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00:17 11.03.2017
Die Kuratorin der Ausstellung „Drauf geschissen“, Franziska Kreis, zeigt auf der Burg Storkow (Brandenburg) eine Toilette aus den 1930er-Jahren. Quelle: fotoS: dpa
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Storkow

Die Lieblingstoilette von Detlev Nutsch kann massieren und trockenföhnen, sie spielt Musik ab und erkennt, ob Männlein oder Weiblein auf ihr sitzt. „Die ist vollautomatisch und kostet so viel wie ein Kleinwagen“, sagt der Gästeführer, der Besuchern die neue Sonderausstellung in der Burg Storkow erklärt.

Nutschs liebstes von rund 200 Exponaten ist eines der zwei Modelle, die eine japanische WC-Firma nach Storkow verliehen hat. Sie sind die modernsten Stücke der Ausstellung, deren Titel passenderweise der Fäkalsprache frönt: „Drauf geschissen!“. Die Besucher der neuen Sonderausstellung werden sprichwörtlich auf den Pott gesetzt. Sie thematisiert auch die miserablen hygienischen Zustände anderswo auf der Welt und unseren eklatanten Wasserverbrauch. „Eine Toilettenspülung ist nicht gottgegeben, das ist nicht nur ein Spaßthema“, sagt Detlev Nutsch.

Gegenstände aus mehreren Jahrhunderten führen in die Geschichte des stillen Örtchens, die vom Donnerbalken und dem Plumpsklo zum sanitären Schnickschnack aus Japan reicht. Nutsch führt mit Anekdötchen auf den Lippen durch die Ausstellung. Seine Führungen nennt er „öffentliche Stuhlgänge“. Eine der Stationen: ein Tiefspülbecken aus England, das aus dem Jahr 1890 stammt und aus Porzellan besteht. Blaue Blüten zieren das Becken, das eines der ersten patentierten ist. Auch das erste Wasserklosett stammt aus England, es wurde im 19. Jahrhundert für die Queen erfunden.

Wer sich vor mehr als 100 Jahren auch auf Reisen nicht in den Büschen verstecken wollte, um sein Geschäft zu erledigen, musste vermögend sein. In der Burg Storkow steht eine Reisetoilette, die im Wesentlichen aus einer Holzkiste und einem Metalleimer besteht. Aus heutiger Sicht wirkt sie improvisiert – „aber der Durchschnittsbürger konnte sich das nicht leisten“, sagt Nutsch. Unter die Klappe der Reisetoilette landeten die Hinterlassenschaften auf Sand, Kalk oder Sägespänen. Das schränkte den Geruch ein. Zu den Ausstellungsstücken gehören nicht nur Toiletten, sondern auch Bettpfannen, Klobürsten und „Klosettpapier“. So steht es auf der nobel anmutenden Verpackung aus dem frühen 20. Jahrhundert. In Schönschrift sind ihnen edel klingende Namen eingraviert. „Aristokrat“ und „Ideal“ steht darauf. Bestimmt haben unsere Vorfahren das kostbare Kulturgut nicht so verschwendet wie es heute üblich ist. „Das Klopapier, das in Deutschland innerhalb eines Monats verbraucht wird, würde reichen, um alle Autobahnen komplett zu bedecken“, sagt Nutsch. Und damit zum ernsten Kern der amüsanten Schau.

Storkows Tourismusmanager Andreas Gordalla wurde von einem Fotografen, der weltweit Toilettenhäuschen fotografiert, auf die Idee zur Ausstellung gebracht. „Wir wollen aufklären, in welchem Luxus wir leben“, sagt Gordalla. Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung verfügen über keinen Zugang zu einer sicheren und sauberen Toilette. Ganz zu schweigen vom Umweltproblem, das auch mit dem hohen Wasserverbrauch in den westlichen Industriestaaten zusammenhängt.

Die Ausstellung ist bereits wenige Wochen nach ihrem Beginn ein Erfolg, die Führungen von Detlev Nutsch sind fast immer ausgebucht. Und das passende Souvenir zur Ausstellung gibt’s auch: Toilettenpapier, das mit dem Konterfei des US-Präsidenten Donald Trump bedruckt ist.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 12. Februar 2018 zu besichtigen.

Bis März ist täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet, von April bis Oktober von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 4,50 Euro, ermäßigt zwei Euro.

Wer eine Führung wünscht, sollte vorher anrufen, denn die Rundgänge mit Detlev Nutsch sind regelmäßig lange vorher ausgebucht: 033678/ 7 31 08 (täglich von 11–16 Uhr).

Von Maurice Wojach

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