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Kultur Lässig aus der Hüfte geschossen
Nachrichten Kultur Lässig aus der Hüfte geschossen
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09:20 29.05.2017
Aufsehen erregender Debütant – der Kanadier Colter Wall. Quelle: Promo
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Potsdam

Wenn Steve Earle mal ein Urteil spricht, dann ist es amtlich. Für Colter Wall hatte der verehrte, kantige Country-Rocker folgendes Lob parat: „Ohne Ausnahme ist Colter der beste junge Songwriter, den ich in den letzten zwanzig Jahren gesehen habe.“ Größere Lorbeerkränze können einem Talent wohl kaum gewunden werden. Denn Wall ist gerade einmal 21. Aber der Sänger aus der kanadischen Provinz Saskatchewan hat ein so makelloses, reifes, weil lebenskluges Debüt vorgelegt, dass man aus dem Staunen gar nicht wieder herauskommt. Seiner Stimme, ein tiefer Bariton, nimmt man die Jugendlichkeit ihres Besitzers schon gar nicht ab. Da steckt viel drin von einem, den Wetter, Leben und Erfahrung gegerbt haben in der schieren Weite eines Landes, das mit seinen Prärien fast doppelt so groß ist wie Deutschland, aber umso vieles leerer an Menschen. All das spricht aus Colter Wall und seinen Geschichten, die, wie er versichert, persönlicher gefärbt sind, als seine ersten musikalischen Gehversuche.

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Immer wenn es regnet, hat sich Luke Sital-Singh im Studio befreit gefühlt. Dort im abgeschiedenen Donegal. Als Teenager sog er begierig die Auftritte von Feingeistern wie Ryan Adams oder Damien Rice auf. Die Vorliebe fürs Handgemachte, immer dann, wenn eine Stimme nur gestützt durch die sechs Saiten der Gitarre oder am Piano Größe und Wirkungsmacht entwickelt, hat der im Süden Londons aufgewachsene Songwriter in seine eigenen Lieder hinübergerettet. Mit klarem, hohen Ton. Versonnen bis hymnisch. Was man den ehrlichen, puren, nur mit kleiner Besetzung in Irland eingespielten elf Songs zwischen Folk und Rock anhört. Immer wenn es regnet, findet Luke zu sich selbst. Er tritt am Freitag, dem 2. Juni, um 20 Uhr im Auster Club in Berlin-Kreuzberg auf.

Luke Sital-Singh: Time Is A Riddle. Ferryhouse/Warner.

Frauengestalten aus Träumen, der Geschichte und der Literatur scheinen Becca Stevens in den Bann gezogen zu haben. Wie Venus, die Göttin aus dem Meer, Queen Elizabeth I. oder die japanische Hofdame Sei Shonagon. Über der Leben sinnt Becca Stevens nach. Die Sängerin aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn wandelt Schicksale und Begebenheiten, ob real oder fiktiv, in funkelnde musikalische Kleinode, die mal im Folk britischer Prägung wurzeln, im Pop, im Jazz, sogar im Hip-Hop. Beats, Ukulele und immer wieder Duette von ausgesuchter betörender Schönheit.

Becca Stevens: Regina. GrundUp/Membran.

Zum langsamen Country-Walzer benötigt der Sänger nur seine Gitarre und einige Slides als Verzierung. Überhaupt, mit der Beschränkung auf das Nötigste fährt der Kanadier, der lässig aus der Hüfte schießt, ausgesprochen gut. Fast könnte man meinen, Wall sei ein Relikt aus den Sechziger oder Siebzigern. Als eine Art Ziehsohn von großen Männern wie Merle Haggard oder Townes Van Zandt aber geht er mindestens durch. Texas und die Appalachen. Diese frühere, traditionsbewusste und daher unsterbliche Spielart des Country halt. Colter Wall, diese alte Seele hat zum Glück überhaupt nichts mit jenen Stars zu schaffen, die diese ländliche Musik, die in Saskatchewan genauso verstanden, geliebt und gehört wird wie in Kentucky oder Paaren im Glien, auf Biegen und Brechen mit Pop und Rock für die Charts aufpumpen. Man darf sich nur wünschen, dass dieser Debütant sein Pulver noch längst nicht verschossen hat.

Konzert: Colter Wall spielt am Dienstag, dem 30. Mai, um 19 Uhr im Maze Club in Berlin-Kreuzberg auf.

Von Ralf Thürsam

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