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18:03 22.06.2018
Der Kunsthistoriker Dietmar Elger beim Aufbau der Ausstellung im Museum Barberini vor einem abstrakten Bild von Gerhard Richter. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Noch sechs Tage. Am Freitag öffnet im Potsdamer Museum Barberini die große Gerhard-Richter-Schau. Mehr als 90 Bilder des werden zu sehen sein. Einige davon wurden noch nie gezeigt.

Gerhard RichterAbstraktion. Das ist ein sehr breit gehaltener Titel für die Ausstellung im Museum Barberini. Was gibt es zu sehen?

Dietmar Elger: Wir zeigen Werke aus sieben Jahrzehnten. Das beginnt schon in den späten 50er-Jahren und geht bis zu den allerneuesten Werken aus den letzten Jahren.

Trotzdem ist es nur ein Ausschnitt, denn es geht ja um Abstraktion.

Es ist keine Retrospektive, es ist ein Überblick über seinen abstrakten Ansatz, der ja sehr vielfältig ist, der aber auch Verknüpfungspunkte zu seinen landschaftlichen Bildern hat. Denn sowohl in seinen Landschaften sind sehr viele abstrakte Elemente enthalten, wie auch in diesen Abstraktionen sehr viel Landschaftliches zu entdecken ist. Und genau das zeigen wir in der Ausstellung.

Es werden ganz neue Bilder von Gerhard Richter gezeigt. Gibt es Überraschungen?

Die neuen Bilder sind deutlich anders. Man kann gut erkennen, dass sie erst jetzt, in den letzten zwei drei Jahren, entstanden sind.

Die Bilder sind schon da. Derzeit werden die ersten Werke von Gerhard Richter im Museum Barberini gehängt. Die MAZ zeigt erste Eindrücke.

Woran ist das zu sehen?

Sie sind radikaler in der Farbigkeit und sie sind anders im Farbauftrag. Gerhard Richter benutzt zum Beispiel ein Küchenmesser, mit dem er die Farbe teilweise wieder abkratzt. Das hat er zwar früher schon mit einem Spachtel getan, aber der Spachtel ist viel unbeweglicher. Dabei sind vor allem horizontale oder vertikale Balken. In den neuen Arbeiten bewegt Richter das Messer sehr viel freier und dynamischer. Das ist ein bisschen wie Fechten auf der Leinwand.

Aber die radikale Farbgebung findet man auch in den 80er-Jahren.

Das stimmt. Aber es kommen jetzt Farben zum Einsatz, an die er sich zuvor nicht gewagt hat: ein bestimmtes Violett etwa oder ein Rosa, das sich mit Grün mischt.

Inwieweit war Gerhard Richter an den Ausstellungsvorbereitungen in Potsdam beteiligt?

Er hatte, wie fast immer, ein Modell der Räume im Maßstab 1:50, an dem wir unsere Planung präsentierten. Er entwickelte dann eigene Ideen und hängte die Bilder um. Dadurch erhält die Ausstellung seine Handschrift. Und man muss sagen: Sie wird dadurch noch intensiver geworden.

Wo hat er eingegriffen?

Vor allem bei den neuesten Bildern. Im letzten Raum hat er Bilder hinzugefügt, die direkt aus seinem Atelier stammen.

Die Sie gar nicht geplant hatten?

Bilder, von denen wir gar nicht gehofft hatten, dass wir sie bekommen würden.

Gerhard Richter ist einer der teuersten Maler der Welt. Ist er nicht mittlerweile zu so etwas wie einem Popstar?

Er ist populär. Aber ich glaube, er ist populär im besten Sinne, weil diese Popularität durch die Qualität seines Werkes untermauert ist.

Es sind doch sehr komplexe Werke. Wie etwa das Foucaultsche Pendel, das in der vergangenen Woche in der Dominikanerkirche in Münster übergeben wurde. Allein an diesem Tag kamen 1000 Menschen. Ist das nicht schon eine Art Richter-Kult?

Der Name hat inzwischen tatsächlich eine gewisse allgemeine Anziehungskraft. Und die Ausstellungsbesucher finden auf ganz unterschiedliche Weise Zugang zu diesem Werk. Man kann sich mit den Bildern identifizieren, weil sie einen emotional ansprechen.

Was ist Gerhard Richter für ein Mensch?

Er ist eher bescheiden und lebt zurückgezogen in Köln. Er stellt seine gesellschaftliche Position als ein bedeutender Künstler nicht aus. Er ist alles andere als ein Maler-Fürst.

Gerhard Richter. Abstraktionen

Gerhard Richter ist einer der bekanntesten Vertreter zeitgenössischer Kunst in Deutschland.

Seine Bilder werden auf den internationalen Kunstmärkten zu Höchstpreisen gehandelt.

Der Maler, Bildhauer und Fotograf wurde 1932 in Dresden geboren. Seine Ausbildung absolvierte er an der dortigen Hochschule für Bildende Künste. Kurz vor dem Mauerbau ging Richter 1961 in den Westen, wo er mehr als 20 Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf unterrichtete. Gerhard Richter lebt in Köln

Richters Werk ist äußerst vielfältig. Bekannt wurde er in den 60er- und 70er-Jahren als Vertreter des „Kapitalistischen Realismus“ unter anderem durch seine von fotografischen Vorlagen verschwommen gemalten Bilder.

Das Museum Barberini in Potsdam zeigt vom 30. Juni bis zum 21. Oktober die Ausstellung „Gerhard Richter. Abstraktion“. Darin werden 90 Arbeiten des 88-jährigen Künstlers präsentiert – darunter ganz neue, noch nie gezeigte Bilder.

Dietmar Elger ist Leiter des Gerhard-Richter-Archivs in Dresden und hat zusammen mit Ortrud Westheider, der Direktorin des Museums Barberini, die Potsdamer Richter-Ausstellung kuratiert.

Gerhard Richter bedient sich unterschiedlicher Stilrichtungen. Die Bilder sind mal gegenständlich, teilweise fast fotorealistisch, dann wieder abstrakt bis gegenstandslos. Lässt sich sein Werk überhaupt auf einen Nenner bringen?

Sicher, denn es gibt diesen Gegensatz von Abstraktion und Gegenständlichkeit bei ihm gar nicht. Richter konzentriert sich immer auf eine ganz bestimmte Fragestellung. Auch bei den abstrakten Bildern ist zum Beispiel die Natur das Vorbild. Er sagte einmal, dass diese Bilder wie ein Blick aus dem Fenster funktionieren. Sie sind nicht komponiert im traditionellen Sinne, sondern wirken wie ein zufälliger Ausschnitt, wie ihn auch der Blick aus dem Fenster zeigt, wo wir auch ein Stück Natur sehen, das nicht komponiert ist. Es besteht also eine Beziehung zwischen einem Naturvorbild und der Nachschöpfung in der malerischen Abstraktion.

Aber was sehen wir eigentlich auf Richters Bildern?

Wir sehen eine abstrakte Natur. Bilder, die wie die Natur beschaffen sind. Die großen abstrakten Bilder entstehen in einem Prozess aus Zufall und Eingriff. Mit dem Rakel, den er dafür einsetzt, schafft er eine natürliche Struktur, die nicht vollständig kontrollierbar ist. Der wirklich schwierige Schritt ist dann, zu entscheiden, wann das Bild vollendet ist.

Und was macht die Faszination dieser Bilder aus?

Der Betrachter kann in diesen Bildern sehr viel entdecken. Man findet immer wieder neue Anhaltspunkte, oft auch Gegenständliches. Man ist mit diesen Bildern nie fertig.

Welches Bild der Potsdamer Ausstellung würden Sie empfehlen, um jemandem einen ersten Zugang zu Gerhard Richter zu ermöglichen?

Ich würde eines der späteren abstrakten Bilder aus den 80er-Jahren wählen. Diese Arbeiten zeigen vielleicht am besten, was sein Werk und seine Abstraktionen ausmacht.

Gerhard Richter hat 1961 die DDR verlassen. Er ist nicht zuletzt vor den stilistischen und politischen Zwängen des Sozialistischen Realismus geflohen. Trotzdem hat er später immer wieder politische Themen der deutschen Geschichte gewählt, etwa bei den Birkenau-Bildern oder dem Bader-Meinhof-Zyklus. Ist Gerhard Richter ein politischer Maler?

Das würde ich nicht sagen. Denn es gibt sehr viele Bilder von ihm, die sich nicht mit politischen Themen auseinandersetzen. Aber es gibt eben auch politische Themen, die ihn beschäftigt haben.

Findet man in diesen Bildern inhaltliche Aussagen?

Er hat vieles offen gelassen. Die beiden Werkzyklen zu Birkenau und zu Bader-Meinhof sind zunächst Richters persönliche Verarbeitung und sollten für den Betrachter als Zugangsmöglichkeit verstanden werden, sich über die Konfrontation mit den Bildern mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Von Mathias Richter

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