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Kurt Krömer – großartig, auf seine Art

Auftritt im Potsdamer Nikolaisaal Kurt Krömer – großartig, auf seine Art

Der Berliner Komiker Kurt Krömer erinnert immer mehr an Klaus Kinski, in Potsdam hat er Mittwoch am ersten von zwei ausverkauften Abenden die Leute in die Mangel genommen, sie angeschrien, sie gerührt mit seinem Konfirmandenlächeln, das schnell umschlägt in ein Haifischlächeln. Krömer weiß, was er kann, und spielte es aus.

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Kurt Krömer ist ein Mann, der auf Knopfdruck den Wahnsinn einschaltet.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Kurt Krömer ist ein Clown, rote Socken, rosa Hemd, sein Lächeln wirkt nur wie der Auftakt für den nächsten Wutausbruch. „Ihr lacht über einen Kranken!“, ruft er, wenn er sein Sakko öffnet, das kariert auf eine Weise ist, wie man es früher in den 80ern getragen hat. Er hebt das Hemd und knetet seine Wampe. „Freundchen, wir sind im selben Turnverein“, kumpelt er einen Mann an, der in der ersten Reihe sitzt, auch er mit Bäuchlein, wie Krömer, der Ganzkörperkomiker. Wenn es weh tut, weiß Krömer: Die Pointe sitzt. So ist das auch in Potsdam, wo er im Nikolaisaal Mittwoch und Donnerstag vor ausverkauftem Haus gespielt hat.

Frauen sind der Motor seiner Show. Wenn sie lachen, lachen auch die Männer, die nicht richtig wissen, ob sie Krömer als Konkurrenten oder als Maskottchen nehmen sollen. „Mäuschen, geht’s wieder?“, fragt er, wenn sich hinten, in der letzten Reihe, eine nicht mehr einkriegt. „Mäuschen, hast du dich umgesetzt?“, fragt er, mit großen Augen und gespielter Onkelhaftigkeit, wenn jetzt das Gackern aus der fünften Reihe kommt.

Krömer ist ein Frauentyp auf eine Art, die für die anderen Männer nicht verständlich ist. Viel von Klaus Kinski liegt in seiner Rolle, immer der Jähzorn in Reichweite, stets zum Schreien bereit. Er spielt den Berliner, der mit seiner Allmachtsfantasie in einen Hundehaufen tritt. Einen, der glaubt, er ziehe die Fäden, dabei stochert er im Nebel. Er ist kein Komiker, der sich durch sein Programm mit irgendeiner Form von Eleganz bewegen würde, eher ist Krömer ein Klempner des Humors, der seine Themen trotzig ausruft, wie in einer Nummernrevue. Er zwingt sie in eine Reihenfolge – mit dem Hammer, nicht mit einer schlüssigen Dramaturgie.

Er trägt eine Krawatte, die nie modern war (braun mit Psychomuster), und reißt Witze, die man nicht mehr reißen darf, weil sie nur noch der angetrunkene Opa nachts um halb eins erzählt: „Ich hab die Handwerker im Haus. Die sagen nur drei Sätze: Ditt wird teuer. Und: Das haben wir schon immer so gemacht oder: Das haben wir noch nie so gemacht. Und sie sagen: Macht nichts, das sehen Sie nachher nicht mehr.“ Er fragt einen Mann ganz vorne: „Was machen Sie beruflich? Ah, Fliesenleger. Schöner Beruf.“ Kunstpause. „Wenn man’s kann.“

„Kannst du Schattenfugen?“, fragt er den Mann. Der versteht nicht gleich. „Schattenfugen, SCHATTENFUGEN!“, brüllt Krömer, „Mensch, reden wir verschiedene Sprachen?“ Er steigert sich in einen Wahn. Sein liebster Kunstgriff, den nervlich ramponierten Kinski zu geben, der schon bei der Frage nach dem Wetter ausklinkt, wenn ihm danach ist. Krömer kann predigen wie ein Irrer, er kann zetern wie ein Zerrütteter, diese Rolle strapaziert er etwas über. Niemand nimmt es ihm übel. Sie feuern ihn an wie einen Fußballer.

In Potsdam haben sie sein Temperament verstanden. Er steigt hinab ins Publikum, umarmt die Leute, freundlich, doch auch dann ein Schrei: „Jetzt umarm mal deinen Nachbarn und gibt die Liebe weiter!“ Er kennt Kalauer über den Flughafen Schönefeld, über dicke Frauen, und veredelt sie mit seinem Konfirmandenlächeln – in das er den Hunger eines Wolfes mischt. Mal ist er böse, mal lammfromm. Man weiß nicht, ob man sich amüsieren oder fürchten soll.

Krömer spricht zum Schluss mit hoher Heliumstimme, wie ein Dreijähriger: „Manchmal bin ich so böse, dann gehe ich mit Socken ins Bett.“ Humor, mit dem er in Potsdam ein Heimspiel hat.

 

Von Lars Grote

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