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Laibach in Nordkorea mit "reinen Absichten"

Musik Laibach in Nordkorea mit "reinen Absichten"

Kaum ein Land weltweit ist so von der Außenwelt abgeschottet wie Nordkorea - auch musikalisch. Selbst die Songs einheimischer Popbands unterliegen staatlicher Kontrolle.

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Sänger Milan Fras von Laibach 2014 bei einem Konzert in Köln. Foto: Oliver Hausen/Geisler-Fotopress/dpa

Seoul/Oslo/Ljubljana. Doch nun lässt Diktator Kim Jong Un möglicherweise eine westliche Musikgruppe ins Land: Zum 70. Jahrestag des Endes der japanischen Besatzung im August soll die slowenische Band Laibach zwei Konzerte in Pjöngjang spielen. Nicht nur das Ja zu den Jubiläums-Auftritten, sondern auch die Wahl der Gruppe ist aufsehenerregend. Denn die 1980 gegründete Band ist wegen ihrer nationalistischen Ästhetik umstritten.

Doch die Slowenen wehren sich gegen Kritik, mit ihren Shows das nordkoreanische Regime zu unterstützen. "Wir mischen uns nie in die politischen Verhältnisse der Länder ein, in denen wir auftreten", sagte Bandmitglied Ivan Novak der Deutschen Presse-Agentur. "Unsere Absichten sind rein und sauber." Die Musiker waren in ihren Anfängen für das sterbende kommunistische System in Jugoslawien die pure Provokation - vor allem mit ihren Gigs in Uniformen, die stark auf den Faschismus anspielten.

"Es ist ein einfacher und verständlicher, aber fauler intellektueller Reflex, sie mit Nazismus oder Faschismus gleichzusetzen", sagt der Künstler Morten Traavik, der die geplanten Auftritte von Laibach organisiert hat. In dieser Hinsicht würden die Band, vom Deutschlandradio einmal als "Rammstein für Erwachsene" bezeichnet, wie auch das Land missverstanden, meint der Norweger. "Es gibt eine vorherrschende Erzählung über Nordkorea": Medien seien vor allem daran interessiert, den "Freakshow-Faktor" zu transportieren - eine robotische Nation, Militärmärsche, ein verrückter Diktator. Das Land habe mehr Facetten.

Ohne Traavik, der sich mit Kunst- und Musikprojekten für den Austausch mit Nordkorea einsetzt, wäre die Planung der Konzerte nicht so weit gediehen. Wegen der Zusammenarbeit mit dem Land ist er in seiner Heimat heftig umstritten, hört deswegen oft Vorwürfe, das Regime zu unterstützen. "Ich bin einfach interessiert, Plattformen für Menschen zu schaffen, sich zu treffen und auszutauschen", verteidigt er sich.

Das ausgerechnet Laibach, die nach dem deutschen Namen von Ljubljana benannt sind, in Pjöngjang auftreten sollen, liege daran, dass er schon früher mit der Band zusammengearbeitet habe, sagt der Norweger. Die andernorts als provozierend empfundene Tatsache, dass beide sich "auf einem Gebiet bewegen, das die Ästhetik von Militär und Massenbewegungen" feiere, mache Nordkorea und Laibach zu einer "logischen Kombination".

Bei ihren angekündigten Auftritten in Pjöngjang am 19. und 20. August wollen die Slowenen ihr 35-jähriges Bestehen mit einigen ihrer größten Hits feiern, aber auch ihre Version von "The Sound of Music", Coversongs und einige nordkoreanische Lieder spielen. Zu den Konzerten sollen unter anderem Musikstudenten aus Nordkorea eingeladen werden. "Wir hoffen auf so viele westliche Touristen wie möglich", sagt Traavik.

Bei den in Peking angesiedelten Reiseagenturen Koryo Tours und Young Pioneer Tours kann man in Verbindung mit Reisen nach Nordkorea jetzt auch Eintrittskarten für die Konzerte erwerben. Beide Unternehmen sind auf Reisen in das isolierte Land spezialisiert. Seines Wissens wäre es der erste Auftritt einer bekannten westlichen Rockband "in der Geschichte Nordkoreas", sagte Rowen Beard von Young Pioneer Tours.

Anders sieht es im Bereich klassische Musik aus. 2008 trat der im vorigen Jahr gestorbene US-Stardirigent Lorin Maazel mit den New Yorker Philharmonikern in Nordkorea auf. Es war das erste Konzert eines Spitzenorchesters aus dem Westen. Das Münchner Kammerorchester spielte vor drei Jahren mit einheimischen Studenten in Pjöngjang.

Bisher hat Young Pioneer Tours 25 Interessenten für eine Reise nach Nordkorea für die Zeit der Konzerte registriert. Koryo Tours warnt allerdings, dass die geplanten Konzerte von Laibach und deren Besuch durch Ausländer noch keineswegs garantiert seien. Beides sei noch nicht abschließend von Nordkoreas Behörden genehmigt worden.

dpa

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