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Kurator Obrist: Wir müssen mehr Brücken bauen

Jahreswechsel Kurator Obrist: Wir müssen mehr Brücken bauen

Londoner Museen schauen auf ein glänzendes Jahrzehnt zurück. Doch der einflussreiche Ausstellungsmacher Hans Ulrich Obrist mahnt Veränderungen an. Die Erweiterung der Londoner Museumswelt bringe auch Gefahren mit sich.

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Museen müssen über eine institutionelle Transformation nachdenken: der schweizer Kurator Hans Ulrich Obrist.

Quelle: Monika Skolimowska

London. Mehr, größer, höher - das war lange Zeit die Devise der Londoner Kunst-und Museumswelt. Der führende Ausstellungsmacher Hans Ulrich Obrist warnt jedoch vor einem "Weiter so".

"Die Erweiterung bringt immer auch die Gefahr mit sich, dass wir Konzentration verlieren", sagte Obrist der Deutschen Presse-Agentur in London. Der Schweizer Kurator, Ko-Direktor der Serpentine Gallery für Gegenwartskunst in den Kensington Gardens in London, lehnt sich mit seinem Zitat an den legendären vietnamesischen General Nguyen Giap an, der so die möglichen Nachteile von militärischem Territoriumgewinn beschrieb.

Obrist geht es in erster Linie um die dauernde Veränderung bei der Präsentation von Kunst. Obwohl die Kunstausstellung auch weiterhin als parallele Realität relevant bleibe, müssten die Museen über institutionelle Transformation nachdenken.

Der Austausch zwischen allen Wissenszweigen und der Generationen übergreifende Dialog sind für ihn Mittel, die "transformatorische Kraft der Kunst" zu entfalten. "Wichtig ist, dass es mehr Verbindungen gibt zwischen den Häusern und den Generationen. Wir müssen im 21. Jahrhundert mehr Brücken bauen."

Obrist hatte 2015 als das "Jahr des Transformationsmarathons" deklariert. In Diskussionen und Aktionen mit Künstlern und Experten aus aller Welt wurden Fragen wie die Neuerfindung von Kunst durch die Verbindung mit anderen Disziplinen - wie Literatur, Anthropologie, Philosophie und Technik - und die Grenzen, Gefahren und Möglichkeiten von Globalisierung und digitaler Kunst erforscht.

Obrist zeigte sich erfreut darüber, dass bei der jüngeren Generation von Künstlern und Schriftstellern eine "deutliche Gravitation zur Poesie" erkennbar gewesen sei. "Wir haben 2015 bei vielen Künstlern ein deutliches Wiederaufleben des Gesamtkunstwerks erlebt", sagte er. Zugleich beunruhigen ihn die eingeschränkte Informationsvielfalt durch Suchmaschinen sowie die Kommerzialisierung und Überwachung im Internet-Zeitalter.

Es geht ihm deshalb auch um einen Protest gegen das Vergessen im Digitalzeitalter, die Gefahr der Nivellierung von Unterschieden und das Aussterben von Sprachen und Handschrift. Als "Rettungsappell" veröffentlicht er über die soziale Plattform Instagram täglich handschriftliche Notizen von Kunstschaffenden.

Trotz seiner Bedenken bleibt Obrist Optimist. Er entdeckt insbesondere bei jungen Künstlern zunehmend eine Doppelbegabung von Kunst und Literatur. Bücher, Ausstellungen, Livekonzerte oder Theater spielten parallel zueinander eine wichtige Rolle. "Es gab früher oftmals unsichtbare Mauern zwischen den Bereichen Musikindustrie und Kunstindustrie, diese Mauern sind im digitalen Zeitalter poröser geworden."

Der 1968 in Zürich geborene Obrist gilt als einer der einflussreichsten Menschen in der Kunstwelt. Anfang November erhielt er den Internationalen Folkwang-Preis

dpa

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