Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Kristina Schuldt zeigt Malerei in Frankfurt (Oder)

Ausstellung Kristina Schuldt zeigt Malerei in Frankfurt (Oder)

Ihre Zeichnungen erinnern an die Pop-Art und an Picassos verdrehte Frauen: Kristina Schuldt ist Meisterschülerin bei Neo Rauch gewesen, nun zeigt sie aktuelle Arbeiten im Museum „Junge Kunst“ in Frankfurt (Oder). Ihr Werk ist farbenfroh auf eine Art, die nicht darüber hinwegtäuscht, wie intensiv die Malerin erzählt. Es gibt viel zu entdecken, gerade in ihrer Darstellung von Weiblichkeit.

Voriger Artikel
Sammler aus Leidenschaft: David Bowie und die Kunst
Nächster Artikel
Belgische Königsfamilie beim Ferienausflug

„Sensenfrau“, Öl und Eitempera auf Leinwand, 170x210 cm (2016).

Quelle: Repro MAZ

Frankfurt (Oder). Das sind Farben, aus denen man gut Speiseeis herstellen kann, denn dieser grelle, dominante Ton weckt einen Appetit, der wie ein Schrei nach Zucker wirkt. Hauptsache keine Vitamine.

Ein Fest der Primärfarben wird im Museum „Junge Kunst“ in Frankfurt (Oder) gefeiert, jeder geht hier satt heraus, doch niemand jammert über Magenschmerzen. Denn was Kristina Schuldt, Meisterschülerin von Neo Rauch, auf ihre Leinwand bringt, geht weit hinaus über das hemmungslos Handwerk einer Eisdiele.

Schuldt, 1982 in Moskau geboren, hat in Leipzig studiert, wohnt dort noch heute, und arbeitet mit einem Trick, der immer wieder trägt: Sie lockt als Malerin mit einem Strich, der wie aus einem Kinderbuch entnommen scheint. Das aber täuscht, denn sie manipuliert die Schöpfung, sie schreibt den Atlas der Anatomie mit Schwung, Witz und Kühnheit um. Ihre Figuren leihen sich die Dehnbarkeit von Knetfiguren, ihr Personal passt auch in einen Film wie „Shaun das Schaf“ oder in „Wallace und Gromit“.

Wie ist die Frau verschraubt? Warum kippt sie nicht um?

Die „Pfuscherin“, 2015 mit Öl und Eitempera auf Leinwand im Format 120x100 Zentimeter gemalt, ist eine Frau im pinken Sommerkleid, sie kämmt sich mit sehr auslandender Geste ihre Haare. Oder? Man kann das Bild zerlegen, kann es umdeuten, am Ende zieht man Expertisen eines Ingenieurs hinzu oder eines Chirurgen: Wie ist die Frau verschraubt? Warum kippt sie nicht um? Wo ist der Hals, die Brust, der Kopf? Kristina Schuldt kleidet diese existenziellen Verknotungen und Vexierbilder in kinderfarbene Kostüme. Und plötzlich schmecken die Gemälde nicht mehr nach Speiseeis, sondern nach Metaphysik. Was ihnen gut bekommt.

Schuldt mag es konzentriert und – trotz aller perspektivischen Volten – übersichtlich. Ihre Bilder sind aufgeräumt, nichts strebt heraus aus dem Format, ihr Fokus richtet sich auf eine kleine, schnell erzählte Story, es geht nicht um die episch ausgewalzten Bilderbögen, die man von ihrem Lehrer Neo Rauch vor Augen hat. Rauch ist ein deutscher Malerstar, seine Bilder sind rauschhaft, doch komprimiert und rappelvoll mit Fußnoten, als bündeln sie einen Roman von Tolstoi.

Von Moskau nach Leipzig

Kristina Schuldt wurde 1982 in Moskau geboren. Sie wuchs in Neubrandenburg auf.

An der Hochschule für Grafik- und Buchkunst in Leipzig studierte sie von 2002 bis 2004, bevor sie dort in die Fachklasse von Annette Schröder und Sighard Gille wechselte. In den Jahren 2008/2009 besuchte sie die Fachklasse von Neo Rauch.

Meisterschülerin von Neo Rauch war sie von 2010 bis 2012. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.

„Melting Days“ , die Ausstellung von Kristina Schuldt, ist im Packhof des Museums „Junge Kunst“ in Frankfurt (Oder) zu sehen: C.-Ph.-E.-Bach-Straße 11, Di bis So 11-17 Uhr. Die Ausstellung endet am 2.  Oktober. Informationen unter Tel.  03 35 / 40 15 60.

Die Bilder von Kristina Schuldt sind letztlich Piktogramme, kleine funktionale Motive, die in verknappten Formen illustrieren, dass hier Kinder spielen dürfen, Hunde an der Leine zu führen sind oder kein Eis gegessen werden darf (das ist bei Schuldt natürlich trotzdem erlaubt, wie gesagt, man kriegt bei diesen Farben Appetit).

Armin Hauer, Kurator des Frankfurter Museums „Junge Kunst“, urteilt über die Aura von Schuldts Bildern: „Es gibt keine zusammenhängenden Geschichten mehr. Alles scheint atomisiert und zerbrochen zu sein.“ Er erkennt das Vermächtnis von Picassos „verdrehten Damen“. Das stimmt allemal, auch wenn sich Picasso nicht für die arbeitende Frauenwelt interessierte – er malte Musen, entrückt und gut gekleidet (oder eben völlig unbekleidet), Kristina Schuldt malt eine „Sensenfrau“, gebeugt vom Joch der Arbeit. Gras und Unkraut in der Hand, der Rücken krumm, kein Kopftuch schützt sie vor der Sonne. Das ist kein sozialistischer Realismus, keine Verherrlichung der Arbeiterklasse. Doch wieder scheint nicht klar, wohin die Gliedmaßen streben, woher sie kommen. Damit der Oberkörper noch aufs Bild passt, scheint er verschlankt. Eine Behelfslösung, die auf diesen Bildern immer sehr gewollt und nie willkürlich wirkt.

Es riecht nach frischer Farbe im Museum, viele Bilder sind aktuell gemalt. Die Ausstellung überzeugt auf eine einfache, poetische Weise, die mit der Popkultur flirtet – sich aber nie im Modischen verliert. Es sind Werke, die Bestand haben.

Von Lars Grote

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?