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Kultur Künstler Harry Mohr kritzelte aus Frust
Nachrichten Kultur Künstler Harry Mohr kritzelte aus Frust
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00:29 24.10.2015
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Potsdam

Harry Mohr war ein Allround-Talent. Egal ob durchnässte Stasiakten oder angekratzte Schallplatten – für seine Werke hat er kaum ein Material außer Acht gelassen. Im vergangenen Jahr verstarb der Potsdamer Künstler überraschend im Alter von 64 Jahren. Ihm zu Ehren zeigt der Potsdamer Kunstverein in Zusammenarbeit mit dem Kunstraum Potsdam im Waschhaus eine Werkschau aus Mohrs verschiedenen Schaffensphasen.

Harry Mohr stammte ursprünglich aus Rostock, wo er zunächst als Schiffsbauer tätig war. 1982 kam er seiner Frau, der Künstlerin Irene Dietrich, wegen nach Potsdam. Der Kunsthistoriker Andreas Hüneke vom Kunstverein Potsdam kannte Mohr persönlich und verwandelte seinen Nachlass in die Werkschau, die den Namen „Die innere Kraft der Freude“ trägt. „Dabei ist mir die ungeheure Fülle an Fantasie und technischen Elementen in seinen Werken aufgefallen“, sagt Hüneke.

Positive Energie trifft Gesellschaftskritik

Die Ausstellung beginnt mit den frühen Werken des DDR-Künstlers, die er mithilfe verschiedener Drucktechniken wie Linolschnitt oder Radierung gefertigt hat. Der Autodidakt begann während seiner Armeezeit mit „Kritzeleien“, wie er sie nannte. Sie halfen ihm über die schwierigen Umstände, wie der Enge und den Befehlsstrukturen beim Militärdienst hinwegzukommen. Innerhalb kürzester Zeit eignete er sich ausgefeilte und ausgefallene Drucktechniken an. Er nutzte zum Beispiel beschädigte Schallplatten und brachte diese farbig und gemustert auf Papier. Daraus entstand die neunteilige Serie „Wiedererwachte Melodie“ (1989/1996).

In vielen seiner Werke bezieht er sich auf andere zeitgenössische Künstler, Literaten oder Musiker. So huldigte er etwa den Schriftsteller Michail Bulgagov oder die Band „Doppelmoppel“. Seine Bilder sprühen vor positiven Emotionen, aber Harry Mohr zeigte sich auch gesellschaftskritisch. Nach der Wende stellte er aus aufgeweichten Stasiakten Papier her und nutzte es als Bildträger. Diese Wendebilder tragen Titel wie „Schwamm drüber“ oder „Welch Bruder ging uns da verloren“.

Nach Drucken folgen Gemälde

Bis Anfang der 90er-Jahre entwickelte er seine Drucktechniken weiter und begann dann mit Ölfarben auf Leinwand zu malen. Diese Bilder sind abstrakt und voller Farbkraft. Konturen geben den dargestellten Figuren und Gegenständen in zerfließenden Farben mehr Form. 2001 malte er eine Serie namens „Im Blutregen der Unschuld. Der Hass und die Gleichgültigkeit lachen“, die thematisch die Probleme der fünf Kontinente aufgreift. Jedem Erdteil hat er ein eigenes Gemälde gewidmet.

Zahlreiche Plastiken, die Mohr aus Fundgegenständen wie Tellern und Lampen gefertigt hat, bilden den Abschluss der Gedenkausstellung. Hinterlassen hat Harry Mohr etwa 200 Werke sowie etliche Künstlerbücher. Durch sie, sagt Andreas Hüneke, lebt Mohr in seiner Kunst weiter.

Info: Die Vernissage findet am Donnerstag um 19 Uhr im Kunstraum Potsdam, Schiffbauergasse 4D, statt. Die Ausstellung läuft bis zum 22. November und ist mittwochs bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Luise Fröhlich

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