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Kultur Laute Buhrufe beim Osterkonzert in Potsdam
Nachrichten Kultur Laute Buhrufe beim Osterkonzert in Potsdam
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09:34 18.04.2017
Die pantomimische Ergänzung des Barockkonzerts gefiel nicht alles Besuchern. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
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Potsdam

Er dirigiert ohne Taktstock und trägt ein lockeres Jackett überm schwarzen T-Shirt. Den Klang modelliert Werner Ehrhardt mit agilen Händen, wobei er immer wieder die Arme ausbreitet, als wolle er die Musiker umarmen.

Herzlich und unprätentiös – so klingt auch die französische und italienische Barockmusik, die Ehrhardt am Karsamstag mit der Kammerakademie Potsdam aufführte. Der Abend startet mit federnden, farben- und nuancenreichen Interpretationen von prachtvoller Hofmusik; darunter einer Suite aus Rameaus exotischer Ballettoper „Die galanten Indien“.

Die Solistin Katja Stuber Quelle: Promo

Ehrhardt war lange Leiter des angesehenen Ensembles Concerto Köln. Als Gast im Potsdamer Nikolaisaal bewies er, dass die Kammerakademie unter guter Führung zu einem wirklich feinen Orchester aufblüht. Die Musiker kultivierten einen an der historischen Aufführungspraxis geschulten, trennscharfen Klang, bei dem die Instrumentenfarben nicht verschmelzen, sondern einzeln vernehmbar sind.

Eindringlicher Gesang der Solisten

Nach der Pause stand Pergolesi auf dem Programm, ein viel zu früh verstorbenes Genie. Mit nur 26 Jahren erkrankte er an Tuberkulose und zog sich in ein Kloster zurück, wo er das „Stabat Mater“ als sein letztes Werk vollendete.

Der Countertenor Franz Vitzthum. Quelle: Yvonne Heinrichsen-Dörfler

Mit den Worten „Stabat mater dolorosa“ beginnt ein Gebet, das sich in die Leiden Marias während der Kreuzigung ihres Sohnes einfühlt. Pergolesis schlichte, innige, empfindsame Vertonung wurde von Ehrhardt und der Kammerakademie wunderbar zum Leuchten gebracht. Die beiden Solisten, die Sopranistin Katja Stuber und der Countertenor Franz Vitzthum, fügten sich mit eindringlichem, gänzlich unsentimentalem Gesang bestens ein.

Besucher verlassen den Saal

Dass das Publikum am Ende lauthals buhte, lag an der szenischen Ergänzung durch die Regisseurin Lydia Steier. Zwar werden Oratorien, die oft eine biblische Handlung bieten, immer mal wieder inszeniert. Lydia Steier selbst machte das vor ein paar Jahren bei der Potsdamer Winteroper mit Händels „Jephta“. Beim „Stabat Mater“, der Schilderung einer inneren Reflexion, ist so ein Vorgehen ungewöhnlich.

Lydia Steier kontrastiert die Musik mit einer Zwei-Personen-Pantomime: ein Tisch, zwei Stühle, ein Paar (Manon Kahle und Tomas Spencer) in häuslicher Schlupfkleidung beim Frühstück. Mal schauen sie sich an, mal aneinander vorbei; die Mimik wird auf einen Riesenbildschirm übertragen. Sie holt die Obstschale und den Kaffee. Er krümelt Müsli auf den Teller und zerhackt lautstark Äpfel mit der Gabel. Etliche Besucher verlassen den Saal. Eine Dame ruft entnervt: „Weg mit dem Paar. Das stört!“

Will uns die Regisseurin einen Spiegel vorhalten? Wir alle tragen dazu bei, dass Ostern vor allem Schokohasen-Kaufrausch und ein paar freie Tage bedeutet.

Von Antja Rößler

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