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Künstler diskutieren über politische Moral in der DDR

Hinter der Maske Künstler diskutieren über politische Moral in der DDR

Die aktuelle Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ im Potsdamer Museum Barberini wirft auch Fragen der politischen Moral auf. Hartwig Ebersbach, Else Gabriel, und Hans-Hendrik Grimmling diskutierten über ihre Selbstbehauptung in der DDR.

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Hartwig Ebersbach, Else Gabriel, Stefan Koldenhoff (Moderator) und Hans-Hendrik Grimmling im Museum Barberini.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Im gut besuchten Vortragssaal des Museums Barberini ging es am Montagabend weniger um Bilder als um die Haltungen hinter den Bildern. Wie haben sich Hartwig Ebersbach (77), Else Gabriel (55) und Hans-Hendrik Grimmling (70) in der DDR als Künstler behauptet? Alle drei sind in der aktuellen Ausstellung „Hinter der Maske“ vertreten, wobei keiner von ihnen die Kategorien des Sozialistischen Realismus irgendwie bedient hat.

27 Jahre nach dem Ende des SED-Staates müssen sie dennoch damit leben, dass sie als Künstler mit DDR-Prägung wahrgenommen werden. Dabei kehrte Grimmling dem Staat schon 1986 den Rücken, er reiste desillusioniert in den Westen aus. Damals bereitete die Galerie Brusberg gerade eine Ausstellung über die Leipziger Schule vor, für die Absolvent Grimmling eingeplant war. Doch der Westberliner Galerist wollte nun plötzlich nichts mehr von ihm wissen, da nur Bilder von „echten DDR-Künstlern“ gefragt waren. Darauf bestanden auch Brusbergs Geschäftspartner, der Staatliche Kunsthandel der DDR und der Stasi-gelenkte Bereich Kommerzielle Koordinierung.

Anders Hartwig Ebersbach, der in der DDR persönlich über ungewohnte Rechte verfügte. „Ich habe mich am Ende nicht mehr beklagt, ich war frei“, sagte er in Potsdam. Ebersbach konnte reisen und offiziell ein Devisenkonto unterhalten. Potente Sammler im Westen kauften seine Bilder im großen Stile. Ebersbach nannte im Gespräch, das der Kunstmarkt-Experte des Deutschlandfunks, Stefan Koldehoff, diskret moderierte, die unglaubliche Zahl von 115 Bildern, die allein der Aachener Schokoladenfabrikant Peter Ludwig von ihm erworben habe. Als Zögling von Bernhard Heisig, dem Maler und SED-Funktionär, leitete Ebersbach von 1979 bis 1983 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst eine Malklasse, die ästhetisch experimentieren durfte. Vielleicht hoffte der Staat, so die Weichen für weitere, devisenträchtige Exportschlager stellen zu können.

Ebersbach betonte mehrfach: „Mich hat immer meine Renitenz angetrieben.“ Auf Nachfrage räumte er zwar ein, dass er auch Bildvorlagen für die propagandistische Osttribüne des Turn- und Sportfestes in Leipzig geliefert habe, doch gerade in dieser Phase fühlte sich der spätexpressionistische Maler von der Stasi beschattet.

Grimmling dagegen nahm für sich keinesfalls in Anspruch, ein Widerständiger gewesen zu sein. Dabei war er 1984 Mitorganisator des legendären „1. Leipziger Herbstsalons“, der als Husarenstreich in die DDR-Kunstgeschichte einging. Rückblickend meint er: „Leider waren wir unpolitisch.“ Er bedauere, damals nicht die Verbindung zur Kirche oder zur Opposition gesucht zu haben. Grimmlings Fazit: „Auch wer gegen den Strom schwimmt, schwimmt im Strom“.

Else Gabriel, die Mitte der 1980er Jahre mit der Gruppe „Auto-Perforations-Artisten“ durch ungewöhnliche Aktionen in Erscheinung trat, verband mit der DDR eigentlich keinen „politischen Ort“, sondern eher ein „Katz-Maus-Spiel“. „Der Staat war gewiss kein harmloses Sandmännchengebiet“, betonte sie, „aber ich hatte das Glück, relativ spät an der Dresdener Kunsthochschule in der Abteilung Bühnenbild eine kuriose, unbeachtete Nische zu finden.“

Grundsätzliche Einwände gegen die Ausstellung „Hinter der Maske“ wollte keiner der Künstler formulieren. Grimmling kritisierte den Titel: „Ich habe immer so gemalt, wie ich gedacht und geredet habe.“ Seine Vogel-Allegorien, insbesondere das heute berühmte Triptychon „Die Umerziehung der Vögel“, verstand er „als Kritik an Reiseunfreiheit, Hochschule, Armee und Ausstellungsverboten“. Ebersbach stellte immer wieder eine Kasper-Figur dar – „mein Alter Ego, eine Schutzfigur, ein Rollenspiel“. Und Else Gabriel fügte sich demonstrativ Selbstverletzungen zu, um ihr Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Man kann hoffen, dass die Podiumsdiskussion am kommenden Montag, 19 Uhr, mit den Vermittlern von DDR-Kunst, Matthias Flüge, Gerd Harry Lybke und Jutta Penndorf ähnlich lebhaft verläuft.

Von Karim Saab

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