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Lauchhammers Zylindergebläsemaschine

Technisches Denkmal Lauchhammers Zylindergebläsemaschine

Beim Probebetrieb 1837 gab’s ein „schreckliches Rasaunen“. Dann leistete die in Lauchhammer hergestellte gusseiserne Zylindergebläsemaschine in der erzgebirgischen Bleihütte in Halsbrücke gute Dienste. 1929 wurde sie als Referenzobjekt in Lauchhammer wieder aufgestellt. Sie ist eines der ältesten Zeugnisse des Maschinenbaus im Märkischen.

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Matthias Baxmann vor der Gebläsemaschine in Lauchhammer.

Quelle: Angelika Stürmer

Potsdam. Das lässt Matthias Baxmann sich nicht nehmen. Er steigt über den niedrigen Staketenzaun vor der wuchtigen gusseisernen Zylindergebläsemaschine, die da auf dem Rasen vor dem Eingang der einstigen Kunst- und Eisengießerei des Detlev Carl Graf von Einsiedel in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) zu bewundern ist. Und postiert sich dann kurz am 30 Tonnen schweren Koloss. „Ist die nicht faszinierend“, schwärmt Baxmann, der Referent für Denkmale der Technik und Industrie beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege ist. Wie wunderbar doch diese dreizylindrische Maschine mit der Form dorischer Kolonnaden aussieht. Ihre gewaltigen Schwinghebel werden von korinthischen Säulen getragen. Und das Wasserrad hat einen Durchmesser von 4,40 Metern. Das mächtige Ding war schließlich wasserkraftgetrieben.

Schon unsere Ahnen konnten diese metallene Schönheit – eines der ältesten Zeugnisse des Maschinenbaus im Märkischen – an dieser Stelle besichtigen. Anno 1929 wurde sie hier quasi als Referenzobjekt aufgestellt. Bereits seit 1725 war die Eisengießerei in Lauchhammer ansässig. Raseneisen wurde verhüttet, also Eisen daraus hergestellt. Der Kurfürstlich Sächsische Oberhofmarschall und Kabinettsminister Freiherr von Löwendahl hatte seinerzeit für seine Gattin Benedikta Margaretha von Monarch August dem Starken höchstselbst das Privileg erhalten, das Eisenwerk hier zu errichten.

1776 übernahm Graf von Einsiedel es, modernisierte und führte bald eine Kunstgussgießerei von Weltruf. Große Bildhauer wie Ernst Rietschel, der beispielsweise das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar schuf, und Daniel Christian Rauch wirkten dort.

„Als das hier nach den Napoleonischen Kriegen nach 1815 alles preußisch wurde, traf Bergwerksbesitzer Oberfaktor Johann Friedrich Trautschold mit Einsiedel eine Entscheidung“, erzählt Baxmann. „Es wurde dann neben der Kunstgießerei eine Maschinenbauwerkstatt eingerichtet. Und die spezialisierte sich auf Bergwerksmaschinen.“ Ohne diese wäre der Bergbau im Erzgebirge undenkbar gewesen.

Die „Zwillingsschwester“ ist noch im erzgebirgischen Halsbrücke

Eine davon ist eben diese 1836/37 hergestellte Zylindergebläsemaschine. Bestimmt ehedem für die Bleihütte mit Bleischachtofen in Halsbrücke bei Freiberg, wo sie bis 1925 lief. Für sie wurden zwei baugleiche Ausführungen geliefert. Die „Zwillingsschwester“ ist noch dort. Die Gebläsemaschine in Lauchhammer indes steht schon seit den 30er Jahren unter Denkmalschutz und ist gut in Schuss.

„Solche Maschinen brauchte man, um im industriellen Stil Erze zu verhütten“, sagt Matthias Baxmann. Er erklärt: „In jeder Schmiede ist ja auch ein Blasebalg, der die Glut entfacht, um eine Betriebstemperatur zu erreichen, damit man das Eisen verformen kann. Bei der Gebläsemaschine ist es das gleiche Prinzip. Wenn das Blei aus dem Erz gelöst wird, braucht man ebenso eine gewisse Temperatur, damit das flüssig wird. Und die Gebläsemaschine hat die Glut genauso entfacht wie ein Blasebalg in der Schmiede.“ Man kann’s auch am Beispiel Grill veranschaulichen. Um den ordentlich auf Temperatur zu kriegen, führt man ebenso Luft zu – da wedelt man noch ein bisschen.

Bloß, dass die Grill-Prozedur beileibe nicht so nervenaufreibend ist, wie dereinst der Probebetrieb des Lauchhammergebläses am 18. Dezember 1837 vonstatten ging. Der verantwortliche Maschinenbaumeister namens Döring notierte damals: „Der Sicherheit wegen und um das Ganze besser übersehen zu können, ließ ich das Getrieberad der einen Kurbelstange ausrücken und nur mit zwei Zylindern blasen. Allein das schreckliche Rasaunen, daß sich beim Anlassen hören ließ, war so schrecklich, daß ich den ganzen Versuch bald einstellte ...“ Döring gab nicht auf. Versuch zwei folgte: „Am Morgen ging es nun gleich wieder los, jedoch gleich mit allen drei Zylindern. Da dröhnte und erzitterte das ganze Gebäude, und zu diesem Mordsspektakel kamen gerade die Herren des Oberhüttenamtes. Allen wurde angst und bange, und so wurde für den Augenblick angehalten.“ Danach – bei Versuch numero drei - lief dann endlich alles glatt.

Von Angelika Stürmer

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