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Künstler liefern spektakuläre Panorama-Einblicke

Insook Ju und Sukyun Yang aus Korea Künstler liefern spektakuläre Panorama-Einblicke

Zwei koreanische Künstler, die seit vielen Jahren in Deutschland leben, haben sich auf spektakuläre 360 Grad-Panorama-Fotografien spezialisiert. Als Stipendiaten des Landes Brandenburg wollten sie in den letzten vier Monaten die Innenräume der Hohenzollern-Schlösser in Potsdam fotografieren. Doch das war nur sehr eingeschränkt möglich.

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Rundum-Einblick in die Friedenskirche Sanssouci. Um den Altarraum wölben sich die beiden Seitenwände, die in der Realität gerade sind. Am äußersten Rand das Eingangsportal der Kirche.

Potsdam. Der Mensch hat an der Stirnseite nur zwei Augen. Um Räume oder Plätze wahrzunehmen, muss er sich einmal um die eigene Achse drehen. Aber das Bild, dass sich dann aus ungezählten Augenblickseindrücken im Kopf zusammensetzt, bleibt diffus.

Maschinen erfassen deutlich mehr. Sie können durch Oberflächen hindurchschauen und Panoramen herstellen, die der menschliche Sehsinn nicht erfasst. Insook Ju und Sukyun Yang sind Kinder der digitalen Revolution. Die beiden südkoreanischen Künstler, die seit vielen Jahren in Düsseldorf leben, machen sich bei der Erkundung von Räumen und Plätzen den technischen Fortschritt zunutze.

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Das Fotografen-Ehepar Insook Ju und Sukyun Yang.

Quelle: Sukyun Yang Insook Ju

Ihre Panoramafotografie ist so innovativ und faszinierend, dass eine vom Land Brandenburg eingesetzte Expertenjury das Ehepaar für ein viermonatiges Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf ausgewählt hat. Der Hintergedanke: Ju und Yang haben bisher viele sakrale Räume in Westdeutschland, Israel und Asien mit ihrer Bildtechnik so neuartig veranschaulicht, aber die brandenburgische Kulturlandschaft lag bisher außerhalb ihres Horizontes.

Im März kamen sie in den Fläming und baten die Leiterin des Künstlerhauses, sie bei dem Vorhaben zu unterstützen, die Prachtsäle der Hohenzollern-Schlösser zu fotografieren. Anfang Mai schaltete sich dann das Kulturministerium in Potsdam ein, um den Stipendiaten des Landes den Weg zu einer Fotoerlaubnis zu ebnen. Doch die Preußische Stiftung Schlösser und Gärten (SPSG) stellte Bedingungen, die viel Kleingedrucktes enthielten und den Künstlern vor allem zu teuer erschienen. „Wir haben Mühe, von unserer Kunst zu leben. Solche Preise für eine Fotogenehmigung können wir nicht bezahlen“, antworteten sie in einer E-Mail. Dabei ging es nur um eine Fotoerlaubnis und noch nicht einmal um eine mögliche Nutzung der Bilder etwa durch Verlage oder Galerien, die von der SPSG zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

Drei Fragen an ...

Jürgen Becher, Leiter des Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG).

MAZ: Herr Jürgen Becher, die SPSG hat ein kompliziertes Regelwerk geschaffen, um an Fotoaufnahmen für nicht private Zwecke mitzuverdienen. Ist das nicht angesichts des hohen personellen Aufwandes, den Sie betreiben, ein Minusgeschäft?

Jürgen Becher: Wir haben zwei Mitarbeiterinnen, die Fotogenehmigungen erteilen oder Nutzungsrechtsverletzungen nachverfolgen, national und international. Bei der Beantwortung der Frage, ob die Einnahmen die Ausgaben aufwiegen, ist unbedingt zu berücksichtigen, dass die beiden Mitarbeiterinnen vor allem damit befasst sind, Anfragen aus Wissenschaft und Forschung sowie Service-Anfragen zu bearbeiten. 2014 und 2015 konnten wir im Haushalt jeweils mittlere fünfstellige Beträge als Einnahmen ausweisen.

Manchen Fotografen wird von der SPSG ein hohes Nutzungsentgelt in Rechnung gestellt, anderen ein „ermäßigtes pauschales“, anderen Fotografen gar keins. Es scheint zuzugehen wie auf einem Basar. Geht bei Ihnen Gnade vor Recht?

Becher: Natürlich ist das auch ein Markt – und wir müssen durchaus verhandeln. Wir wollen Einnahmen erzielen, das sind wir dem Steuerzahler schuldig. Wir wollen aber nicht, dass uns Kunden verloren gehen oder dass an uns wichtige Projekte scheitern. Unser Credo ist, kulturelle Projekte möglich zu machen. Bücher mit Fotos der Schlösser und Gärten sind zum einen kommerzielle Produkte, zum anderen Kulturgut. Das verlangt Fingerspitzengefühl. Den beiden koreanischen Künstlern haben wir 100 Euro Gebühr pro Schloss erlassen. Aber wenn sie nun ihre Fotos an Verlage, Galerien oder Kunstsammler verkaufen, bestehen wir auf zehn Prozent Gewinnbeteiligung.

Vor allem erzürnt die Fotografen, dass sie die Rechte an ihren Bildern unentgeltlich der Stiftung einräumen müssen und dass die Stiftung auch noch darauf besteht, die Aufnahmen abzusegnen. Wie rechtfertigen Sie diese Bedingung?

Becher: Den Groll kann ich ein Stück weit verstehen. Aber es geht nur um einfache Nutzungsrechte für die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung. Und die haben wir in den vergangenen drei Jahren nur noch eingefordert, wenn wir den Fotografen finanziell entgegengekommen sind. Wir kontrollieren die Bilder, ob darauf zum Beispiel die Park- oder Hausordnung eingehalten wird. Sind Radfahrer zu sehen oder Leute, die auf einer Rasenfläche liegen, wäre das ein Verstoß. Die Innenräume der Schlösser sollen als Museum erfahrbar werden, nicht als Baustelle.

 Jürgen Becher leitet das Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG)

Jürgen Becher leitet das Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG)

Quelle:

„Der Kölner Dom hat uns begeistert unterstützt, wir durften sogar in der Grabeskirche in Jerusalem ohne bürokratische Auflagen fotografieren, so etwas wie in Potsdam haben wir noch nicht erlebt“, sagt Insook Ju . Am Ende stand ein dünner Kompromiss. Die Stiftung verzichtete auf Zusatzgebühren von 100 Euro pro Schloss, schränkte aber die Zahl der Säle, die fotografiert werden dürfen, extrem ein. Der Marmorsaal im Neuen Palais sollte ausdrücklich nicht dazugehören. Er geriet dann aber in den Fokus, als die Künstler ihr Stativ in die Tür zur Großen Kammer stellten. Muss das Künstlerpaar nun fürchten, dass es für diese illegale Aufnahme belangt wird?

„Wenn die Künstler ihre Fotos an Verlage, Galerien oder Kunstsammler verkaufen, bestehen wir auf zehn Prozent Gewinnbeteiligung“, sagt Jürgen Becher, Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums der Stiftung. Seine Mitarbeiter wachen weltweit über die Nutzung von Sanssouci-Fotos, was vielleicht sogar mehr Geld kostet als einbringt.

Die wenigsten 360-Grad-Aufnahmen, die Ju und Yang während der letzten vier Monate anfertigten, zeigen also die ehemaligen Hohenzollern-Besitztümer. Ein Bundespolitiker machte es möglich, dass die beiden insgesamt vier Tage im Reichstagsgebäude fotografieren konnten. Auch die Kirchen in Jüterbog, Wittenberg und die kleine Schlosskapelle in Wiepersdorf erfuhren durch ihre Arbeit eine inter­essante Aufwertung.

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 Reichstagsgebäude Berlin

Quelle: Sukyun Yang Insook Ju

Doch wie ist es überhaupt möglich, im Kreis zu fotografieren und das ganze Rund auf einer Fläche auszubreiten? Das Endprodukt setzt sich aus fast 200 Einzelbildern zusammen, die nicht mit einem Fischauge-Objektiv, sondern mit 24er-Brennweiten aufgenommen werden. Es sind 22 Einzelbilder in jeweils neun verschiedenen Belichtungen. Die Nachbearbeitung am Computer dauert oft länger als einen Tag.

Die aufgeklappten Räume ergeben interessante symmetrische Gebilde und akzentuieren Details, die ein Besucher im Raum gern übersieht. Das Ergebnis, das vom räumlichen Verwirrspiel und Verfremdungseffekt lebt, lässt sich vielleicht als virtueller Realismus bezeichnen. Doch Vorsicht! Im „Vertrag über Fotoaufnahmen stiftungseigener Baudenkmäler“, den die Koreaner unterschreiben mussten, steht unter Punkt 13: „Eine Verfremdung der abgebildeten Objekte  ... ist nicht erlaubt.“

Von Karim Saab

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