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„Kunst kommt von Kunst“

Die Malerin Monika Brachmann „Kunst kommt von Kunst“

Monika Brachmann malt schon, seit sie ein kleines Mädchen ist. Weil ihre Mutter aber darauf drängte, dass sie einen ordentlichen Beruf erlernt, begann die mittlerweile 71-Jährige vergleichsweise spät ihr Grafikstudium in Berlin. Heute lebt Monika Brachmann mit ihrem Mann in der Uckermark, seit 1976 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.

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Das Bild „Rapshügel mit Phacelia-Feld“ aus dem Jahr 1998.

Quelle: Fotos: Nicolai Verlag, Privat

Boitzenburger Land. Ihre Landschaftsbilder erstrahlen in leuchtenden Farben. Sommerlich gelbe Rapsfelder, saftige grüne Wiesen und dazu meist blauer Himmel. Das Thema der Bilder ist dabei nicht immer eine bestimmte Landschaft wie etwa das seenreiche, hügelige Gebiet bei Boitzenburg (Uckermark), dem Wohnort Brachmanns. Der Berliner Galerist Friedrich Rothe sagt über die Malereien: „Comicartige Vereinfachung der Form führt zu Annäherung von Erde, Luft und Wasser. Eine nicht geringe Rolle spielen Winde, die sich am Himmel abzeichnen oder die Äste der Alleebäume deformieren. Ihr Wirken verstärkt den Eindruck kräftiger Bewegung bei den streng konstruierten Bildern.“

Monika Brachmann wurde 1944 in Arnswalde/Pommern geboren. Sie wuchs im Berliner Wedding der Nachkriegszeit auf, begann schon früh das Zeichnen, wenn auch mit einfachen Mitteln: Kreide aus Ruinen war ihr erstes Malmittel. In der Schule setzte sich ihre Leidenschaft weiter fort: „Ich wurde oft engagiert, um Kulissen für Theaterstücke zu gestalten“, erinnert sie sich. Und obwohl der Großvater seine Enkelin in ihrem Bestreben unterstützte und befand, sie müsse Bildhauerin werden, blieb Monika Brachmann mit ihrer Vorliebe für die als brotlos verschriene Kunst ein Exot: Der Vater war Fußballer bei Hertha BSC, die Mutter arbeitete bis zur Rente bei Osram. Sie war es auch, die darauf drängte, dass die Tochter „einen ordentlichen Beruf“ erlernte.

„Selbst mit Sonnenhut“

„Selbst mit Sonnenhut“.

Quelle: Nicolai Verlag

Die heute 71-Jährige besuchte nach der mittleren Reife die Handelsschule, machte einen kaufmännischen Abschluss. Bis 1963 arbeitete sie als Stenotypistin beim Amtsvorsteher der Post in der Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg. Lachend erzählt sie, dass es ihr einiges abverlangt hat, jeden Tag um fünf Uhr aufzustehen, um vom Wedding aus pünktlich an der Arbeit zu sein. Brachmann erinnert sich noch gut, was damals ihre Aufgaben waren: „Ich musste nicht nur Briefe für den Amtsvorsteher schreiben, sondern auch Beschwerden unserer Kunden entgegennehmen.“ Nebenbei gab sie aber die Kunst nicht auf, sondern bildete sich autodidaktisch weiter, unter anderem durch Fernkurse.

Fünf Jahre später war es schließlich ihr Mann, Wolfgang Brachmann, der sie dazu ermutigte, zu studieren und so begann sie 1968 ein Grafikstudium an der damaligen Akademie für Grafik, Druck und Werbung in Berlin. „Wolfgang hatte immer sehr viel Verständnis für meine Leidenschaft und hat mich stets gefördert“, sagt Brachmann. In jener Zeit der akademischen Ausbildung erlernte sie die verschiedenen grafischen Techniken und übte sich darüber hinaus im Zeichnen von Akten und Por­träts.

Den vergleichsweise späten Studienbeginn – damals war sie 24 – sieht Monika Brachmann heute positiv, sie muss bei ihrer Antwort nicht lange überlegen: „Das hatte für mich nur Vorteile, weil ich schon eine ganz andere Disziplin mit ins Studium gebracht habe als die meisten meiner Kommilitonen.“ Durch ihre Arbeit im Postamt habe sie beispielsweise gelernt, pünktlich zu sein. „Außerdem wusste ich das vielfältige Lehrangebot ganz anders zu schätzen“, befindet Brachmann. Sie blickte positiv in die Zukunft, wollte auf jeden Fall einmal frei arbeiten.

Die Künstlerin

Ihr zweites Studium absolvierte Monika Brachmann von 1972 bis 1976 an der Berliner Hochschule für bildende Künste.

Seit 1976 ist sie als freiberufliche Künstlerin tätig.

Im malerischen Werk Brachmanns lassen sich drei Hauptgruppen unterscheiden: Figurenbilder, Stillleben, Landschaften. Innerhalb eines jeden Bereiches gibt es Themen, die einzeln, als Zyklus oder in verschiedenen Variationen behandelt werden.

550
Ölbilder umfasst das Gesamtwerk von Monika Brachmann bis heute. Dazu kommen über 100 Druckgrafiken, außerdem Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen und Kleinplastiken.

Weitere Infos im Internet unter: www.monika-brachmann.de

Jeder ihrer Lehrer habe sie während der Zeit des Studiums auf seine ganz eigene Weise geprägt. So sei sie durch Hermann Bachmann an der Hochschule für bildende Künste auf zahlreiche andere Künstler aufmerksam geworden: „Er hat mich an die Malerei von van Gogh und Franzosen wie Manet, Gauguin oder Renoir herangeführt. Das entpuppte sich als vollkommen neue Welt und brachte mir neue Vorbilder, die mich natürlich in meiner Arbeit prägten.“ Aus dieser Erfahrung entwickelte sich auch Monika Brachmanns Devise, die sie bis heute begleitet: Kunst kommt von Kunst. Jedes Kunstwerk sei inspiriert durch ein anderes Kunstwerk, ob von einem selbst oder einem anderen Künstler, ob bewusst oder unbewusst.

Während mehrerer Jahre lehrte Brachmann im Rahmen der Erwachsenenbildung an der Volkshochschule Kreuzberg Malen und Zeichnen. Seit einiger Zeit widmet sie sich ausschließlich der eigenen Arbeit, die sie seit 1978 in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zeigt.

Eine von ihren größten Inspirationsquellen sei die Landschaft der Uckermark. Die habe sie schon immer fasziniert. Deshalb bilde die Landschaftsmalerei auch den Schwerpunkt ihrer heutigen Arbeit. Sie wolle aber nicht, dass die Landschaft nur als Idylle wahrgenommen werde, sondern vielmehr als herbe Geschichte, gegen die der Mensch selbst sehr klein erscheint. Und genau das wolle sie den Betrachtern ihrer Bilder auch mit auf den Weg geben, dass sie wieder Demut vor der Natur empfinden.

„Große Toskanalandschaft“

„Große Toskanalandschaft“.

Quelle: Nicolai Verlag

Die Malerei helfe ihr außerdem dabei, persönliche Erlebnisse zu verarbeiten, sagt Monika Brachmann. „Ich kann mich danach wieder ganz anders konzentrieren und empfinde meine Arbeit fast schon als Meditation.“

Vor zwei Jahren gründeten Monika und Wolfgang Brachmann eine Stiftung, die in erster Linie den künstlerischen Nachlass der 71-Jährigen pflegen soll. Weiterhin dient die Stiftung der Förderung von Wissenschaft im Bereich der bildenden Kunst. Als erstes Projekt der Stiftung ist das Buch „Berlin – Uckermark: Die Malerin Monika Brachmann“ entstanden, welches im Juli im Berliner Nicolai-Verlag veröffentlicht wurde. Die Herausgeberin des Buches ist Karoline Müller, langjährige Galeristin Monika Brachmanns. In ihrer Galerie in Berlin-Tempelhof sind auch aktuell Werke der uckermärkischen Künstlerin zu sehen.

Ausstellung: Ladengalerie Müller, Alt-Tempelhof 26, 12103 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 030/69409124.

Von Josephine Mühln

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