Nikolaisaal vor. Im Interview spricht er über seine 40-jährige Bühnen-Karriere, die Entstehungsgeschichte der neuen Platte und die Schwierigkeit, politisch brisante Songs zu verfassen.

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Der Liedermacher Konstantin Wecker gastiert wieder in Potsdam.

Quelle: dpa

Potsdam. Für den Liedermacher Konstantin Wecker geht 2016 eine äußerst erfolgreiche Tournee durch zwei weitere Dutzend Städte weiter. Dabei wird er mit seiner Band am Donnerstag, 7. April, in Potsdam im „Nikolaisaal“ aufspielen, um seine aktuelle Platte „Ohne Warum“ vorzustellen. Im Interview mit dem Münchner wollten wir wissen, wie er es in einer über 40-jährigen Karriere schafft, tagesaktuelle und politisch brisante Lieder zu kreieren.

Wie viele der 16 Lieder von der neuen Platte haben Sie sich für den neuen Tourneeabschnitt vorgenommen?

Konstantin Wecker: Wir werden sicher alle Songs von der neuen CD spielen, natürlich wieder mit ein paar älteren mischen.

Wie lange hat es bei Ihnen von den ersten Entwürfen bis zur fertigen Platte gedauert?

Wecker: Ich habe alle neuen Texte - es sind ja nur zwei ältere Lieder drauf in einer neuen Bearbeitung - in vier Tagen in Italien geschrieben. Entweder es geht so oder es geht gar nicht. Es war schon bei den allerersten Schallplatten und Gedichten so, die müssen mir passieren. Da kann ich nichts forcieren, da kann ich mich nicht hinsetzen. Es gibt einen Song, der eine Ausnahme ist, das ist: „Sage nein!“. Den habe ich einmal ganz bewusst als pädagogisches Lied geschrieben, aber alle anderen Lieder, die passieren auch so, dass die mich zum Teil auch überraschen.

Haben Sie schon einmal diese Kreativschübe erforscht, wie das eine das andere ergibt oder sind das nur Wortfetzen, Begriffe, aus die sich dann eine ganze Idee anknüpft?

Wecker: Das ist meistens eine Zeile, ein bestimmter Satz. Der kann auch schon einmal länger in meinem Kopf herumschwirren, ohne dass er jemals zum Gedicht wird. Und dann scheint es, das klingt vielleicht etwas abgehoben, als ob irgendetwas in mir das Gedicht schon vorher fertig formuliert, bevor ich es rauslasse. Und die Musik kommt ja immer nachher bei mir.

Haben Sie in einer bestimmten Phase auch schon die Vorstellung, wohin die Platte thematisch laufen wird? Oder gehen Sie mit einer bestimmten Vorstellung da heran?

Wecker: Nein, ich habe mir darüber eigentlich nie Gedanken gemacht, auch nicht über die musikalische Richtung. Es ist immer zu unterschiedlich, was bei mir so rauskommt. Und es wäre auch völlig falsch zu sagen, ich bräuchte einen bestimmten musikalischen Stil.

Ein Großer wie Wader und Degenhardt

Konstantin Alexander Wecker , geboren am 1. Juni 1947 in München, gilt neben Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt als einer der großen deutschen Liedermacher.

Das einzige Kind von Alexander und Dorothea Wecker wuchs im Stadtteil Lehel auf und erhielt bereits als Sechsjähriger den Klavierunterricht. Später lernte er Geige und Gitarre.

1977 gelang ihm mit dem Album „Genug ist nicht genug“ der Durchbruch. Wecker wurde dafür im selben Jahr mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

Man kann insgesamt den Eindruck haben, die Platte geht mit „Ich habe einen Traum“ los und endet sozusagen bei dem Lied „Revolution“. Aber dazwischen kommen Kapitel wie „Der Krieg“, der Klassiker „Die Gedanken sind frei“ mit neuem Text und „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“. Ist das sozusagen ein Durchgang, den man so hat?


Wecker: Man macht sich natürlich Gedanken um die Zusammenstellung. Ein Konzeptalbum ist fast schon nicht mehr möglich, weil die Titel zum Teil einzeln angehört, runtergeladen werden. Jeder spielt sich da seinen Lieblingstitel, zwei-, dreimal. Aber natürlich haben wir uns da sehr viele Gedanken gemacht. Eigentlich soll die Scheibe bei der „Revolution“ enden. Das ist richtig.

Sind Sie eher Romantiker wie im Song „Novalis“ oder eher der Revolutionär? Oder denken Sie, dass beides letztlich, wie es in „Novalis“ anklingt, in eins zusammenfällt?

Wecker: Ich glaube, das geht zusammen. Bei Novalis war es ja so: Die Frühromantiker wollten revolutionär sein. Bei den Spätromantikern sagt man eher „Biedermeier“, aber die Frühromantik hat durchaus etwas bewegen wollen. Also das waren Schlegel, Novalis, Fichte, und die wollten wirklich etwas verändern. Das war nicht so eine gefühlsduselige Romantik, wie es sich viele Leute heute vorstellen. Und man wollte noch eine spirituelle Weite hineinbringen. Das war „Meister Eckhart“ bei den Frühromantikern.

Haben Sie vor über 40 Jahren daran gedacht, dass Musik ein dominanter Teil Ihres Lebens werden würde?

Wecker: Dass die Musik so ein Teil meines Lebens sein würde, das war mir von Kind auf schon klar, weil ich mit einer Knabenstimme mit meinem Papa Opern gesungen habe. Der war ja Opernsänger. Ich wollte dann Opernkomponist werden, Dirigent werden. Erst mit dem 17., 18. Lebensjahr kamen noch andere Musikstile in mein Leben als die ausschließlich klassische Musik. Und es war klar, das ich irgendetwas mit Musik machen würde.

Sie hatten aber auch sehr früh angefangen zu schreiben – auch Gedichte.

Wecker: Ja, aber ich kam erstaunlicherweise erst ein paar Jahre später drauf, das zu verbinden. Als der Franz-Josef Degenhardt mit den „Schmuddelkindern“ raus kam, da war mit klar, das ich meine eigenen Gedichte vertonen möchte. Ich habe nie damit gerechnet, und es war auch gar nicht so in meinen Träumen verankert, dass das jetzt solche Ausmaße annehmen würde, wie es dann in den Achtziger Jahren passiert ist. Ich habe nur gedacht, ich schreibe Gedichte, die vertone ich, und dann kriege ich die besser unter die Leute, als wenn sie nur gelesen werden.

Sie sind Buchautor, Komponist für Fernsehserien, Schauspieler, Sprecher, machen Musicals, waren Geschäftsführer, sind lange auf Tournee. Wie ist das Zeitmanagement beschaffen, um das alles so durchzustehen?

Wecker: Ich muss immer lachen, wenn ich für irgendwelche Veröffentlichungen meine Biografie wieder durchlesen muss. Da denke ich immer, ich habe wahnsinnig viel in meinem Leben gemacht, aber ich habe auch immer das Gefühl, ich habe sehr viel genossen, weil ich sehr viel Zeit gehabt habe. Konzertabende, das ist für mich ja nicht Arbeit. Arbeit ist, zum Konzert zu kommen (lacht).

Von Andé de Vos

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