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Kultur Sieben spannende neue Bücher über Brandenburg
Nachrichten Kultur Sieben spannende neue Bücher über Brandenburg
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00:18 19.03.2019
Auch die Buchhandlung Tieke in Rathenow freut sich auf die regionalen Neuerscheinungen, die auf der Leipziger Buchmesse präsentiert werden und in diesen Tagen ausgeliefert werden. Quelle: Markus Kniebeler
Potsdam

 Die einen machen gerne Ausflüge in die Weiten der grünen Mark, die anderen interessieren sich für Landesgeschichte oder Kunst. Was bietet der Buchmarkt an neuen Anregungen? Anlässlich der Leipziger Buchmesse stellen wir sieben Neuerscheinungen vor, die sich mit Brandenburg beschäftigen.

Nicht nur für Radwanderer

Johannes Wilkes ist praktizierender Arzt und lebt in München. Für den gebürtigen Dortmunder war in seiner Kindheit und Jugend das Westfalenstadion der Nabel der Welt. Mit den Jahren entwickelte er aber die Passion, schreibend deutsche Regionen zu erkunden. Nach Nürnberg, Schwaben und Baden stand jetzt erstmals eine ostdeutsche Kulturlandschaft auf dem Programm. Wilkes ist mit dem Fahrrad die Havel von der Quelle bis zur Mündung abgefahren. Das machen mittlerweile viele Touristen, aber dieser Durchreisende hat sich wirklich auf die die Geschichte, die Orte und die Menschen eingelassen. In seinem Reisebericht gelingt ihm ein guter Mittelweg. Er informiert und wagt historische Exkurse, er ordnet seine stimmungsvoll geschilderten Erlebnisse auch in den Kontext ein und lässt –ohne eitel zu wirken –auch etwas über sich persönlich blicken. Auch seine vielen Fotos können sich sehen lassen.

Johannes Wilkes: Das kleine Havel-Buch. Geschichte, Orte und menschen von der Quelle bis zur Mündung. Pustet, 192 Seiten, 19.95 Euro.

Der Alte Fritz neue gesehen

Da muss erst ein englischer Professor kommen, um so aufgeräumt und unverdruckst über Friedrich II. zu schreiben. Timothy C.W. Blanning lehrte bis 2009 über Neuere europäische Geschichte an der Universität Cambridge. Nun krönt er sein Lebenswerk mit einer dickleibigen Biografie über den deutschen König, dessen Leben lückenlos erforscht scheint. Doch bisher hat jede Generation den furchtbaren Konflikt mit dem Vater und die widersprüchlichen Rollen des Königs als Feldherr und Musensohn, als Kriegstreiber und Aufklärer neu erzählt. Dass er schwul war, wollte das deutsche Bildungsbürgertum gar nicht so genau wissen. Johannes Kunisch publizierte 2014 ebenfalls im Verlag C.H. Beck die letzte große Friedrich-Biografie. Im MAZ-Interview sagte er damals: „Es wäre zu platt, zu behaupten, Friedrich war schwul. Friedrich hatte weder mit seiner Frau noch mit Männern intimen Verkehr. Er litt im Genitalbereich unter einer Verletzung, die nicht geheilt war, Sekrete absonderte und stank. Auch wenn er einige Männer umwarb, er ist niemals mit ihnen ins Bett gegangen. Nein, da war nichts.” Wer Blanning liest, wird vom Gegenteil überzeugt.

Tim Blanning: Friedrich der Große. König von Preußen. Eine Biografie. C.H. Beck, 718 Seiten, 34 Euro.

Der große unbekannte Dichter

„Nicht wenige seiner Gedichte werden bleiben“, urteilte der gestrenge Marcel Reich-Ranicki über Peter Huchel (1903-1981). Obwohl der moderne Hymniker der mal spröden, mal lieblichen märkischen Landschaft nichts anderes besungen hat als Kiefern, Gräser und Schilf, Chausseen, Sandwege und Sterne, fiel er bei den DDR-Oberen politisch in Ungnade. Sie entmachteten ihn als Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Huchel lebte mit seiner Familie zurückgezogen und teilweise auch unter Hausarrest in Wilhelmshorst bei Potsdam. Er war 68 Jahre als, als er 1971 endlich in den Westen ausreisen durfte. Während er dort als heimwehkranker Lyriker hohes Ansehen genoss, blieb sein Werk im Mauerstaat unbekannt. Das änderte sich auch nach 1989 kaum. Huchel konnte auch postum den im SED-Statt durchgesetzten Autoren kaum den Popularitätsrang ablaufen. Um so verdienstvoller ist es, dass Matthias Weichelt, der heutige Chefredakteur von „Sinn und Form“, mit viel Liebe und Sorgfalt einen Abriss von Huchels Leben verfasst hat. Das Buch ist besonders schön ausgestattet und aufgemacht.

Matthias Weichelt: Peter Huchel. Leben in Bildern. Deutscher Kunstverlag, 96 Seiten, 20 Euro.

Was der rote Adler sieht

Die Sehnsucht, einmal wie ein Vogel über Wälder, Wiesen und Seen zu schweben, stillen die Luftaufnahmen von Diethelm Kaiser. Da trüben auch keine Fabrikanlagen, Windräder und Autobahnen das Bild. Es ist einfach erhebend, die den Alltag diktierende Welt mal auf ein erträgliches Maß geschrumpft von oben zu sehen. Das Vorwort räumt ein, dass „die zumeist ebene Landschaft keine spektakulären Anblicke bietet“. Doch darum geht es auch nicht. Der Autor verpasst den einzelnen Regionen ein Gesicht. Havelland, Prignitz und Ruppiner Land, Uckermark, Barnimer Land und Oderland, Lausitz, Spreewald und Potsdam werden jeweils in weniger als zehn Bildern charakterisiert. Ausführliche sorgfältige Bildtexte von Diethelm Kaiser werten den Bildband zu einer kleinen Landeskunde auf.

Dirk Laufner: Brandenburg von oben. bebra, 128 Seiten, 26 Euro.

13 Wanderrouten durchs Land

Klar, dass ein studierter Kartograf gern auch mal sein Ränzchen packt und loswandert. Dirk Laufner ist 47 Jahre alt und fühlt sich dort am wohlsten, wo er aufgewachsen ist: zwischen Wuhle, Dahme und Spree. Nur eine seiner 13 Wanderungen führt ihn in den Westen Brandenburgs und zwar nach Töplitz, das ist eine Havelinsel bei Werder. Seine Schilderungen sind recht blumig, und manchmal will es der Leser auch gar nicht so genau wissen, was ihm just an dem einen Tag widerfahren ist oder was es in den Geschäften in Töplitz genau zu kaufen gibt. Sein Buch enthält aber 13 schöne Anregungen, wo es sich lohnt, das Auto oder auch das Fahrrad stehen zu lassen. Allein die stimmungsvollen Fotos wecken die Wanderlust. Und wer das Buch nicht einpacken möchte, sollte sich vorher den „Wegverlauf in Kürze“ kopieren.

Gregor Münch: Unterwegs in Brandenburg: Die schönsten Wege zum Wandern und Spazieren. bebra, 176 Seiten, 16 Euro.

Ein unbekanntes Neues Palais

Das Neue Palais, von Friedrich II. als Gästehaus erbaut, ist ein ziemlicher Angeberbau. Nach bestandenem Siebenjährigen Krieg wollte der Preußenkönig mit Marmor, Deckengemälden und edlem Mobilar zeigen, dass Preußen eine europäische Großmacht geworden ist. Wer aber den Bildband von Friederike von Rauch zur Hand nimmt, entdeckt ein ganz anderes Neues Palais, eines, zu dem die Welt bisher keinen Zugang hatte. Bis zur Wiedereröffnung als restauriertes Museumsschloss waren im Neuen Palais Depots und Restauratorenwerkstätten untergebracht. Der Architekturfotografin wurde 2011 ein Generalschlüssel anvertraut. Sie hat über sieben Jahre diesen Zwischenzustand festgehalten. Herausgekommen ist eine grandiose Bilderzählung. Sie zeigt verpackte Stühle, verhängte Gemälde und verträumte Raumfluchten. Bei allen 75 Bildern bleibt sie bei einem strengen quadratischen Format und verzichtet auf Kunstlicht. Der Zyklus voller wundervoller Lichteinfällen und Schattenspielen wirkt modern, erfüllt aber auch sinnlich-romantische Bedürfnisse.

Neues Palais in Sanssouci: Fotografien von Friederike von Rauch. Jovis, 112 Seiten, 38 Euro.

Die Macht der Bischöfe

Zwischen weltlichen und kirchlichen Amtsträgern gab es auch in Brandenburg im Mittelalter erbittere Machtkämpfe. Peter Riedel hat die Zeit um 1250 erforscht. Der Geschichtswissenschaftler der Universität Bielefeld schildert in seinem Buch, wie die Bischöfe von Brandenburg bis zur Reformationszeit ihren Handlungsspielraum gegenüber den Landesherren verteidigt haben. Dafür untersucht er die Liturgie und die Gesetzgebung der Diozöse. Der Leser wird mit alten katholischen Gepflogenheiten vertraut gemacht, die damals auch das gesellschaftliche und das politische Leben prägten. Wer heute eine Landesgeschichte schreibt, darf die kirchlichen Würdenträger nicht aus den Augen verlieren. Nicht nur Bischöfen, auch ihren Stellvertretern – Weihbischöfen, Generalvikaren, Offizialen, Archidiakonen und Pröpsten – kam viel Macht zu. Dem Buch liegt eine Promotion zugrunde, die vom Historischen Institut der Universität Potsdam mit dem Dr. Elisabeth Hamacher-Stiftungspreis ausgezeichnet worden ist.

Peter Riedel: Mitra und Statuten: Bischöfliches Handeln in der spätmittelalterlichen Diözese Brandenburg (Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte). Lukas Verlag, 272 Seiten, 30 Euro.

Von Karim Saab

Er war der zärtlichste aller Jazzsänger: Nat King Cole wäre am 17. März 100 Jahre alt geworden. Eine Würdigung.

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