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Lakonischer Saiten-Arbeiter

MAZ-Konzerttipp Lakonischer Saiten-Arbeiter

Erinnern Sie sich an Sheila E. In den Achtzigern hatte die Sängerin und Perkussionistin mal was mit Prince. Berufliche Kontakte nämlich. Die Sheila hat einen Onkel, der – logisch – viel früher seine musikalische Karriere startete – Alejandro Escovedo. Geboren in Texas widmete er sich dem Punk und später dem Roots Rock. Jetzt spielt er mal wieder in Berlin.

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Wegen seiner Fertigkeiten auf der Gitarre verehrt: der bescheidene Alejandro Escovedro.

Quelle: Nancy Rankin Escovedo

Potsdam. Knochentrocken wie Zunder schickt Alejandro Escovedo die Riffs von den Saiten, noch kurz ein paar drängelnde verzerrte Töne und der gebürtige Texaner lässt das Feuer hell lodern, das so lakonisch wie schnörkellos einst auch Lou Reeds späten Klassiker „New York“ auszeichnete. Escovedo, der Sohn eingewanderter Mexikaner, legte schon früh los. Am Anfang seiner Karriere standen die Nuns, eine Wave-Punk-Truppe. Bald weitete sich der musikalische Horizont des Sängers mit der etwas nölenden Stimme und Gitarristen – bei den True Believers. Souverän bewegte sich Escovedo (66) im Spannungsfeld von Roots Rock und Alternative Country.

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Hanni El Khatib ist ja nicht zu bremsen. Wilde Zeiten durchlebt der gerade und eine höchst produktive Phase. Was seine jüngste Platte mit 19 Stücken bezeugt. Hanni, den man als beherzten raubeinigen Garagen-Rocker kennt, schafft sich einige neue Instrumente drauf und probiert. Wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Skizzenhaft und launig. Alles kann, nichts muss. Der Mittdreißiger entdeckte die Möglichkeiten. Ein erfreuliche Haltung. Greift nach Elektronik, Geräuschcollagen, Discobeats, Schräg-Rock, ein Mann plus Gitarre, Glockenspiel mit quakenden Synthies, Soul mit Streichern. Alles da. Der Mittdreißiger lebt den Moment. Hypernervös bis tiefenentspannt.

Hanni El Khatib: Savage Times. Innovative Leisure/Rough Trade.

Nun tourt er mit seiner neuen Platte „Burn Something Beautiful“. Dreizehn Stücke, kompromisslos in ihrer Ausführung: Knackiger und knarziger Rock plus zahlreiche heftige Rückkopplungen und atonalen Soli, akustische flirrende Ausflüge wie Breitwand-Western inszeniert - sicher das Erbe der Border-Region, in der sich die Stile munter mischen -, etwas Glam-Rock. Dass er manchmal etwas auf die Bremse tritt und lamentiert „I’ Dont Want To Play Guitar Anymore“ - das nimmt man Escovedro, den man gerade wegen seiner zwingenden Fähigkeiten als Gitarrist verehrt, nicht eine Minute lang ab. Lang lebe dieser Mann, der 2003 auf der Bühne zusammenbrach. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er länger an Hepatitis C gelitten. Seine Arztrechnungen konnte er nicht bezahlen. Doch Escovedo, übrigens der Onkel der Sängerin und Schlagzeugerin Sheila E – bitte im Kapital Prince nachschlagen -, erhielt Hilfe. Freunde wie Steve Earle, John Cale oder The Jayhawks spielten ein Tribut-Album mit seinen Liedern ein. Dessen Erlöse steckten sie in einen Medizin-Fonds.

Konzert: Alejandro Escovedo gastiert am Sonnabend, dem 11. März, um 22 Uhr im Quasimodo in Berlin-Charlottenburg.

Von Ralf Thürsam

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