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Kultur Leere Ränge: Helge Schneider nimmt’s mit Humor
Nachrichten Kultur Leere Ränge: Helge Schneider nimmt’s mit Humor
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00:16 18.07.2017
Helge Schneider nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Quelle: POP-EYE
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Berlin

Helge Schneider blickt auf tausende leere Plätze in den oberen Rängen. Nur ein Pärchen hat sich dorthin verkrümelt. Der Entertainer vermutet, „die haben sich hier zu einer Aussprache gefunden“. Als nächstes knöpft er sich einen Kerl vor, der mit einem Ein-Liter-Bierbecher in der Hand durch die Reihen geht. „Boah, ’n Bier!“, sprechsingt er mitten im Song.

Es wird den privaten Helge schon fuchsen, dass zu seinem großen Auftritt am Freitagabend in der Waldbühne nicht einmal die Hälfte aller Eintrittskarten verkauft wurden. Für den beruflichen Helge aber ist jetzt Showtime. Zeit, das Veräppelungspotential des vermaledeiten Vorverkaufs voll auszuschöpfen. Er behauptet mit gespielt ernster Stimme, dass die Reihen aus sicherheitstechnischen Gründen nicht besetzt werden dürften. Riesengelächter.

240 Jahre „Singende Herrentorte“

Helge Schneider ist ein begnadeter Quatschkopf. Ein Dadaist, der seine Blödeleien mit Fug und Recht Kunst nennen darf. Auch den Titel seines Programms, „240 Jahre Singende Herrentorte“, hat er sich zusammenfantasiert. Angeblich ist vor 240 Jahren im Sauerland sein Vorfahre Helge Schneider I. geboren. Der habe den Zweitnamen „singende Herrentorte“ getragen und sei mit Ludwig van Beethoven in die Schule gegangen. Wie auch immer, das vermeintliche Jubiläum bietet den Rahmen für ein familiäres Konzert im kammermusikalischen Ambiente. Ein Best Of der schneiderschen Mischung aus begnadetem Klavierspiel und dem Wahnsinn nahen Blödeleien.

Nicht ausverkauft: Der Auftritt in der Berliner Waldbühne. Quelle: POP-EYE

Die Bühnentechnik reduziert sich auf eine mickrige Leinwand und fünf Scheinwerferständer. Damit ließe manch ein Star noch nicht mal die Party im Backstage-Bereich beleuchten. Die fünfköpfige Band nimmt nur einen kleinen Teil der riesigen Bühne in Anspruch. Sonst steht nichts auf der Bühne, nur ein Stuhl für Bodo Oesterling, den Teekoch und Butler, der sich gewohnt folgsam von seinem Chef Helge rumkommandieren lässt. Die Bühne ist dermaßen leergefegt, dass es wirkt, als hätten die Roadies der letzten Band einfach ein paar Instrumente vergessen.

Begnadeter Imitator

Ohne Bombast also, dafür musikalisch begnadet starten Helge Schneider und seine fünf Musiker in das Konzert. Sie spielen einen an Freejazz erinnernden Rhythmus, zu dem Helge vom „Klapperstrauss“ singt, quatscht und rappt. Zum „Meisenmann“ schlüpft der Saxofonist und Vollbartträger Sergej Gleithmann in die Rolle eines Singvogels und zelebriert seinen Meisentanz. Helge selbst wechselt auch immer wieder die Rolle und imitiert erstaunlich gut Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer.

Er spielt seine Hits - „Käsebrot“, „Telefonmann“, „Es gibt Reis“ – und sagt selbstironisch, dass er ja auch immer etwas Sozialkritik in seine Texte streue. Nach rund zweieinhalb Stunden mit langer Pause zwischendurch liefert er als einzige Zugabe das vielfach geforderte „Katzeklo“. Wie bei einer zerkratzten CD springt er im Text und singt nur Wortfetzen. Dann noch eine absurde Geschichte von einer verarmten Katzenbesitzerin. Irgendwie plemplem, irgendwie brillant, Helge Schneider halt. Riesenapplaus.

Von Maurice Wojach

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