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Kultautorin Judith Hermann im Peter-Huchel-Haus

Lesung in Wilhelmshorst Kultautorin Judith Hermann im Peter-Huchel-Haus

Die Kultautorin Judith Hermann, bekannt durch ihren Kurzgeschichtenband „Sommerhaus, später“ (1998), las am 16. Februar im Peter-Huchel-Haus aus ihren Erzählungen „Lettipark“. Für die melancholischen Figuren und den komprimierten Schreibstil ist die 46-Jährige bekannt. Doch war auch die Lesung ein Erfolg?

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Hermann und Magnusson im Peter-Huchel-Haus

Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Michendorf. „Am meisten am Genre der Kurzgeschichte gefällt mir, dass ich sie offen lassen kann. Ich bin nicht verantwortlich für das Wohl oder Unwohl meiner Figuren, denn Kurzgeschichten enden immer vor dem richtigen Ende der Geschichte“, erklärt Judith Hermann bei ihrer Lesung am Donnerstagabend. Im Peter-Huchel-Haus in Michendorf (OT Wilhelmshorst) fanden sich etwa 60 Interessierte aller Altersklassen ein, um der Kultautorin Gehör zu schenken.

Der preisgekrönte Autor Kristof Magnusson moderierte die Lesung aus „Lettipark“

Der preisgekrönte Autor Kristof Magnusson moderierte die Lesung aus „Lettipark“

Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Warum moderierte Kristof Magnusson?

Der preisgekrönte isländisch-deutsche Autor Kristof Magnusson moderierte die Lesung aus dem 2016 bei S.Fischer erschienenen Erzählband „Lettipark“ gekonnt. Er verlieh dem Abend mit seiner zurückhaltenden, unkomplizierten Art eine gewisse Gemütlichkeit. Kennengelernt haben sich die beiden Schriftsteller in Island. Hermann saß derzeit an „Nichts als Gespenster“, als sie Rotwein über ihren PC kippte und der Text verschwand. Magnusson half ihr, die Datei wieder herzustellen. Die abergläubische Autorin sah in der geglückten Wiederherstellung ein Zeichen, ihren Text ruhigen Gewissens veröffentlichen zu können.

Judith Hermann wurde 1998 mit ihrem Erzählband „Sommerhaus, später“ bekannt

Judith Hermann wurde 1998 mit ihrem Erzählband „Sommerhaus, später“ bekannt

Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Hermann gab sich einen Ruck

Vorneweg erklärte die Berlinerin, dass sie zunächst nicht begeistert über die Einladung war: „Ich habe mein Abschiedsritual, den Erzählband ins Regal zu legen, bereits Ende 2016 nach meiner Lesereise vollzogen und arbeite nun an einem neuen Text. Wenn man an einem neuen Text sitzt, hat man nie das Gefühl, jemals vorher etwas geschrieben zu haben.“

Über die Aussichtslosigkeit der Sinnsuche

Auf eine Frage des Moderators antwortete sie „Ich bin erstaunt, wie weit ich davon entfernt bin, angekommen zu sein. Es war ein langer Prozess, zu erkennen, dass dieses Gefühl, sich nach etwas zu sehnen, zum Leben dazugehört und die Dinge unvollendet bleiben.“ Dieses unspezifische Unglücklichsein treibt auch die Figuren in ihren Geschichten um. Sie entwickeln verschiedene Strategien, damit umzugehen. Die einen laden die Banalitäten des Lebens mit Bedeutung auf, die anderen wappnen sich mit Rationalität gegen diesen „Quatsch“.

Die Lesung selbst war im Gegensatz zu den tiefgründigen Erkenntnissen der Autorin im Gespräch eher monoton und auch zu schnell, um den Geschich

Die Lesung selbst war im Gegensatz zu den tiefgründigen Erkenntnissen der Autorin im Gespräch eher monoton und auch zu schnell, um den Geschichten folgen zu können

Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Hermanns Leseleistung war eher schwach

In vollem Kontrast zum tiefgründigen, erkenntnisreichen Gespräch stand die Lesung selbst. Die Berlinerin las die drei Erzählungen „Zeugen“, „Brief“ und „Pappelpollen“ aus ihrem Sammelband, der nach der gleichnamigen Kurzgeschichte darin benannt ist. Dazwischen gab es eine Pause für Gespräche. Entgegen Hermanns Empfehlung, sich für die Lektüre der Erzählungen Zeit zu lassen, um anschließend das Gelesene in Ruhe zu überdenken, las sie die Texte monoton und mit zu hohem Tempo vor. Den Zuhörern blieb keine Zeit, sich den rätselhaften Worten anzunehmen.

Von Josefine Kühnel

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